Ein bisschen Spaß muss sein

Bei der Sonnau-Revue stehen die Narren auf den Stühlen

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Der frühere Bürgermeister Karl-Christian Schelzke und der aktuelle Daniel Tybussek thematisieren unter anderem die Frage, ob bei der nächsten Lämmerspieler Kerb der Anstich wieder in die Dutten geht.

Mühlheim - Was Aktivitäten betrifft, dürfte der Fastnachtsverein TKG Sonnau in diesen Tagen kaum zu toppen sein. Am 11.11. gab es eine Party, am nächsten Tag präsentierte der Club seine neue Ritterin und am Freitag standen die Leute in der Willy-Brandt-Halle bei der Sonnau-Revue auf den Stühlen. Und wieder wurde es spät. Von Stefan Mangold 

Moderator Stephan Mündelein berichtet eine halbe Stunde vor Anpfiff um 19.11 Uhr von knapp 300 Karten, die bis dahin Absatz fanden. Als es losgeht, sitzen aber weniger Leute im Saal. Kein Grund für Mündelein, nervös zu werden. Die Zeiten, als der Freitag nach dem Mittagessen so langsam als Arbeitstag auströpfelte, sind für die meisten Geschichte. Er habe eine Fülle von Nachrichten aus Staus bekommen. Mündelein soll recht behalten. Nach und nach trudeln die Karteninhaber ein, auch wenn es nicht mehr alle zum Vortrag des FFH-Dummfragers Boris Meinzer schaffen. Der Mann, der in hessischen Fußgängerzonen die Leute fragt, was Polygamie sei und als Antwort bekommt, eine Krankheit mit Kopfschmerz. Eine junge Frau weiß es, schwankt aber, wie sich die Ehe mit nur einem Partner nennt: „Monotonie?“ Meinzer kam die Tage gleich zweimal nach Mühlheim, um seinen Auftritt am 17. März an gleicher Stelle zu bewerben.

Tänzerisch und optisch eine der besten ihrer Zunft in der Region: Die gemischte Formation „Tanzrausch“ aus Hainstadt.

Zum ersten Mal in diesem Jahr im Programm: Die Sonnau Playback Show. Der gerade von Gabi Mollbach als Ritter abgelöste Gerd Noll gibt mit verwegener Perücke den Roberto Blanco und bewegt die Lippen zu „Ein bisschen Spaß muss sein“. Auch ein bisschen deutsch-deutsche Nostalgie kann nicht schaden. Die schwingt mit, als Udo Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ erklingt. „All die ganzen Schlageraffen dürfen hier singen, dürfen ihren ganzen Schrott zum Vortrage bringen“, konstatierte „der kleine Udo“ im Jahr 1983, als sich kaum jemand vorstellen konnte, dass einmal jeder drüben singen darf, weil sich die DDR in Luft auflöste. Wie Sonnau-Chef Karl-Christian Schelzke intoniert, erschließt sich zumindest heute nicht. Aber der einstige Bürgermeister imitiert den ungelenken Tanzstil des Wahlhamburgers aus Gronau im Münsterland täuschend echt.

Zusammen mit dem aktuellen Amtsträger Daniel Tybussek bildet Schelzke schon seit Jahren das Bürgermeisterkabarett. Diesmal mimen die beiden Opa und Enkel, der nicht schlafen kann, weil ihn Sorgen drücken. Etwa die, ob sein Bürgermeister-Papa auch bei der nächsten Lämmerspieler Kerb den Bieranstich verhämmert. Vom Opa weiß der Bub: „Du redest immer ohne Ende, und keine Sau interessiert ‘s“. Jonas, Tobias und Florian, drei Jungs im adoleszenten Alter, kümmern sich als Klassengemeinschaft um die TKG Sonnau, was laut altem Testament einer Versicherung fürs Jenseits gleichkomme: „Im Psalm 42 heißt es doch, ‘Wohl dem, der sich des Dürftigen annimmt! Den wird der Herr erretten zur bösen Zeit’.“

Fastnacht mit der TKG Sonnau: XXL-Galerie

In die Bütt steigt auch Roland Deiß, den seine Rolle als Weihnachtsmann und der missglückte Transport eines Tannenbaums tief frustrieren: „Daheim hab ich Bilanz gezoche: Kratzer im Audo, Stoßstang verboche.“ Schlimm ergeht es auch Konrad, dem Alter Ego von Bauchredner Andy Franz. Konrad ließ sich vom Optiker eine Brille verkaufen, durch die er alle nackt sieht, auch zu Hause die Gattin mit dem Postboten auf dem Sofa. Das funktioniert aber auch ohne: „Ich setz die Brill‘ ab, un die sin immer noch naggisch.“

Nackt will sich die bekannte Kölner Travestie-Darstellerin Sophie Russel wohl nicht immer jedem zeigen. Sie geht mit ihrer Physis unterm Kleid hart ins Gericht, „die Stoffe halten die alten Bausubstanzen noch zusammen“.

Andy Sommer besingt mit Partnerin Luana als „Duo Luandy“ eine astronomische Besonderheit, „Hier am Rhein geht die Sonne niemals unter“. Beim Anblick der Inszenierung von „Das verrückte Schloss“ braucht sich niemand zu wundern, dass die Truppe vom Assenheimer Männerballett bei Wettbewerben regelmäßig Pokale abräumt. Tänzerisch und optisch gefällt „Tanzrausch“, die gemischte Formation aus Hainstadt. Zum Schlusslied bittet wiederum Andy Sommer alle Aktiven auf die Bühne. Bei Reinhard Paul, dem hessischen Joe Cocker, hält es zum Party-Finale kaum noch jemanden ruhig auf dem Stuhl.

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