Buntes Fastnachtsprogramm

Mit Vokuhila abgestrampelt

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Das Familienballett begeisterte das närrische Bieber am Wochenende auf der Pfarrheim-Bühne.

Bieber - Wenn die Interessen-Gemeinschaft Bieberer Fastnacht (IGBIF) zu ihren Sitzungen lädt, ist die Hütte voll. So auch zweimal am vergangenen Wochenende. Von David Heisig

„Lichter leuchten, Lieder klingen, Menschen lachen oder singen“, gibt Sitzungspräsident Markus Gesser die Marschrichtung vor. Geschickter Schachzug dabei: Am Anfang wird erstmal geschunkelt. Das hebt die Stimmung und lässt die Besucher nicht gleich in andächtigem Lauschen der ersten Büttenrede verharren. Erspart bleiben den Narren ernste Themen indes nicht. Gesser greift in seiner Eröffnung vor allem die Flüchtlingsproblematik auf. Aber: „Jetzt fragen Sie sich, warum ich Sie quäle und stundenlang so einen Mist erzähle“, unkt er. „Weil heute Abend, das ist gewiss, das alles hier ganz anders ist.“

Nicht ganz: Auch der Protokoller Klaus-Peter Keller muss Ernstes humoristisch verpacken. Lacher gibt es da nicht so viele zu ernten, legt er doch den Finger in manche Wunde. Zurück gibt er den Spott, den die IGBIF vor einer Woche bei den Sitzungen der Katholischen Jugend (KJB) kassiert hatte. Die hatte gelästert, man wolle, wenn sich denn genug Spender fänden, für die IGBIF eine Rolltreppe ins Pfarrheim einbauen, damit auch die Faschingssenioren die Narrhalla erreichen könnten. Keller kontert: „Zumal die Jugend Fassenacht nun auch schon siebzig Jahre macht. Mit 34, denke isch, ist da die IGBIF noch ganz frisch.“

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Das Verhältnis zur Jugend ist bei aller Frotzelei ein sehr gutes. Rekrutiert sich der Nachwuchs der IGBIF vor allem aus den Reihen der KJB. Und die Samstagssitzungen würden nicht so frenetisch gefeiert, wenn nicht die KJB eine ganze Saalreihe besetzen würde. Indes braucht sich das Freitagspublikum aber keinen Vorwurf machen zu lassen. Schon bei der ersten Tanznummer, dem Familienballett, stehen die hinteren Reihen auf den Stühlen. Es ist auch zu komisch, wenn die Damen und Herren in „Achtziger-Jahre-Sportanzügen“ mit „Vokuhila-Perücken“ sich zur Musik von Modern Talking abstrampeln. Ebenso überzeugen Christiane Gebhard und Betty Rothbarth im Sketch vom „IGBIF-Kartenautomaten“ auf dem Ostendplatz. Karten für Sitzungen gebe es nur dort. So verzweifelt eine am „Do-it-doch-selbst-Dings-Scheiß“ – derweil die andere sich „nur die besten“ Karten wünscht. Das Publikum brüllt vor Vergnügen ob des kongenialen Spiels der beiden.

Was sich beim „Supermarkt-Sketch“ fortsetzt. Die Bänkelsänger (Sebastian Kurt und Stephan Färber) nehmen gekonnt das Weltgeschehen aufs Korn. Vom Schläger vom Aussichtsturm über die Willkommenskultur bis hin zur OFC-Stadionwurst ist so ziemlich alles dabei. Schmerzhaftes hat Sigi Wüstholz von seiner Knie-OP zu berichten. Nicht wegzudenken bei der IGBIF ist Walter Kudritzki alias „Waku“, der mit seinem Kokolores unterhält. Auch erfährt der Bieberer, dass sich zwei seiner Nachbarn ins Weltall verloren haben. Gerhard Faller und Fred Bauer geben in einem liebevollen Bühnenbild zwei Himmelsstürmer, natürlich in besten Bieberer-Englisch: „Is this your Earnie? Ist das dein Ernst?“

Danach kann Bauer gleich auf der Bühne bleiben. Sein zweiter Vortrag, „Paradox“, nimmt alles in Bieber, Offenbach und der Welt aufs Korn, was für viele nicht leicht verständlich ist. Zur FIFA meint er: „Ich hab die Berichte verfolgt, und ich war platt. Weil der Begriff Bandenwerbung jetzt ne ganz annere Bedeutung hat.“ Bauer begleitet sich selbst auf dem Klavier, untermalt damit seine Büttenrede. Gesungen und getanzt wird auch. Das Damenballett präsentiert eine Michael Jackson-Nummer, die „Scheppsingers“ fluten den Saal mit einer Gute-Laune-Welle. „Atemlos durch die Nacht, das ist Bieberer Fassenacht“ könnte Helene Fischer nicht schöner singen. Den Abschluss machen „Die 5 Jahreszeiten“. Die ohnehin gute Stimmung müssen die Fünf nur aufgreifen. Gelb-grüne Fahnen und Schals werden zu diesem Zeitpunkt schon längst im Publikum geschwenkt.

Bilder: IGBiF-Sitzung im Pfarrheim Bieber

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