Leichte Kost und üble Sachen

Sitzung der Offenbacher 03 im Pfarrheim St. Nikolaus

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Was fürs Elternherz und für die Zuschaueraugen: Auch als Fotomotiv konnten die Gemaa-Minis taugen.

Bieber - Bei der Sitzung der Offenbacher 03er ging es am Samstag hoch her. Das Bieberer Pfarrheim mutierte zur Stätte der Völkerverständigung. Von David Heisig

Offenbacher an Fastnacht in Bieber? Das wirkt so surreal wie Römer im Asterix-Dorf beim Wildschweinschmaus. Wenn das Prinzenpaar Simone Andrea I. und Michael I. samt Hofstaat in Biebers Jokus-Heiligtum, das Pfarrheim, einzieht, scheint die Karnevalswelt aus den Angeln gehoben; wird Offenbacher Fastnachtskult doch im Stadtteil gern mit Spott bedacht. Aber nicht wenn die Offenbacher 03er zur Sitzung laden. Mit der Stadt im Namen, der neuen Heimat in Waldhof und den Bezügen zu Bieber ist der Verein prädestiniert dafür, das Narrenvolk der Gesamtstadt zu einen. „Mit dem OKV an ihrer Seite werden sie weise uns regieren, Lederanien durch die Fastnacht führen.“ So begrüßt Sitzungspräsident Stephan Färber die Lieblichkeiten. Die geben das Lob holde winkend zurück.

Dass danach mit Dagmar und Maximilian Winter zwei Bürgeler Ranzengardisten auf der Bühne stehen, macht die Diplomatie perfekt. Beide erzählen vom Generationenkonflikt zwischen fastnachtsliebender Mutter und störrischem Sohn: „Das kommt durch Strahlen aus dem All. Und plötzlich ist Karneval.“ Von Anfang an ist das Tempo hoch. Das liegt vor allem an der Guggemusik der Stadtgarde. Mit Trommelwirbel und Tam-Tam heizen die Icebreakers ein. „Wer jetzt noch nicht wach ist, hat etwas verpasst“, unkt Färber, als die letzten Tonfetzen verhallen.

Auch toll: Ilse Hammanns Protokoll.

Die 03er bitten Gäste auf die Bühne. So stehen die Nummern mancher Fernsehsitzung nichts nach. Etwa wenn der junge Michael Reisert, Interpret der Fastnacht in Rodgau und Rödermark, von seinem „Jahr in den USA“ erzählt. Mit Schreck habe er feststellen müssen, dass es dort keine Fastnacht gebe und der Weg vom Tellerwäscher zum Millionär ein harter sei. Er singt eigene Texte zu bekannten Melodien. Mimik und Gestik sitzen. Jeder merkt: Der steht nicht zum ersten Mal auf der Bühne. Ebenso wie die Bieberer Fastnachtsurgesteine Bettina und Marga Rothbarth. Wenn Mama den Führerschein macht („Der Bremsweg ist der Weg zwischen dem, wo man erschreckt und wo es kracht“), bleibt kein Knochen heil und kein Auge trocken. Oder wenn der Sitzungspräsident mit dem Ex-Präsidenten der Katholischen Jugend, Sebastian Kurt, als Bänkelsänger in die Bütt steigt. Gekonnt wird Weltgeschehen aufs Korn genommen, vom Schläger am Aussichtsturm über die Willkommenskultur bis zur Stadionwurst.

Charly Engert zählt als „B-B-B-Bodooo“ zum Inventar. Kalauernd nimmt er das Frau-Mann-Verhältnis aufs Korn: „Was haben eine Frau und eine Handgranate gemeinsam? Ziehste den Ring, ist das Haus weg.“ Kokolores gehört ebenso zum Fasching wie das Protokoll. Dieses hält Ilse Hammann, Vorsitzende des Vereins. „Keine leichte Kost, auch üble Sache“, habe man im abgelaufenen Jahr erfahren müssen. „Ich will als Narr nicht schweigen“, sagt sie und steigt mit den Silvester-Ereignissen von Köln ein. Da bleibt mancher Lacher im Hals stecken. Auch Hammann wirkt bewegt. Das ist ebenfalls Fasching – Finger in die Wunde legen.

Sitzung 2015 der Offenbacher 03 in Bieber

Getanzt wird auch; vorweg die Minis der Gemaa Tempelsee. „Jetzt kommt was fürs Herz“, betont Färber. Die Tänzerinnen begeistern mit ihrer Cheerleadernummer. Klar, dass die Eltern stolz Fotos machen. Bei der Tanzgarde der Seligenstädter FastnachtsFreunde hat das männliche Geschlecht was zum Gucken. Tänzerisch perfekt ist die Choreografie der Damen. Die „Schlabbedabber“, Männerballett des KV Aufenau, stehen den Kolleginnen in nichts nach, was die Akrobatik unter dem Pfarrheimdach angeht. „Da könnt‘ der Oberste gleich die Decke streichen“, ulkt Färber. Auch die Ollen Dollen mit ihrer Westernshow oder Unlimited mit einer Heidi-Interpretation faszinieren.

Beim Rudel-Singsang mit Tom Jet klingt der Abend aus. Im Saal singen alle mit. Und die Luftballons schweben von der Decke...

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