Mit finaler Schlagerparade

Bürgeler Ranzengarde überzeugt bei Gala-Sitzungen

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Am Ende kommen die Raga-Röchler auf der Bühne zusammen: Mit eingängigen Melodien animieren sie das närrische Publikum zum Mitsingen.

Offenbach - Mit einem mehrfachen „Gut Stuss, Ahoi!“ hat am Wochenende die Ranzengarde in zwei Galasitzungen im Bürgerhaus Rumpenheim die heiße Phase der Bürgeler Fastnacht eingeläutet. Von Harald H. Richter 

Und auch der Vereinsnachwuchs bot in seiner Jugendsitzung an gleicher Stätte dem Frohsinn und Humor eine Plattform. Im zweiten Jahr seiner Regentschaft weiß das Bürgeler Kinderprinzenpaar, wie man huldvoll lächelt und vom Thron herab majestätisch in die Menge winkt. Niklas I. und Annika I. haben mit Hofdame Celine und Mohr Keanu im festlich geschmückten Rumpenheimer Bürgerhaus ihren Auftritt zur Eröffnung der Galasitzung bereits hinter sich und können entspannt und Limonade schlürfend das närrische Geschehen um sie herum verfolgen. Ganz lange aufbleiben dürfen, das kommt nicht allzu oft vor. Diesmal schon, zumal das an närrischen Höhepunkten reiche Programm mit Schautänzen, Protokoll, Vorträgen und Stimmungsliedern erst zu Ende ist, als die Uhr nach Mitternacht zeigt.

Feinste Fastnacht-Unterhaltung präsentieren zu Beginn die Tugendbolde des MCC aus Nackenheim. „Wir bauen euch die Mainzelbahn“ versprechen die langjährig Aktiven und unternehmen mit einer bunt kostümierten Jeckenschar eine schwungvolle musikalische Sonderfahrt durch die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt.

Witz, Natürlichkeit und Authentizität kennzeichnen den Auftritt von Andy Ost aus Stockstadt. Er parodiert bei seinem frontalen Angriff aufs Zwerchfell in der ihm eigenen Art unter anderem Größen der Unterhaltungsszene, etwa Eros Ramazzotti und Robbie Williams. Mit reichlich Lokalkolorit und allerlei Seitenhieben auf die Oberen rücken Raga-Vorsitzender Tobias Stephan als Gardetrommler und Dagmar Winter als Marktfrau dem Publikum auf die Pelle und lassen das vergangene Jahr ironisch Revue passieren. Kein Blatt vor den Mund nimmt auch Ursula Steinbacher, die in Person von Oma Lenchen alias Helene Rump Alltägliches aus der zweiten Hälfte ihrer besten Jahre ausplaudert. Sie weiß alles, sieht alles und legt ihre Gichtfinger in jede offene Wunde.

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„Ist dir ein Dialog entflogen, erstmal den Philologen frogen“ doziert indes Thomas Hartmann als Professor der Babbelogie und schiebt den Gästen manch ungeschliffenes Wort in die Gehörgänge. Wer weiß schon, dass in der Sprache Pubertierender eine Banküberweisung „Krötenwanderung“ heißt und das Kürzel AfD auch als „Ansammlung für Dummbeutel“ durchgehen könnte?!

Wenn mehr als ein Dutzend temperamentvolle Mädchen ihre Beine schwingen, kann’s zu Füßen des Elferrats und seines Sitzungspräsidenten Wolfgang Zühlke schon mal eng werden. Doch die Tanzformation der Raga beherrscht ihr Metier. Zudem ist den Eigengewächsen die Bühne nicht fremd, darum gelingen auch gewagte Pyramiden bis fast unters Saaldach in Vollendung. Überhaupt beweist der 112-jährige Traditionsverein, dass in seinen Reihen jede Menge Potenzial steckt. Flott lenkt die ungestüme Jugend ihren Partybus voller Lieder durch die Musikjahrzehnte. In prächtigen Kostümen glänzen die Raga-Mädchen unter Leitung von Ursula Latzke mit einer sensationellen Performance aus dem Musical „Tanz der Vampire“ und fordern eine Zugabe geradezu heraus. Und auch die Jüngsten sind am Puls der Zeit und wissen tänzerisch zu überzeugen.

Zur Halbzeit des Programms nehmen kesse Elfen die Plätze der Ratsherrlichkeiten ein, einzig der Sitzungschef darf in ihrer Mitte verbleiben. Zunächst ist die Dance Company der Turnerschaft Klein-Krotzenburg zu erleben, die beim Showtanz nicht mit femininen Reizen geizt, ehe sich eine Saloon-Öffnung durch das von Dagmar Winter choreografierte Herrenballett anschließt. Es beantwortet die Frage „Wo sind all die Indianer hin?“ mit einer gekonnt aus der Hüfte abgefeuerten Wildwest-Schau. Das immer wieder mitschunkelnde Publikum heißt sodann ihre Tollitäten Michael I. (Wolfram) und Simone Andrea I. (Klasterka) nebst Gefolge willkommen.

Bilder: Ranzengarde feiert im Bürgerhaus Rumpenheim

Mit jeder Menge Partystimmung im Scheunenambiente und bestens aufgelegten Raga-Röchlern naht schließlich das fulminante Finale. Die Truppe zündet ein brillantes musikalisches Feuerwerk, indem sie in die Rollen beliebter Schlagerinterpreten schlüpft. Folglich feiern, von den lustigen Witwen Waltraud und Mariechen präsentiert, Beatrice Egli und Andrea Berg, Jürgen Drews und Micky Krause sowie DJ Ötzi und Roland Kaiser fröhliche Urständ in Burgillas Musikantenstadl. Sogar Udo Lindenberg rockt die Bühne. Im Gegensatz zu dem vom Aus bedrohten TV-Klassiker erweist sich die Berjeler Adaption als derart lebenslustig und beschwingt, dass die Narrenschar danach noch eine Weile feiernd im Saal verweilt und nicht gleich übers Blitzeis heimwärts schlittert.

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