Schönstes Schweigen

Die KaKaM wagen sich bei Sitzungen auf närrisches Neuland

+
Words don’t come easy... Die KaKaM haben sich was getraut mit ihrem Vortrag ohne Worte. Und sie wurden ebenso wie das Publikum reich dafür belohnt.

Mühlheim - Kann das gut sein, bei einer Fastnachtssitzung das Schweigen zur Kunstform zu erheben? Es kann. Mühlheims Katholische Karnevalisten haben sich beim ersten ihrer fünf Gipfeltreffen auf närrisches Neuland gewagt.

Das vom „Vortrag ohne Worte“ schlicht verzauberte Publikum hat sie dafür belohnt. Alles andere: klassisch. Und auch ein Gewinn. Hätte schieflaufen können. Hätte auch einfach gut laufen können. Aber es lief perfekt. Sie haben sich bei der Premiere ihrer Fastnachtssitzungen was getraut, die Katholischen Karnevalisten Mühlheim (KaKaM). Und sie werden daran anknüpfen können, wenn sie wollen. Der „Vortrag ohne Worte“, mit dem Christian Spahn und Wolf-Christian Baesecke das Gemeindezentrum St. Markus auf verschwiegene Art erbeben ließen, hat das Zeug zum Kult auf einer Bühne, deren Akteure sonst den in der Fastnachtshochburg Mühlheim ebenso geliebten klassischen Beiträgen zugetan sind. Der Titel des nur vom Fahrstuhlklimpern „Words don’t come easy“ untermalten Zwiegesprächs ist nicht übertrieben. Keine Silbe schleicht sich über die Lippen von Spahn und Baesecke, als sie mit reduzierter und umso effektvollerer Mimik den Dietesheimer in die Zange nehmen und den Lämmerspieler. Als sie „die Frau mit dem tiefen Ausschnitt“ anflirten, als sie Klaus Belz und schließlich den ganzen Elferrat bei einem im Wortsinn nichtssagenden Lied mitmachen lassen. Alles nur mit Plakaten - Blättern statt Blubbern. Das Publikum ist fasziniert und denkt gar nicht dran, das hier für eine Pause zu halten.

Der Augen- zum Ohrenschmaus.

Noch so ein Höhepunkt, noch mehr Christians, aber diesmal Eitel und Belz: Die lästern als „en Tätowierer und e Tussi“ (souverän: Sitzungspräsident Wolfgang Sterr) genüsslich über den „Karpaten-Tamagotchi“ Peter Maffay und den „Blendax“-König Karl-Christian Schelzke, ernten mit „diversen Merksätzen“ zahllose Lacher. Die KaKaM bleiben ihrem Qualitätsanspruch auch im luftraubenden kalendarischen Korsett der verdichteten Kampagne treu. Sagt KaKaM-Chef Matthias Belz, sagen aber auch die Gäste. Sie quittieren alle getanzten, gereimten, gesprochenen und gesungenen Beiträge nicht nur aus Freundlichkeit mit viel Applaus. Und Urgestein Peter Kilian sowieso. Beim Protokoller hat das Gesicht einen deutlich längeren Bart als das Repertoire seiner Betrachtungen über den Zustand der Republik im Allgemeinen und Mühlheims im Besonderen. Kilian steht zum 23. mal in der Bütt, spießt mit spitzer Feder Flüchtlingskrise, VW-Abgase und korrupte Fußball-Funktionäre auf, schmiegt sich aber auch an die vielen Ehrenamtler der Stadt, ohne die es keine Feste geben würde. Und er beharkt Bürgermeister Daniel Tybussek mit einem reinweißen Blatt Papier - Erfolgsbilanz... Als Oppositionspolitiker muss König Kilian sowas, als Vollblutfastnachter darf er das.

Klassiker: die Mühlheimer Fastnachtssänger Michael Ruhr, Stefan Messer, Dr. Manfred Sondergeld und Dr. Ralf Großmann. Mit spielerischer Leichtigkeit besingen sie unter anderem die Smartphone-Abhängigkeit und den kritiklosen Technik-Glauben vieler Zeitgenossen, treffen mit dem Finger auch in manch andere Wunde und nehmen ihren Bildungsauftrag so ernst, wie es bei einer Karnevalssitzung nur möglich ist: „Benutz dein Kopp!“. Als Ministranten, „des Herrgotts fleißige Bienen“ plaudern Inka Mertens und Tim Wunderle aus dem Nähkästchen. Und für Fans des gepflegten Kokolores sind diesmal Ulrich Degen und Klaus Schneider zuständig. Als „Schläächte auf Wellness“ lümmeln sie sich durch die Welt der Kalauer.

Bilder: Sitzung der KaKaM im Gemeindezentrum St. Markus

Zum „Warmschunkeln“ und zwischendurch spielen wie seit Jahrzehnten Musiker des Musikvereins Dietesheim, mit „Vorhang auf und Bühne frei“ haben Wolf-Christian Baesecke, Ralf Niederhüfner, Christian Spahn und Gabi Kolinko gleich zur Eröffnung eingeheizt. Und mit einem ABBA-Medley halten „Voice of KaKaM“ alias Sabine Baumüller, Doro Niederhüfner und Gabi Kolinko die Stimmung hoch. Zum Ohren- kommt der Augenschmaus. Die Tanzgruppen von den „Happy Feet“ bis zu den „Swinging Ladies“, von der Prinzengarde und den DJK-„Teufeln“ bis zum Männerballett mit „Feuer frei“ ist alles da und alles bunt.

Für die KaKaM-Sitzungen an diesem Freitag und Samstag, 29. und 30. Januar, jeweils ab 19.31 Uhr, gibt es Restkarten bei Creativ Mode & Design (Marktstraße 10, Tel.: 06108/790790

mcr/kho

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare