Keine Winterdepression

Rosa-Wölkchen-Sitzungen durchgehend ausverkauft

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Moderiert von Jutta P. von der Weltbühne, bekamen die Besucher in der Willy-Brandt-Halle ein abwechslungsreiches Programm präsentiert. Unter anderem bei den Rosa-Wölkchen Sitzungen dabei waren Andy Ost, Gerda Ballon und das Duo Fresh and Fun.

Mühlheim - „Gerdas kleine Weltbühne“ zelebriert in der Willy-Brandt-Halle derzeit vor stets ausverkauftem Haus ihre Rosa-Wölkchen-Vorstellungen. Auf der Bühne stehen etwa hessische Schlappmäuler und ein jung gebliebener Veteran der ZDF-Hitparade. Von Stefan Mangold

Woanders in Hessen erklingt es zu Fastnacht „Gud‘ Stuss“ oder „Hä-Hopp“. Bei Rosa Wölkchen heißt es „gay is schee“. Deshalb braucht sich kein Hetero davor zu fürchten, zumindest für den Abend konvertieren zu müssen. Niemand muss sich „mim Rücke an de Wand entlang drücke, weil er denkt, ich weiß net, was von hinne auf mich zu kommt“. So versteht es Woody Feldmann, die Entertainerin aus dem Ried, die ABBAS „Super Trouper“ zur hessischen Hymne auf die Tupperware verwandelte, mögliche Ängste zu nehmen.

Durch die Show führt wie immer Jutta P. von der Weltbühne. Die Travestiekünstlerin lobt die Stimmung. Mit den ersten Takten von „ein bisschen gay is schee“, ist die sofort oben auf. Das klappt nur bei Geschichten, die schon ein paar Jahre laufen, so wie Rosa Wölkchen. „Das hilft aus der Winterdepression heraus“, freut sich Jutta, die alle naselang in einem anderen Kleid steckt. Als erste Nummer singen Alberto Di Febo und Michele Zangari von „Fresh and Fun“ italienische Gassenhauer. Dann gibt Travestiekünstlerin Naomi die „Königin der Nacht“. Nicht die Koloratursopran-Arie aus Mozarts Zauberflöte, sondern den ungleich leichter zu trällernden Schlager.

„Er fing bei Rosa Wölkchen als Sternschnuppe an“, kündigt Jutta P. Andy Ost an. Der musikalische Unterhalter berichtet vom Besuch beim Opa, als der aus dem Beipackzettel seiner Viagra-Pillen vorlas: „Hält Ihre Erektion länger als vier Stunden an, erzählen sie das Ihrem Arzt.“ In Andys Opa hat der Pharmahersteller einen verlässlichen Partner: „Wenn der mir vier Stunne steht, ei dann erzähl ich des jedem!“

Andy Ost ironisiert den meist bierernsten Impetus des deutschen Schlagers, der auf „Für-immer-dein“-Versprechen und Vorwürfe à la „betrogen“ und „belogen“ setzt. Eine Generalabrechnung per Klavier richtet Ost an die Eltern: „Habt ihr geglaubt, dass euch das nie im Leben einholt?“. In deren Keller fällt dem Mann ein Fotoalbum von 1986 in die Hände. Darin muss er sich „mit einer Topfrisur am Tag der Einschulung“ sehen: „Hätte es Facebook damals schon gegeben, ich wär‘ am Arsch“, mutmaßt er. „Frau Wäber“ aus dem Schwarzwald, dahinter steckt Hansy Vogt, erinnert an eine Zeit, als ein Telefon lediglich zum telefonieren diente, „wir waren noch mutig und nahmen ab, ohne zu wissen, wer dran ist“.

„Gerdas kleine Weltbühne“ feiert Rosa-Wölkchen-Sitzung: Bilder

Zwischendurch erzählt Jutta P. von den Verhängnissen einer Bestellung im Internet, wenn der Hersteller eine Altersangabe wünscht, „zwanzig Minuten scroll‘ ich mir einen Wolf“. Ansonsten gilt für sie: „Obbe klar und unne dicht, mehr möcht‘ ma doch im Alter nicht.“ Auch Olga Orange tritt auf. Die „Frau“ enttarnt den putzigen Gesellen aus der einstigen Werbung des Kaffeemilch-Produzenten Bärenmarke, „so wie der winkt, das ist doch eine Tunte“.

Im vergangenen Jahr hatte Jutta P. noch verkündet, „wir hoffen, dass die Gerda bald wieder auftritt“. Da saß Gerhard Stein, alias Gerda Ballon und Erfinder der Weltbühne, im Publikum im Rollstuhl. Nicht jeder konnte sich vorstellen, dass sich der Wunsch erfüllen sollte. Seit ein paar Wochen rollt Gerda wieder in Topform auf die Bühne. Der amputierte Unterschenkel wird zum Thema: „Sag ich an der Theke, geb’ mer noch nen Jägermeister, auf einem Bein kann ich net stehen’“. Gerda fordert zum Schunkeln auf, „wer nicht mitmacht, muss mit mir ins Bett“. Ob der Aussicht hätten die Leute am Abend zuvor „bis morgens um vier geschunkelt“.

Zum Finale tritt Bernhard Brink auf, einst Stammgast in der ZDF-Hitparade, „ich dreh mich um dich, wie ein Planet, lass uns einander nie verlieren“. Keiner soll sagen, der Schlagersänger lebe nicht, was er singt. In der Branche nicht unbedingt üblich, zirkuliert der Mann tatsächlich seit 37 Jahren um dieselbe Frau.

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