Gelungene Vorträge und musikalische Glanzpunkte

Premierensitzung der Sängervereinigung Mainflingen

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Begeisterten mit dem Showtanz „It’s magic“: Die Crazy Schimmel Dancers unter Leitung von Natalia Mäder in der SVM-Premierensitzung.

Schimmelland - Außer Rand und Band war wieder mal das Schimmelland, auch wenn dort ein Dreigestirn fürwahr, regiert die Narren statt dem Prinzenpaar. Von Bernhard Koch 

Knapp sechs Stunden Programmfeuerwerk vom „Radkäppchen und dem bösen Golf“ bis zu den „Müllmännern“ begeisterte bei der Premierensitzung der Sängervereinigung Mainflingen (SVM). Es ist allemal keine leichte Aufgabe, 300 Menschen im Saal schon zum Beginn einer Fastnachtssitzung in närrische Stimmung zu versetzen. Das gelang nach der Kindertanzgruppe „Youngstars“ (Trainerinnen Natalia Mäder und Anja Feldner) und dem Einzug des Dreigestirns (mehr auf dieser Seite) dem gemischten SVM-Chor „Coloured Voices“ unter Leitung des Vollblutfastnachters Stefan Weih. „Radkäppchen und der böse Golf“ hieß der Titel der Persiflage rund um Autos und Automarken mit gelungenen Wortspielen („Darf ich fragen, wohin der Weg dich Fiat“) und musikalischen Einlagen der Superklasse. Der „rote Corsa“ wandelte sich dann schnell in „Romeo und Alfa“. Die erste Zugabe war schon gleich zum Sitzungsbeginn fällig. Nach dem „Moskau“-Auftritt der Crazy Schimmel Dancers unter Leitung von Kerstin Gast dann die Überraschung des Abends. Bezirksvorsitzender Manfred Kreis von der IG Mittelrheinischer Karneval überreichte Urkunde und Nadel an Günther Knies (65), der seit 50 Jahren der SVM angehört, seit 1992 Abteilungsleiter Karneval ist, das Gesicht der Schimmelfastnacht entscheidend mitgeprägt hat, im Laufe des Abends als „Supernarrengrufti“ tituliert wurde und Tränen in den Augen hatte, weil er von der Ehrung überrascht war. Wo er doch meist alles vorher weiß.

Die Mainfinken als musikalische „Müllmänner“ unter der Leitung von Dirigent Werner Utmelleki sorgten mit ihrem Auftritt wieder für viel Szenenapplaus, nicht nur wegen der fürs RTL-Dschungelcamp gesammelten Maden aus den Biotonnen.

Weiter ging es mit dem Protokoller Stefan Stegmann, der einmal mehr als Nachtwächter auftauchte und so manches Licht ins Dunkel brachte. Nachdem er mit Donald Trump und der Europa-Politik fertig war, nahm er die deutsche Politik aufs Korn, mahnte zum „Mitdenken als wichtige Bürgerpflicht“ und machte zur Frage von Abschiebungen deutlich: „Wer betrügt, muss wissen: Er wird rausgeschmissen!“ Bis November schienen derweil die lokalen Themen Mangelware gewesen zu sein, doch dann kam’s Schlag auf Schlag, und jetzt durfte sich die im Narrensaal sitzende Bürgermeisterin Ruth Disser warm anziehen. Die geschlossene Postdienststelle war ebenso Thema des Protokollers wie die angehobenen Müllgebühren, die neue Buslinie nach Bayern (ein klassischer Schildbürgerstreich, Mainflingen hat keine Haltestelle), 40 Jahre Gebietsreform („es sind 40 Jahre her, aber immer noch fällt das Zusammensein schwer“) und natürlich die Planung zum Schließen des Mainflinger Rathauses, was Stefan Stegmann zu einem Bittgesang verleitete in Richtung Bürgermeisterin: „Lass es Rathaus bitte stehn!“

Klar, dass zum Abschluss des Protokolls mit spitzer Miene, die Liebschaft zum benachbarten ach so liebenswerten Zellhausen nicht fehlen durfte. Den nachgeholten Fastnachtszug statt einer Prozession am Kerbsonntag hatte Wendelinus (oder doch Petrus) schon mit einer Portion Regen bestraft und die Narren nass gemacht im Gegensatz zu den Seligenstädtern beim Rosenmuttertagszug: „Wenn Schlumber feiern, scheint die Sonn’. Bleibt fer Zellhause die Lektion: Macht nächstes Mal e Prozession.“

Bilder zur Galasitzung der Sängervereinigung in Mainflingen

Noch schnell glosssiert der Protokoller das Moaflinger Lied in einer neuen Melodie zum schönen Moaflinge in der Zeitung mit den vier Buchstaben und natürlich noch „Schaffe, schaffe, Mauer baue und schnell abhaue!“ im Blick auf die zugemauerte Tür des Hilfspolizisten am Zellhäuser Bahnhof. Zugabe. Stimmungsrunde mit altbekannten Fastnachtsliedern vom Humba, humba tätärä bis Rucki zucki, präsentiert von Denise Oftring und noch den „Sketch mit G“ nach Heinz Erhardt von Hans-Jürgen Bass, Harald Wiegand und Lilly Wingender: Grandioses gelungenes Gespräch. Ganz großer Gag.

Das „Radkäppchen“ hält Ausschau nach dem „bösen Golf“. „Coloured Voices“ begeisterten mit Wortspielen.

Pause für rund 300 Gäste und 130 Aktive, danach öffnet sich der Vorhang und es ist etwas Zeit, den neuen Bühnenaufbau zu bewundern, der Dank der Ideen von SVM-Chef Gunter Knecht zustande kam. Auch Alleinunterhalter und SVM-Dirigent Werner Utmelleki hatte wieder alle Hände voll zu tun, der Elferrat zieht wieder ein und weiter geht es mit Denise Oftring und Dilara Wißler, die sich um das Dreigestirn 2018 bewerben, mit einer überaus gelungenen musikalischen „Müllmänner“-Präsentation der Mainfinken und „We will rock you“ mit Mülltonnen, den Erlebnissen beim Brotkauf von Schambes (alias Christoph Gast) im Supermarkt und der Kreuzfahrt, der „Traumreise 4.0“ der Moafährladies und einem Vortrag von Robert und Winfried Steil über 40 Jahre Mainhausen, die alte Fähre, die Erinnerungen daran und klar: Wieder die „Liebe“ zwischen „Schimmel“ und „Bruchkatze“. Mit dem Showtanz der Crazy Schimmel Dancers („It’s magic“) und dem Finale mit dem Adam-Lied „Mama Lu“ ging eine Premierensitzung zu Ende, die einmal mehr aufzeigte: Die Schimmel haben sich als die östlichste Sitzungshochburg des Ostkreises wieder eindrucksvoll bestätigt.

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