Kampagne gekrönt

Lämmerspiel feiert gelungenen Fastnachtszug 

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Auf das richtige Timing kommt es an: Als sich der Fastnachtszug der Ortsvereine durch Lämmerspiel schlängelte, gab es Sonnenstrahlen statt Windböen.

Mühlheim – Lämmerspiel ist wie (fast) immer – unglaublich! Das lässt sich nicht erklären, nur erleben: Bis zum Mittag regnet es beständig, gegen 14 Uhr fallen die letzten Tropfen, und als der in die Jahre gekommene VW mit Zugmarschall Frank Wenzel den närrischen Lindwurm der Ortsvereine startet, lugt die Sonne hinter den grauen Wolken hervor – und verschwindet bis zum Abend nicht mehr. Von Michael Prochnow 

Für manche ist es ein Wunder, die Lämmerspieler nennen es schlicht Fastnachtszug.

Das Besondere an dieser Straßenfastnacht ist – der feierverrückte Stadtteil hätte sich auch von einem Schauer nicht ausbremsen lassen. Und der einzige Sturm, den sie hier kennen, ist der des Jubels, der prächtig kostümierten Narren entgegenschlägt. Der Zug musste allein schon aus Sicherheitsgründen starten, alles andere wäre in der Mühlenstadt nicht gut angekommen. Also drängen die Luftballons in Blau- und Pinktönen der Schellennarren leicht gen Osten, die LCV-Garden und -Mädels tanzen Formation zur Musik vom Elfer-Wagen, dann kündigt Blaulicht an: „De’ Zuch kütt.“

Die Firedrums vom Mühlheimer Karnevalverein blasen irgendwie glücklicher – heute müssen sie Tuben und Trompeten nicht trocken wischen. Zugmarschall Markus Höschele wirft die Bonbons aus der rollenden Narrenkappe, es folgen Frauen in Witwen-Schwarz, die die 20er Jahre verehren, und das rote Klein-Auheimer Narrenschiff. Die TSV-Kicker nutzen die Gunst der Stunde und werben mit Hochprozentigem fürs Fest zum 110-Jährigen, bei den Indianern raucht der Kessel, die Grünen und ihr Biber werben wieder für Europa.

Die Schmetterlingsflügel der Damen schimmern im Sonnenschein und Ritter Ludwig Neunobel hat, logisch, Sonn-Au im Herzen. Die „lusdische Klikke“ kommt fürstlich gewandet daher, während die Dietesheimer Jugend mit einer Burg vorfährt, begleitet von hübschen Prinzessinnen – oder sind’s Gardemächen der Kolpinger? Die Kappenträger thronen auf einem Elferwagen, die Dalles-Cowboys natürlich im Saloon, einer der bärtigen Hutträger verteilt lila Tulpen.

Feuerwehrmänner und ihr Nachwuchs versprechen, sie kommen auch bei Diesel-Fahrverbot – vielleicht mit der alten Handpumpe, die sie im Schlepptau haben. Viel Helau schütten auch die Klein-Auheimer Narren über die Nachbarn aus, die Teutonia-Fußballer aus Hausen kommen mit den sorgenvollen Masken aus der US-Serie „Haus des Geldes“ in kaminroten Blaumännern daher.

„Wir sind Comtesse“, meinen Kinder und Eltern der Hausener Kita St. Josef und kündigen mit Spielkarten die mit Abstand größte Gruppe an, die „Elf Babbscher“, mit einem Fahnenmeer und Garde-Reihen, die einen eigenen Zug bilden könnten. Rot-weiß ist freilich die Farbe der Fans der Offenbacher Kickers: „Aus Zwergen werden Riesen, da muss man Tore schießen!“

Bilder zum Lämmerspieler Fastnachtszug

Rot ist auch die Farbe der Katholischen Karnevalisten Mühlheims, die das atemlos lächelnde Stadtprinzenpaar und ebenso das Kinderprinzenpaar begleiten. Das blau-weiße Ende läuten die Tänzerinnen des Lämmerspieler Carneval-Vereins ein. Ihr Prinzenpaar krönt eine großartige Kampagne, die so ausklang, wie sie begann: unvergleichlich heiter bis lustig.

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