Prinzesschen ist unterwegs

OKV bestückt Gute-Laune-Feuerwerk mit auswärtigen Krachern

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Die neuen Regenten Lederaniens sind offiziell inthronisiert: Bis Aschermittwoch, das ist in diesem Jahr der 10. Februar, herrschen Simone Andrea I. und Michael I. über das Offenbacher Narrenvolk.

Offenbach - Der Offenbacher Karneval-Verein (OKV) zündete am Samstag in der Stadthalle vor 800 Gästen sein „Feuerwerk der guten Laune“. Bei der größten Fastnachtssitzung der Stadt war die Halle knallvoll und die Stimmung bombig. Von Stefan Mangold

Zur Begrüßung erinnert OKV-Vorsitzender Klaus Kohlweyer daran, dass erst vor wenigen Tagen die richtigen Böller krachten: So früh wie in diesem Jahr war die Dachorganisation der lederanischen Narren selten mit ihrem Auftakt. Hofmarschall Robert Pies verabschiedet mit Anna Maria I. und José I. das letztjährige Prinzenpaar. Die Inthronisierung 2015 hatte José Hernández an gleicher Stelle genutzt, um vor Anna Maria Hagedorn auf die Knie zu gehen. Die sagte zum Heiratsantrag nicht nein. Jetzt deutet José an, dass sozusagen ein lederanisches Prinzesschen unterwegs ist: „Im Mai werden wir Eltern einer Tochter.“

Anschließend schlägt Pies, selbst vor zwei Jahren Regent, Michael Wolfram und Simone Andrea Klasterka als Michael I. und Simone Andrea I. von Lederanien zum neuen Prinzenpaar. Eine Aufgabe mit Tücken: „Letztes Jahr hatte ich vergessen, das Schwert aus der Scheide zu ziehen.“ Der Prinz stammt aus Friesland, die Prinzessin von Dribbdebach. Ein Makel, den Simone Andrea schon früh ausgebügelt hat: „Im fernen Frankfurt geboren, hab‘ ich unser Offenbach zum Lebensmittelpunkt erkoren.“ Durchs Programm führt der Sitzungspräsident Simon Isser, kündigt Garde und Kapelle aus der ehemaligen Bundeshauptstadt an. Es handelt sich um die Bonner Stadtsoldaten, auch wenn die Kommandos vom Spieß der Truppe im Hessenohr wie Kölnisch klingen.

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Die singenden „Hofkater“ aus dem pfälzischen Ramstein sind ein Männerquintett, das in Frack, mit Zylinder und Ausgehstock zumindest optisch die 1920er Jahre aufleben lässt. Truppen wie die Prinzengarde aus Miesau, die Stadtgarde aus Baunatal und die Street-Life-Dancers aus Ober-Roden zeigen, dass Show- und Gardetanz Leistungssport sein kann. In den Auswahlformationen, die Meisterschaften gewinnen und im Fernsehen auftreten, tanzen nur durchtrainierte junge Frauen mit.

Das vom OKV verpflichtete Männerballett aus Assenheim erzählt mit einer ausgefeilten Choreografie eine Pfadfindergeschichte. Zweimal tritt Hochgeschwindigkeitsjongleur Daniel Hochsteiner auf, der sich nach jedem Akt dem Publikum präsentiert, als hätte er in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer versenkt.

Bilder: OKV-Sitzung in der Offenbacher Stadthalle

Sascha Reisert, Sitzungspräsident der TG Ober-Roden, hat das vergangene Jahr protokolliert und sorgt für ernsthafte Momente: Ob die USA mit ihrem Einmarsch in den Irak 2003 nicht Verantwortung für den Aufstieg des IS trügen, fragter. Und die Pegida-Leute skizziert der Rödermärker als schlichte Geister: „Wer von dene abendländische Wese had schon mal a Buch von Goethe gelese?“

Der Kölner Komiker Sascha Korf zitiert aus der bisher ungehaltenen Rede von Klaus Wowereit, die in den Satz mündet: „Niemand hatte die Absicht, einen Flughafen zu bauen.“ Die bayerische Kabarettistin Lizzy Aumeier, die ihr pfundiges Erscheinungsbild ins Zentrum ihres Vortrags stellt, erwähnt ihr Kleid, das die Konturen stark betont. „Maßgeschneidert ist das, nur nicht für mich.“ Ramon Chormann spricht im rheinhessischen Idiom vom Zoff zu Weihnachten, von der Schwiegermutter, die über jedes Plätzchen meckert – „und am End’ hat se all‘ gefresse“. Nach Mitternacht spielen die skurrilen norddeutschen Jungs von „Big Maggas“ auf. Sie firmieren mit Recht als „Die härteste und schönste Boygroup der Welt“. Viele amüsierte Zuschauer dürften Landesverweser Manfred Roth folgen: „Besorgt euch jetzt schon Karten für den 17. Januar 2017!“

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