Hochsaison für die Hallenhiwis

Blick hinter die Kulissen der Lumpenmontags-Vorbereitung

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In der Wagenhalle kommt selten Langeweile auf: Der 82-jährige Erwin Christ bei Schweißarbeiten am Watze-Wagen.

Neu-Isenburg - Der Countdown für den großen Tag läuft: Wenn am 12. Februar der Lumpenmontagsumzug durch die Straßen zieht, haben dafür die „Hallenhiwis“ und überhaupt viele Isenburger viel Arbeit und Herzblut investiert.

Und immer mehr Geld müssen die Fastnachter auch aufbringen, denn Umzug und Suppe sind teuer, und auch der TÜV muss bezahlt und Auflagen müssen erfüllt werden. Es ist schon später Abend, doch in der Wagenhalle der Neu-Isenburger Narren brennt nicht nur Licht, sondern es zucken auch noch immer wieder Blitze aus dem Spalt der geöffneten Tür. Das alles sind keine Anzeichen einer fröhlichen Party. Nein, dort wird noch schwer geschuftet. Vor einem aufgebockten Magirus-Lkw liegt Erwin Christ und schweißt am Unterboden. Etwas weiter vorne bringen die „Hallenhiwis“ Dejan Bobic und Peter Desch einen kleinen Traktor auf Hochglanz. Und das Isenburger Fastnachts-Urgestein Karl-Heinz Müller erhält gerade einen Anruf, dass der TÜV-Mann gleich noch vorbeikommen wird, um die geforderten Nachbesserungen zu überprüfen.

„Das ist der ganz normale Wahnsinn in den letzten Tagen, denn es gab wieder einmal neue Auflagen seitens des Regierungspräsidiums, die halt alle erfüllt werden müssen, sonst können wir die Wagen beim Lumpenmontagsumzug durch die Straßen schieben“, sagt Müller. Der Vorsitzende des FBIK (Förderverein zur Brauchtumspflege des Isenburger Karneval) ist auf die hohe Politik derzeit nicht so gut zu sprechen. Schon beim Ball der Senatoren hatte er dem anwesenden Landtagsabgeordneten Hartmut Honka einen deutlichen Hinweis gegeben, dass es jetzt genug sei mit den immer neuen Auflagen, die die Fastnachts-Macher zu erfüllen hätten. Und die nicht nur noch mehr Arbeit und viele Behördengänge bedeuten, sondern die Brauchtumspflege auch immer teurer machten. „Aber uns bleibt ja keine Wahl, entweder wir kommen allen geforderten Auflagen nach oder die Dinger bleiben hier in der Halle stehen“, so Müller.

Die beiden Hallenhiwis Dejan Bobic (vorne) und Peter Desch bringen derweil den neuen Traktor auf Hochglanz.

Wie gut, dass es noch engagierte Helfer gibt. „Der Jüngste ist 16, der Älteste 82 und die arbeiten viele viele Stunden“, berichtet Müller. Er sei besonders froh, „dass die Jugend und das Alter zusammen arbeiten“. So übernimmt beispielsweise eine Gruppe Jugendlicher diesmal die Ausgabe der Linsensuppe in der Fußgängerzone, „denn die Alten können nicht mehr“.

Gold wert sind bei den Zug-Vorbereitungen Leute wie Erwin Christ, ein wahrer Meister seines Fachs in Sachen Wagen-Vorbereitungen. Der pensionierte Kfz-Meister versteht es bestens, Motoren ohne Diagnose-Stöpsel wieder in Gang zu bringen und gar komplette Bremsanlagen von betagten Fahrzeugen auf den neusten Stand zu bringen. Wieder einmal liegt der 82-Jährige auf einem Rollbrett unter dem Wagen der Watze – einem Magirus aus dem Jahr 1958 – und schweißt Teile zusammen, die er eigens angefertigt hat. Den Wagen des Senats hat er schon in Schuss gebracht und auch die Zuggabel des Prinzenwagens komplett erneuert. Es ist sein 66. Jahr als „Dienstleister“ bei den Karnevalisten – und er wird immer unentbehrlicher. „Noch macht es Spaß und es tut noch nicht weh – vorher höre ich nicht auf“, meint der vitale Senior.

Ganz begeistert ist auch der Hallenmeister Marc Müller von den hilfreichen Diensten des ehemaligen Kfz-Meisters. „Er kennt alle Rädchen in den alten Motoren und hat vor allem eine Schweißerlizens“, hebt Müller die besonderen Qualifikationen seines Meisters hervor. Wenn ein alter Traktormotor auseinander genommen wird, dann stehen alle staunend dabei und verfolgen, wie jedes Rädchen ins andere greift. Dann wird die Vorkammer gereinigt, die Düsen gesäubert und die Glühkerzen vom Ruß befreit. „Und wenn wieder alles zusammengebaut ist, läuft das Ding wie geschmiert“, wundert sich nicht nur Marc Müller. Er selbst hat aber auch schon Teile für den Bembelwagen in Edelstahl nachgebaut, die halten nun ewig.

Lumpenmontagsumzug in Neu-Isenburg: Bilder

Da ein Zugtraktor im vergangenen Jahr die „Grätsche“ gemacht hat, war Ersatz gefragt. Diesen fand Karl-Heinz Müller nach langer Suche bei einem Bauern in Offenthal. „Der braucht den Bulldog nur noch, um Holz aus dem Wald holen, für den Lumpenmontagsumzug bekommen wir den ausgeliehen“, schildert der FBIK-Vorsitzende die erfolgreiche Suche. Zum Dank bringen die Hallenhiwis das Gefährt auch gern auf Hochglanz. Überhaupt haben die schon reichlich geschuftet und die Familie Milkau kümmert sich um den Wagen des Ehrensenats, sodass auch diesmal der Lumpenmontagsumzug wieder rollen kann. Und auch der einst von der Firma Gosch in Eigenarbeit gebaute Dragster, der sich vorne aufbäumt, ist wieder dabei. Das Gefährt mit dem 8-Zylinder-Alfa-Romeo-Motor sorgt immer für Erstaunen. Details zu Umzug, Sicherheitskonzept und Co. sollen kommende Woche bei einer Pressekonferenz der Stadt präsentiert werden.

Klar ist aber schon, dass die finanziellen Sorgen der Fastnachter nicht kleiner werden. „Es wird alles immer teurer“, sagt Müller. So habe man etwa dieses Jahr festgestellt, dass die Reifen am Bembelwagen zu alt waren. „Nur allein die Reifen haben dann einen 100-Euro-Schein platt gemacht“, erzählt Müller. Die Stadt unterstütze die Fastnachter zwar finanziell, doch diese Summe allein reiche bei Weitem nicht aus. Wichtig ist für die Fastnachter, dass möglichst viele Isenburger die Lumpenmontagsplakette kaufen, die den Umzug mit finanziert. Wie berichtet, ist diese in diesem Jahr mit einem Teufelskopf verziert und verweist auf die Isenburger Hexenzunft. Entwurf und Design stammen von Henriette Brück, selbst eine Aktive der Zunft.

„Mit nur drei Euro kann jeder dazu beitragen, dass der Lumpenmontag gefeiert und das Brauchtum am Leben gehalten werden kann“, bittet Müller um Unterstützung. Die Plakette ist ab sofort erhältlich bei allen Karnevalsvereinen, Banken, im Bürgeramt, im Rathaus und in vielen Geschäften. (lfp)

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