Stern in der Bütt

13-Jährige ist der neue Star der Fastnacht in Steinheim

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Auch Papa Stephan, Mutter Petra und Emelies jüngere Schwester Leonie sind fastnachtsbegeistert und beim Steinheimer CCSW aktiv.

Steinheim -   Wenn der Nachwuchs in die Bütt geht, ist das eine Freude für altgediente Fastnachter, weil der Staffelstab für das gesprochene närrische Wort weitergegeben wird. Von Dieter Kögel 

Doch dass auf Anhieb ein neuer Stern aufgeht, wie bei den Sitzungen des Carneval-Clubs Schwarz-Weiß (CCSW) Steinheim, das ist eine Ausnahme. Kaum ein Nachwuchsvortrag ist auf ein solch positives Echo gestoßen wie der von Emelie Horch. Die 13-Jährige kommt aus einer fastnachtsbegeisterten Familie.

Nein, sagt Emelie Horch beim Interviewtermin, nervös sie sie bei ihrer Premiere nicht gewesen. Na ja, vielleicht ein wenig, als sie nach der Ansage durch Sitzungspräsident Andreas Sticher auf die Bühne und in die Bütt gegangen sei. Da hat es ein wenig gekribbelt. Aber nur kurz, denn schon nach den ersten Sätzen der Rede habe sich das gelegt, Emelie war ganz in der Geschichte. Und die trug sie mit einer für ihr Alter unglaublichen Präsenz vor. Gestik und Mimik stimmten, die Betonungen waren punktgenau, die Lockerheit und Natürlichkeit des Teenagers, dazu das schelmische und gewinnende Lächeln in der Bütt überzeugten vom ersten bis zum letzten Satz, mit dem „Mein Papa, das Supertalent. Handwerker mit Köpfchen, aber zwei linke Händ“ gewürdigt wurde.

Dabei war der Weg zum Auftritt zunächst etwas holpriger, erinnert sich Papa Stephan Horch, Tänzer bei „Die Blauen“ des CCSW und diesmal als einer der Soldaten der Blechbüchsenarmee aus der Augsburger Puppenkiste selbst auf der Bühne. Stephan Horch hatte das Redegerüst aus dem Internet herausgesucht, gemeinsam wurde es aus- und aufgearbeitet, auch ergänzt durch die eigenen Erfahrungen. Denn sowohl die neue Küche stand im Hause Horch an, als auch die Umgestaltung der Gartenfläche. Erlebnisse, die im Vortrag ihren Niederschlag fanden - zunächst beim Nachwuchs-Casting des CCSW, dessen Termin allerdings wegen der Urlaubszeit verpasst worden war. Aber der Programmausschuss lud Emelie Horch auf Nachfrage zu einem Extratermin. Zwei eigene Gedichte trug Emelie dort vor, erinnert sie sich, dazu noch die Rede vom Heimwerker-Papa- Mit Auszügen aus einem fremden Text wollte der Programmausschuss schließlich noch sehen, wie die angehende Büttenrednerin mit ihr unbekannten Texten umgeht. Am Ende des Castings war klar: Emelie wird mit ihrem Büttenvortrag beim Ehrenabend des CCSW im Kardinal-Volk-Haus eine Woche vor Sitzungsbeginn auftreten. Eine Entscheidung mit Folgen. Denn Emelies Vortrag kam dort so gut an, dass er ins Programm der CCSW-Sitzungen in der Kulturhalle übernommen wurde, wo sich der Erfolg vor großem Publikum wiederholte und in der Pause Thema bei Gesprächen der Besucher war.

Nervös beim ersten Auftritt? Nur ein bisschen, sagt Emelie Horch, hier bei ihrem viel gelobten Büttenvortrag. 

„Wir waren selbst auch überrascht von dem Erfolg“, sagt auch Mutter Petra Horch, die ebenfalls im CCSW aktiv ist und einen Platz im Komitee hat. Ein Erfolg, der Emelie Horch nicht zu Kopf gestiegen ist. Sie freut sich darüber, das ihr Beitrag so guten Anklang gefunden hat. Denn auf die Bühne und in die Bütt, so sagt sie, wollte sie schon immer mal. Bühnenerfahren ist sie schon. Seit dem dritten Lebensjahr tanzt sie für die Schwarz-Weißen. Zuerst bei den Piccolinos, wo heute Schwester Leonie mit ihren elf Jahren karnevalistisch aktiv ist, dann bei den Lollipops. Fastnacht, das ist eben das große Hobby der ganzen Familie.
Jetzt hat Emelie den Sprung in die Bütt geschafft. Und es fällt ihr leicht, sagt sie. Denn auswendig zu lernen, sich Texte zu merken, das ist kein Problem für sie. Und was für die Vokabeln in der Schule gilt, das gilt eben auch für Büttenreden. Das Manuskript habe sie nur gebraucht, um „zu sehen, wo ich gerade bin.“ Denn: „Ein paarmal durchlesen“ und der Text sitzt, sagt sie.

Jubiläumssitzung des CCSW

Wenn es nach Emelie geht, kann es so weitergehen. Doch Druck machen möchte sie sich nicht. Der CCSW-Programmausschuss habe ihr geraten, witzige Alltagsereignisse einfach mal aufzuschreiben und festzuhalten, oder auch den im Herbst anstehenden Klassenausflug nach Rom unter dem Aspekt der Büttenreden-Verwendbarkeit zu betrachten. Ratschläge, die Emelie gerne beherzigen will. „Vielleicht wird ja etwas daraus“, sagt sie mit ihrem einnehmenden Lächeln.

Aber eines nach dem anderen. Am Aschermittwoch wird erst einmal symbolisch „das Konfetti aus dem Haus gekehrt“ und es wird durchgeatmet, sagt Stephan Horch. Dann werde man weitersehen. Denn nach der Kampagne ist schließlich auch immer vor der Kampagne.

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