Mainhausens Mutti Ruth, hohe Politik und die lieben Nachbarn

Fünfstündige Sitzung bei der SVM-Schimmelfastnacht

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Ins „knallrote Gummiboot“ luden die Crazy-Schimmel-Dancers der Sängervereinigung Mainflingen während der Sitzungsgala im Bürgerhaus tänzerisch ein.

Moaflinge - Sie müssen unsterblich ineinander verliebt sein, die Moaflinger und die Zellhäuser, denn was sich liebt, das neckt sich. So war zumindest der erste Teil der fünfstündigen Schimmelfastnacht bei der Sängervereinigung Mainflingen (SVM) im Bürgerhaus in großen Teilen den ach so beliebten Nachbarn aus Zellhausen gewidmet, die in etlichen Programmpunkten ihr Fett abbekamen.

Doch auch die aktuelle Politik, der aktuelle Einblick in die ZDF-Kantine und viele weitere Themen begeisterten die sagenhaft bunt kostümierten Narren im Saal, die nach dem Einzug des Elferrates mit Sitzungspräsident Frank Heinzmann an der Spitze das neue Dreigestirn begrüßten: Prinz Stefan, der offenbar mit dem OFC verheiratet ist, Schimmel Fritz, dem einzigen Opa mit 35 Jahre aktiver Schiedsrichter-Erfahrung, und Seejungfrau Roberto, in Köln geboren und „moderne Sklaverei betreibender Hausmann“. Das letzte Eis zum Schmelzen brachten gleich zu Beginn die „Eisköniginnen“ der Kindertanzgruppe „Youngstars“ mit den neuen Cheforganisatorinnen des Fastnachtsausschusses und aller an diesem Abend auftretenden vereinseigenen Tanzgruppen, Natalie Mäder und Anja Feldner.

Der Musikverein Klein-Welzheim spielte auf, und sogleich begab sich Protokoller Stefan Stegmann in die „hohe Politik“, berichtete über brisante Themen und fasste diese immer wieder musikalisch überaus gekonnt zusammen: „Liebe Angela, unser Land kann nicht grenzenlos sein, ganz Europa muss hilfsbereit sein, nicht Deutschland allein!“ Der „Skandal um Rosi“ wurde zum „Skandal um VW“, das Big-Brother-Niveau im Fernsehen war Thema, aber auch die fehlende Moaflinger Kerb, der Zellhügel in Zellhausen, das Erntedankfest mit dem 20 Jahre alten Lebensmittelkorb, die Bürgermeisterwahl mit der schwachen Wahlbeteiligung („Es gibt Bürger, die wohne nur hier!“) und dem Sieg von „Mainhausens Mutti Ruth“ sowie der musikalischen Hommage im Heintje-Stil.

Auf Expedition waren die „Höhlenmenschen vom Zellhügel“, fanden beachtliche Stücke und auch Ureinwohner der Zellhäuser. Zellhausen war natürlich auch Thema beim Protokoller Stefan Stegmann.

Schnell jetzt mit einer der auf dem Tisch stehenden Länderflaggen gewedelt, schon kam jemand für den Getränkenachschub, derweil Umbau auf der Bühne – 120 vereinseigene Aktive sorgten für einen reibungslosen Ablauf der beiden vollbesetzten Schimmelsitzungen. Sodann der tänzerische Einstieg ins „knallrote Gummiboot“ der Crazy-Schimmel-Dancers, und es ging stürmisch weiter mit Denise Oftring und Bühnen-Debütant Winfried Steil, die an einer Bushaltestelle mit ihren Witzen begeisterten und sogar wussten, weshalb der Papst im nächsten Jahr nach Zellhausen kommt: „Er fährt immer dahin, wo das Elend am größten ist.“

Und irgendwie schienen sich die „Mainfinken“ dann auch auf die Nachbarn eingeschossen zu haben mit ihrem brillanten Stück „Höhlenmenschen vom Zellhügel“, den Ureinwohnern der Bruchkatzen mit den Namen Disser und Herr, gaben allerdings auch zu, „noch niemals in Seligenstadt oder auf der Frankfurter Zeil gewesen zu sein“. Schnell noch ein paar nachdenkliche Stimmen zum heutigen Smartphone-Wahn („Bist du ohne Smartphone, hast du wieder mehr Zeit für dich.“), zwei mal elf Minuten Pause mit toller Bewirtung, bei der sich einer kaum Zeit lassen konnte: Werner Utmelleki.

Bilder: Fastnachtsgala der Sängervereinigung Mainflingen

Für seine „One-Man-Show“ bekam der SVM-Chorleiter riesigen Applaus, pendelte zwischen Bühne und Platz des „Allein-Unterhalters“, um nur keinen Einsatz zu verpassen. Filmreise Leistung! Ebenso filmreif im Hintergrund die Arbeit mit den jeweils auf einer Leinwand eingeblendeten Infos zu den einzelnen Auftritten oder die bunten Schirme an der Decke. Starker Auftritt dann zum Start der zweiten Halbzeit von den jungen Akteuren Lucie und Alex Gast, für die Mama den Vortrag geschrieben hat, wie Robert Steil für manch andere Bühnenasse. „Divenalarm in der ZDF-Kantine“ hieß es sodann bei den „Moafährladies“, bei denen nicht nur Joy Fleming, Tina Turner, Trude Herr oder Margit Sponheimer ihre bejubelten Auftritte hatten und die letztjährige Nachtclubsängerin Denise Oftring in unnachahmlicher Weise die Zugabe schmetterte: „Du hast den Farbfilm vergessen!“

Dann noch „Schwanensee“ mit dem Männerballett Sexerpack und natürlich die „zwei alten Schachteln“ Gunter Knecht und Günther Knies als „Gundula und Klärsche“ mit tiefen Einblicken bis zur Toilettenschüssel und vor „Schambes“ (Christoph Gast) und den Crazy-Schimmel-Dancers als „Ägypterinnen“ der SVM-Chor „Coloured Voices“ unter der Leitung von Stefan Weih mit „Fassenacht oriental“ in eintausendundeiner Nacht. Zum Abschluss noch das Finale mit dem „Moaflinger Lied“ nach dem Text von Dieter Adam, der Polonäse durch den Saal und eine lange Nacht an der Bar mit vielen Gesprächen zwischen „Schimmel-Babbsäck unn Bruchkatze“. beko

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