Zum 40-jährigen Bestehen

1. Dietzenbacher Tanzgarde: Mehrere Raketen gezündet

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Die „Dancing Devils“ der Tanzgarde entern mit einem Showtanz im Stil der 50er Jahre die Bürgerhaus-Bühne.

Dietzenbach - Prinzenpaar, Elferat, Polonaise und jede Menge Gesang und Tanz: Zur Großen Sitzung zum 40-jährigen Bestehen der 1. Dietzenbacher Tanzgarde lassen die kreisstädtischen Narren kein Fastnachtsritual aus. Von Lisa Schmedemann 

Und zur Feier des Tages platzt das Bürgerhaus mal wieder aus allen Nähten. Wenn Mönche und Nonnen mit dem Teufel an einem Tisch sitzen und sich Bananen und Waldfeen dazugesellen, hat die Zeit der Narren begonnen: Die 1. Dietzenbacher Tanzgarde hat zur „Großen Sitzung“ unter dem Motto „Ein Käfig voller Narren“ ins Bürgerhaus eingeladen. Eröffnet wird die Sitzung vom Tanzgarde-Vorsitzenden Holger Arnold, der gleich zwei Höhepunkte verkündet: Die Tanzgarde feiert ihr 40-jähriges Bestehen und hat für die laufende Kampagne nach fünf Jahren wieder ein Prinzenpaar .

Die erste Tanzeinlage des Abends bieten die Solisten Mark Wieser und Caroline Krah, die mehr Zeit in der Luft als auf dem Boden verbringen. Räder werden geschlagen und Tanzbeine geschwungen, was die Stimmung bei den Narren im Publikum steigen lässt. Danach marschiert das Prinzenpaar mit seinem Hofstaat ein: Prinz Reiner I. (Reiner Wagner) und Prinzessin Angie I. (Angie Bekele) begrüßen mit ihrem Gefolge, Biljana Vasiliu und Frank Hilsamer, die Narrenschar. Sie fordern dazu auf, die Gläser zu heben: „Narr, schenk ein, es muss einmal getrunken sein“, rufen sie im Chor. Hoheitliche Unterstützung erhalten sie von den Prinzenpaaren Nico I. und Nina I. aus Dreieich und Horst II. und Dagmar I. aus Offenbach.

Musiker Tom Jet bringt die Menge mit seinem Rudel-Sing-Sang in Stimmung.

Nach Tusch und Abzugsmarsch kommt Wagner als Protokoller auf die Bühne und nimmt die Politik der Welt aufs Korn. Mittelpunkt seiner Rede ist SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, der „aussieht wie ein Edeka-Filialleiter“ und dessen Auto „nicht mit Benzin, sondern aus Respekt“ fährt. Das Publikum grölt. „Viele Frauen in Deutschland sind unbefriedigt, weil Martin Schulz nicht überall gleichzeitig sein kann“ sagt Wagner, erntet Applaus und Lacher vom Publikum und schafft damit eine Überleitung zu Bekeles Rede. „Sexuelle Belästigung durch Frauen“ ist ihr Thema und spielt damit auf die „me, too“-Bewegung aus Hollywood an. Der „Schulbub“ Colin Murmann ist aus Eppertshausen zu Gast und berichtet vom üblichen Wahnsinn eines 14-Jährigen. Das Nachwuchstalent stand mit elf Jahren zum ersten Mal in Dietzenbach auf der Bühne. „Ich bin jedes Jahr total nervös, aber wenn man erstmal auf der Bühne steht, macht es einfach Spaß.“ Die Narren lieben den Jungen mit Mütze und Schulranzen und applaudieren eifrig. Büttenredner Boris Reisert aus Ober-Roden hat die Schule bereits hinter sich und erzählt von seinen Erlebnissen als „Elferratspraktikant“. Er reiht Reim an Reim und holt dazwischen kaum Luft, die Narrenschar greift ein: Sie lassen den Anwärter nicht ausreden und unterbrechen ihn mehrfach mit tosendem Applaus.

Bilder zur Jubiläumssitzung der 1. Dietzenbacher Tanzgarde (Teil 1)

Einen der Höhepunkte im Programm stellt der Auftritt von Bäppi la Belle dar. Der Frankfurter steht zum ersten Mal in der Kreisstadt auf der Bühne, dürfte aber so ziemlich allen Gästen bereits bekannt sein. Wie auch Wagner widmet er sich Ex-Kanzlerkandidat Schulz und beschreibt den amtierenden amerikanischen PräsidentenDonal Trump als „unersetzbar für Kabarett und Comedy“. Anders als seine Vorredner heizt la Belle das Publikum mit eingängigen Liedern zum Mitschunkeln ein. Singen ist auch das Stichwort für den letzten Programmpunkt. Tom Jet steht mit Songtexten und Klampfe bereit, um das Rudel singen zu lassen.

„Zum 40. Jubiläum haben wir uns ein größeres Budget gegönnt“, sagt Elferratsmitglied Peter Scholz. „Die ganze Sache ist dieses Jahr mit viel mehr Schwung angelaufen“, berichtet der stellvertretende Tanzgarde-Vorsitzende Rolf von Kiesling. Die Veranstaltung sei ausverkauft und von den üblichen 250 Plätzen habe man dieses Jahr auf 350 aufgestockt. „Das Jubiläum, die Programmpunkte wie Jet und la Belle sowie das Prinzenpaar haben natürlich viel Aufmerksamkeit auf die Große Sitzung gezogen.“ Neu sei auch der Senatorenrat, der bisher aus zehn Männern besteht. „Aber Frauen sind herzlich willkommen“, sagt Tanzgarde-Vorsitzender Arnold.

Bilder zur Jubiläumssitzung der 1. Dietzenbacher Tanzgarde (Teil 2)

Keinesfalls unerwähnt bleiben sollen die Auftritte der Tanzgarde. Angefangen bei den Little Sweethearts, die dieses Jahr als kleine Löwen eher einen Schmusekatzen- als Raubtiereindruck bei den Zuschauern hinterlassen. Die Crazy Blue Cats überzeugen als Boxerinnen, sind aber auch in ihren roten Kostümen „richtige Schnuggelscher“, wie Arnold sie bezeichnet. Die Blue Diamonds entführen in einen Traum von 1000 und einer Nacht, fernöstlichen Flair bringen die Gewitterhexen als Dschingis Kahn nach Dietzenbach und eingeleitet von Tom Jets „Highway to Hell“ holen die Dancing Devils den Rock’n’Roll auf die Bühne. Der Dietzenbacher Elferrat testet die Stimmung im Saal regelmäßig mit Raketen, die von Mal zu Mal lauter ihren Weg in die närrische Atmosphäre finden.

Zum Schluss versammeln sich alle Tänzer auf der Bühne, um die Große Sitzung zu schließen. Prinz Reiner I. startet von der Bühne die Polonaise durch den Saal Richtung Sektbar. Judith Haseneder hat vor 40 Jahren mit Irene Endl und Heidi Knecht die Tanzgarde gegründet. „Dass aus dieser lustigen Idee so etwas Großes wird, hätte ich nicht gedacht“, sagt sie.

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