Gebote für die Kampagne

Elfer in Jügesheim tragen keine weißen Socken

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Das Thema Alkohol nimmt Präsident Peter Otto ernst. Bei Sitzungen soll „maßvoll“ getrunken werden.

Jügesheim – Weiße Handschuhe, aber bloß keine weißen Socken: Dass es rund um die Fassenacht strenge Regeln gibt, ahnten alle, die schon mal mit der Narrenschar in Vereinen in Berührung gekommen sind. Von Simone Weil

Für die Elfer des Jügesheimer Sport- und Kulturvereins (JSK) gibt es sogar eine regelrechte Kleiderordnung. Immerhin sind sie Würdenträger. Deswegen sollen die Männer auch anständig angezogen sein. Der Elferrat ist das Parlament im Narrenreich: Beim JSK sind die Elfer eine handverlesene Gruppe, die peinlich genau darauf achten, wie ihre Mitglieder sich benehmen. Deswegen gibt es eine Vereidigung, wenn ein neuer Untergebener aufgenommen wird: Der Nachrutscher muss dem Sitzungspräsidenten Peter Otto feierlich Gehorsam schwören. Diese Prozedur hatten sich die Narren einst beim Militär abgeschaut, „um es zu verhohnepipeln“, wie Otto sagt.

Elf Gebote müssen die Elfer befolgen – nicht alles ist richtig ernst gemeint. Wichtig ist dem Präsidenten allerdings das Thema Alkohol: „Wir haben da eine Vorbildfunktion“, findet er. Schließlich müssten auch Unfälle vermieden werden. Das gilt für die Sitzungen ebenso wie für den Gardeumzug. Deswegen heißt es: nur gemäßigt trinken. Torkelnde und grölende Elfer darf es nicht geben.

Geputzte Schuhe sind Pflicht

Auch die Garderobe wird besonders scharf unter die Lupe genommen. Deswegen dürfen Elfer auch niemals Tennissocken tragen. „Geputzte Schuhe sind Pflicht“, sagt Otto. Außerdem sollen sich die Herren (derzeit etwa im Alter zwischen Anfang 30 und 70) ihre „sportliche Figur bewahren“. Dabei geht es einmal darum, dass die Jacketts vernünftig sitzen und nicht überm Bauch spannen. Im Extremfall soll freilich auch vermieden werden, dass ein Elfer in eine größere Größe hineinwächst. Schließlich gehen neue Uniformen ins Geld. Zum anderen soll das „zulässige Gesamtgewicht“ auf der Bühne nicht überschritten werden, wie Peter Otto witzelt.

Die Elferabteilung besteht derzeit aus 39 Männern. Das heißt, es sitzen immer ausreichend Vertreter auf der Reservebank. Denn den Herren kommen verschiedene Aufgaben zu. Das launige und repräsentative Schunkeln bei Fastnachtssitzungen auf der Bühne ist nur eine von vielen.

Spielregeln für Narren

„Die Elfer nehmen zum Teil aktiv am Programm teil“, sagt Peter Otto. Manche würden sich bei den Abendveranstaltungen aber auch gerne mal als Platzanweiser an der Tür betätigen oder vorher tatkräftig beim Aufbau helfen. „Denn hinter der Fastnacht steckt richtig viel Arbeit.“ Das weiß der Präsident aus Erfahrung, immerhin ist er bereits in der achten Kampagne als Elferchef im Einsatz, war zuvor elf Jahre lang Vizepräsident.

Wie im richtigen Leben brauche es für die 400 Narren in der JSK-Fastnachtsabteilung eben Spielregeln, findet Otto. Das sei wie woanders auch eine Gemeinschaft mit unterschiedlichsten Talenten und Fähigkeiten. Aber das Beste daran sei: „Es funktioniert und macht auch Spaß.“

Jugendsitzung der JSK Jügesheim: Bilder

Zum Spaß gehört in der fünften Jahreszeit auch flotte Stimmungsmusik: Wem die klassischen Melodien nicht sowieso schon ins Blut und in die Beine gehen, der hat als Elfer seinem Präsidenten geschworen, bei ähnlichen Klängen unaufgefordert und selbstständig mit dem Schunkeln zu beginnen, um das Publikum zum begeisterten Mitmachen zu animieren.

Zu den elf Geboten zählen aber auch Vorgaben wie keinen Tanz mit der Prinzessin auszulassen und beim Umzug auf dem Festwagen nicht in die Bonbonkiste des Nachbarn zu greifen.

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