Ein Papst und viele Papageien

CVB-Sitzung: „Ein Italiener sagt Ciao, ein Bawwehäuser ruft Helau!“

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Tanzende Papageien: die TVB-Tanzgruppe Akzeptanz bei ihrem farbenfrohen Auftritt in der Stadthalle.

Babenhausen – Mit sensationellen Tanznummern punktete die Premierensitzung des Babenhäuser Carnevalvereins (CVB) am Samstag in der grün, weiß, rot dekorierten Stadthalle. Von Petra Grimm

Schließlich führte das Motto „Ein Italiener sagt Ciao, ein Bawwehäuser ruft Helau!“ die närrischen Gäste nach Bella Italia. Jede Menge gut gelaunte Pizzabäcker, Gondoliere mit Strohhüten und Ringelpullis, elegante venezianische Karnevalisten, Mafiosi, Römer oder auch Supermarios feierten La Dolce Vita. Die Elferratstheke war eine große Gondel vor der Skyline von Venedig, in die sich der schiefe Turm von Pisa geschmuggelt hatte.

„Wollt ihr einen Sekt oder lieber eine Prise Sauerstoff?“, fragte Sitzungspräsident Klaus Fengel, frech wie gewohnt, eine Gruppe nach Luft japsender Tänzerinnen. Souverän managte der CVB-Chef das närrische Treiben, das er mit Anmerkungen zum umstrittenen Baugebiet „Boßwenhain“ und den auf dem Kasernengelände entstehenden „Kaisergärten“ eröffnete. Sein Tipp für die investierenden Aumänner, mit dem auch dem Luftsportclub geholfen wäre: Den Flugplatz hinter der Kaserne erhalten und zu einem „Sleep and Fly“-Projekt entwickeln. „Also Millionäre könnten dann von ihrer Villa aus in die Welt oder betuchte Geschäftsleute morgens zu ihrer Firma in den „Kaisergärten“ fliegen. Das würde auch das Verkehrsaufkommen auf der B26 reduzieren“, witzelte Fengel.

Die „Prosecco Mädscher“ des Carnevalvereins beim Badespaß.

Ein kritisches Auge auf verschiedene Bauvorhaben und noch einiges mehr warf auch Protokoller Joachim Heizmann, der als Papst in der Bütt unterwegs war und die Gier nach Geld als Ursache der meisten Probleme ausmachte. An der Kommunalpolitik und ihren Vertretern ließ der Bischof von Rom kaum ein gutes Haar. Schließlich ist für ihn „Stadtparlament Höchststrafe“ und „Ort der großen Dramen“. Bei der Debatte um die Bebauung des Grünewald-Areals sieht er das gleiche Problem wie in der Bibel beim Turmbau zu Babel: „Keiner kann den anderen verstehen“. „Es kann doch hier auf Erden nicht jeder Acker Bauland werden“, kommentierte er die Auseinandersetzung um das Baugebiet „Boßwenhain“, das vor 25 Jahren ins Auge gefasst wurde („Babenhäuser Eilverfahren“).

Lobende Worte fand er für das Engagement und den Mut des Allgemeinmediziners Dr. Mirza, der auf dem Michelsbräugelände ein Ärztezentrum aufbauen will. Und dass die Bummelgass’ („halb so groß wie der Friedhof, aber doppelt so tot“) irgendwann belebt wird, „werden wir alle hier nicht mehr erleben“. Dabei bemühe er sich redlich vor Ort einzukaufen, sagte Heizmann, hob seine weiße Soutane hoch und zeigte seine Beine in bei Xamea Dessous gekauften roten Netzstrümpfen.

Protokoller Joachim Heizmann las den Kommunalpolitkern als Papst die Leviten.

Auch bei den schmissigen Gardetänzen waren Beine zu sehen, allerdings ohne rotes Netz, aber dafür durchtrainiert. Die Kleine, die Mittlere und die Prinzengarde des CVB begeisterten das Publikum, ebenso wie die beiden Langstädter Tanzmariechen Lena Danel und Nina Segeth. Dass das Prinzenpaar Marie I. und Christoph I. nicht nur von Hofmarschall Roland Keil vorgestellt wurde, war eine Premiere. Das Männerballett „Bawwehaiser Bembelbuuwe“ präsentierte den in ihren Reihen tanzenden Prinzen mit einer humorvollen, musikalischen Erzählung, die einige der royalen Geheimnisse lüftete. So erfuhr das närrische Publikum unter anderem von seiner Leidenschaft für Schnupftabak und AC/DC.

An Kreativität und Schwung überboten sich die durchweg gelungenen Showtänze. „Plitsch, Platsch, Badespaß“ lieferten die „Prosecco Mädscher“ des CVB, die als rosa und blaue Waschschwämme um Ernie und sein Quietscheentchen in der Badewanne herumtanzten. Eine echte Gute-Laune-Nummer, ebenso wie die tanzenden, leuchtend bunten Papageien der TVB-Akzeptanz, die sich aus ihren Käfigen befreiten und dann federleicht über die Bühne wirbelten. Eine tolle Choreografie mit professionell wirkender Performance.

Babenhäuser Carnevalverein mit närrischer Reise nach Bella Italia: Bilder

Als süße Candy Girls mit tollen Kostümen war die CVB-Tanzgruppe im Einsatz und die Zirkusdirektorinnen der Gruppe Amaya des Hergershäuser Turnvereins riefen „Manege frei“. „Tanzverbot“ war das originelle Motto des CVB-Lidoballetts, das auf der Bühne verhaftet wurde und dann in orangefarbenen Gefangenenanzügen weitertanzte. Das Männerballett „Bawwehaiser Bembelbuuwe“, das im vergangenen Jahr seine Premiere als Baywatch-Rettungsschwimmer feierte, rockte den Saal als Piloten, die in kleinen selbst gebauten Holzfliegern durch den Saal flogen und auf der Bühne sogar als menschliche Pyramide zu bewundern waren.

Bembelbub Kris Henzler berührte die Gäste wieder mit seinem Sologesang („I belive I can fly“). Ebenfalls als Wiederholungstäter sorgte der Elferrat als „Singing Komitee and Friends“ mit Schlagern für gute Laune im Saal. Bei Hits wie „Ein Bett im Kornfeld“, „Tränen lügen nicht“ oder auch „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ stimmte der Saal begeistert ein. In der Bütt witzelten Ralf Knöpp als Erstflieger und im Zwiegespräch Joachim Heizmann und Claudia Bahnen als zänkisches Ehepaar.

Fast am Ende der Show war der Odenwälder Kabarettist und Musiker Daniel Helfrich platziert, dessen trotz fortgeschrittener Stunde und einer gewissen Wortlastigkeit seiner schrägen Gesangs- und Comedyeinlagen gut ankam bei den närrischen Babenhäuser Italienern, die ihn im Stehen feierten. Da capo!

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