Stadtkasse in weiblicher Hand

Babbscher-Comtesse und Leder-Baron übernehmen Macht im Rathaus

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Viele Tollitäten aus der Umgebung unterstützten Baron Chris und Comtesse Eva-Lotta beim Sturm auf das Obertshausener Rathaus im Stadtteil Hausen.

Obertshausen - Die Verwaltung ist besetzt, die Macht nicht mehr in Bürgermeister Roger Winters Hand: Narren haben das Rathaus gestürmt. Von Michael Prochnow

Von wegen zähfließender Verkehr: Im Marschschritt und ohne Halt „mit Helau aus dem Stau“ ging’s von der Sporthalle Rodaustraße zum Rathaus und schnurstraks auf die Bühne. Die Stoßrichtung war klar definiert, die Stadtkasse und der Schlüssel für den Verwaltungsbau waren das Ziel von Leder-Baron Chris I., Babbscher-Comtesse Eva-Lotta I. und Gefolge. Und das war groß. Neben den Regenten und den Garden der Elf Babbscher waren Gruppen mehrerer benachbarter Karnevalsvereine dabei. So schlängelte sich ein kleiner Fastnachtszug durch halb Hausen, beäugt von vielen Anwohnern an Fenstern.

Sonnenschein begleitete die Narren. Und während Chris und Eva-Lotta wie auch das Offenbacher Prinzenpaar staatsmännisch aus Cabriolets winkten, gingen die Kollegen aus Lämmerspiel zu Fuß. Das wärmte, allemal zum Takt der Node-Babbscher und der Icebreakers aus den Reihen der Offenbacher Stadtgarde. Bürgermeister Roger Winter hatte mit den Magistratskollegen Hildegard Knorr, Jürgen Weber, Georgios Kostas und Jürgen Krapp sowie Luis Galvez, der auch den Vereinsring vertrat, vor dem Eingang Aufstellung bezogen. „Ihr schon wieder, ich glaub’ es nicht! Diesmal geh’ ich härter mit euch ins Gericht!“, schalt der Rathauschef von der Rampe. „Zum dritten Mal versucht ihr hier die gleiche Nummer, reißt uns arme Beamte aus verdientem Schlummer“, schimpfte er und hoffte, „ihr macht nicht unseren ausgefeilten Finanzplan platt“.

Baron Chris erinnerte den „Edlen von grünem Geblüt“, was er „alles gesagt und dann schnell vergesse’“ habe, Café Omega und Schwimmteich gebe es immer noch nicht. „Den Teich wollt ihr doch selber errichten“, konterte der Winter. „Wir verteidigen unsere Stadt bis zur letzten Meile“. „Die wahre Regierung sind Frauen“, übernahm Eva-Lotta das Zepter, „die Stadtkass’ ist sicher in weiblichen Händen“. Diesen Argumenten gab sich Winter schließlich geschlagen.

Fotos: Rathaussturm der „Elf Babbscher“ in Obertshausen

Draußen präsentierte Babbscher Sebastian Leinweber Tänzerinnen und einte Hoheiten der Umgebung auf der Bühne. Vorsitzender Andreas Murmann erinnerte im Protokoll an Unzulängliches im vergangenen Jahr: Während das Café im Bahnhof noch immer nicht fertig sei, müssten viele Kunden in Hausen jetzt weiter zum Einkaufen laufen. Mehrere hundert Schaulustige wurden Zeugen der Übernahme, darunter prächtig verkleidete Knirpse der Kita Rodaustraße.

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