Fastnachtssitzungen der Kolping-Elfer

Blaue Böcke unter Kappen

+
Wo schöne Frauen Beine schmeißen, lässt sich ein Lächeln kaum verbeißen.

Offenbach - Was wäre die Fastnacht ohne Spaßmacher in der Bütt? Die Kolpingelfer können auf Humor-Garanten bauen. Ihre Fremdensitzungen im ausverkauften Kolpinghaus beweisen das. Von Harald H. Richter

Ob Jutta Schaad mit ihrem Vorspruch, Protokoller Jürgen Kofink oder Heulsuse Eberhard Wernig – sie alle lassen sich von der Erkenntnis leiten, sinnstiftende Zusammenhänge zwischen unpassenden Konzepten herzustellen. Das gelingt unterschiedlich komisch, aber immer wieder. So werden Menschen und Medien, Mächte und Moneten, Polit-Granden und provinzielle Kleinbürger herzerfrischend durch den Kakao gezogen, auf dass jeder Angriff aufs Zwerchfell gelingen, jede Pointe sitzen möge. Setzt zwischen den Programmpunkten ein gut gelaunter Sitzungspräsident Roland Wernig an der Spitze des Elferrats noch eins drauf, steigert, muss der Abend einfach gelingen.

Kofink behält das Jahr mit all seinen Peinlichkeiten im Blick, von „TV Total“ bis zum DFB-Skandal, derweil Karl-Heinz Eitel mit viel Hallau als Schambes Schlau die Narren im Taxi durch die Nacht lenkt. Versagt sein Navi den Dienst, darf er sich nicht wundern, wenn auf seinen Fluch „Fahr zum Teufel!“ hin die Tour in Frankfurt endet. Überhaupt eignet sich die Städterivalität zu scherzhaften Seitenhieben auf der Nachbarin Hüftspeck. Zu Füßen der „elf Blauen Böcke mit Narrenkappen“ tauschen Felicitas Haag als Ebbelwoi-Wirtin und Kellnerin Gertrud Kiefer Frauengeschichten aus, etwa von der Schwierigkeit, ohne Brille einen Lidstrich zu ziehen, berichten Intimes aus dem Eheleben und über männliche Unzulänglichkeiten.

Mit Don Camillo und Peppone erleben zwei Film-Legenden eine gloriose Wiedergeburt, personifiziert durch Marcel Rupp und Michael Weimer von den Kolping-Nachbarn aus Jügesheim. „Ob Gottesdienst, ob Fassenacht, wir zwei sind für den Spaß gemacht“, lautet ihre Philosophie über göttliche und ideologische Trennlinien hinweg. Katholik und Kommunist sind sich sogar in Sachen Frauenbild einig: „Sie haben am Altar nix zu suchen! Wäre es so, hätte er Herdplatten.“

Alles zur Fastnacht in der Region

Nach schwerer Kindheit hat sich Eberhard Wernig ins Ehe-Elend katapultieren lassen: „Ich könnt‘ schon wieder heule...“ Schniefend beklagt er, im Rentenalter angekommen, dass in dieser an Körperleiden reichen Lebensphase die einzigen Dates die Updates sind. Ihn tröstet kaum, dass auch Wolfgang Braun als einer, der abnehmen will, schwere Bürde zu tragen hat. Auf der Waage von Null auf 200 in einer Sekunde zu kommen, ist für einen, der vom heiligen Pommfritzius träumt, eher unrühmlich. Doch das ist nur ein Scherz. Und da Braun das so gut beherrscht, wird ihm der Brustbambler-Verdienstorden zuteil. „Seit 1969 hast du als Büttenredner unzählige urkomische Charaktere verkörpert und bist daher ein würdiger Träger unserer höchsten Auszeichnung“, lobt Elferpräsident Thorsten Haag.

Der Abend vergeht nicht ohne Körpereinsatz, etwa den der Gardetanzmädchen der Bimbären aus Dreieich. Furios und lautstark brennt die Stadtgarde ihr Feuerwerk ab. Sieben fröhliche Frauen, „Just For Fun“ unterwegs, liefern eine Flamingo-Show ab. Und das Prinzenpaar mit Gefolge hinterlässt seine Visitenkarte. Die sich selbst als Handkäs-Combo bezeichnenden Randstaajodler Thorsten Haag, Paul Stenzel und Stefan Weisrock leiten mit ihren Schunkelliedern zum konfettireichen Finale über – und zur Feststellung, dass erst am Aschermittwoch alles vorbei ist...

Bilder: Sitzung der Kolpingelfer in Offenbach

Mehr zum Thema

Kommentare