Mit Ersatz-Watz durchs Getümmel

Tausende Narren sehen den Lumpenmontagszug

+
Dicht gedrängt verfolgten große und kleine Narren den Lumpenmontagszug in der Frankfurter Straße – und sahen dabei viele dick eingepackte Akteure wie zum Beispiel die Champagner Girls der Schwarzen Elf. Und natürlich durften auch die Hexen und Lumpen nicht fehlen, die gestern im Städtchen ihr närrisches Unwesen trieben und den Nachwuchs zum Staunen brachten.

Iseborsch -  Tausende zeigen gestern den Schneeflocken die kalte Schulter und feiern lautstark den Lumpenmontag. Zwar hatten die Fastnachter diesmal einige Hürden zu nehmen und manche meinen auch, es sei insgesamt ruhiger und weniger voll in den Straßen zugegangen als früher.

Doch als sich um kurz nach 14 Uhr der Zug mit rund 60 Nummern in Bewegung setzt, tummeln sich die Narren doch scharenweise und in bester Stimmung an den Straßen. Zeitweise schaut sogar die Sonne vorbei. Der Schuss aus der Kanone der Schützengesellschaft ist das erste, was man vom Lumpenmontagszug hört. Lange bevor dieser sich in Bewegung setzt, schunkeln sich Watz und Oberlump oben auf dem Bembelwagen schon mal warm. Wer genau hinschaut, dem fällt auf, dass im Gerippten diesmal ein (wie er sich selber bezeichnet) „Ersatz-Watz“ steht – wobei dieser Titel irgendwie nicht passen mag, weil zu bescheiden klingt. Denn Karl-Heinz Müller hat schließlich viele Jahre lang als Watz die Symbolfigur des Lumpenmontags verkörpert. Und weil mit Uwe Fräger der Mann, der sonst mittlerweile den Watz gibt, diesmal als Prinz mit seiner Prinzessin Andrea auf einem anderen Wagen steht, springt Müller kurzerhand ein. Ehrensache. „Wir konnten den Platz ja schließlich nicht leer lassen“, sagt das Fastnachts-Urgestein und klettert ins Gerippte.

Zeitweise ein wenig melancholisch wirkte Karl-Heinz Müller, der als „Ersatz-Watz“ wieder einmal im Bembelwagen stand, da der amtierende Watz Uwe Fräger in diesem Jahr Prinz ist.

Ersatzlos gestrichen ist hingegen die Teilnahme eines anderen traditionsreichen Gefährts: Der Watze-Wagen (Foto rechts unten) muss gestern in der Halle an der Siemensstraße stehen bleiben. Bis zuletzt hatte der Verein gehofft und gewartet – doch die in Übersee bestellten neuen Reifen für den alten Hanomag, auf dessen offener Ladefläche das Komitee der Watze sonst Platz nimmt, haben es nicht mehr rechtzeitig nach Isenburg geschafft. Weil aber die alten Pneus schon gut drei Jahrzehnte auf dem Buckel hatten und damit zu alt für den TÜV sind, müssen die Watze ausgerechnet in ihrem Jubiläumsjahr zu Fuß gehen.

Doch ernstzunehmende Frohnaturen lassen sich davon den Spaß nicht verderben. Man erkennt sie schließlich nicht am Gesamtgewicht ihrer Orden oder der Größe ihrer Gefährte, sondern am Winken und Helau-Brüllen und Lachen. Nun, beim Lumpenmontagszug wird gewunken, gebrüllt, gelacht. Rund 60 Zugnummern sind es geworden, bestritten von Amts- und Kostüm- und Bonbonträgern. Das sind weniger Nummern als in den Vorjahren; vor allem rollen weniger Isenburger Motivwagen mit.

Die Gruppen aber, die dabei sind, können sich sehen lassen. Neben vielen Gästen aus Dreieich und einigen Gast-Musikgruppen, die den Fastnachtern mächtig einheizen, kommt ein Großteil der Gruppen aus der Hugenottenstadt. Die Jungen und Mädchen der Kita St. Franziskus haben sich in süße kleine Elfen verwandelt, die Jugendfeuerwehr ist mit von der Partie, erstmals auch eine Gruppe vom Frankfurter Haus. Die Champagner Girls der Schwarzen Elf tragen Sektgläser auf dem Kopf, und passend zum Kampagnenmotto „Gartenfest“ grüßen vom Wagen der karnevalistische Vereinigung der katholischen Pfarreien eifrig die Gartenzwerge. Die Mitglieder des RSV Solidarität rollen wie stets bunt kostümiert mit, die Dino-Kindereisenbahn rollt mit, der Kinderzirkus Wannabe hat Artisten auf Stelzen und mehr dabei.

Die Lokalpolitik bleibt diesmal von närrischen Attacken verschont. Und leider fehlen gestern auch ein paar Traditionsvereine wie etwa die Kümmler, die fest zum Bild des Umzugs gehörten – was dem Vernehmen nach daran liegt, dass die Vorschriften immer mehr, die Mitglieder dagegen weniger werden.

Das Wetter war zeitweise ungemütlich, aber die Narren zeigten sich mit entsprechend wärmenden Kostümen gut gerüstet.Postl

Eine Delegation der französischen Partnerstädte macht indes auch dieses Jahr wieder mit beim Lumpenmontag. Gekommen sind 37 Franzosen aus Veauche und Andrézieux-Bouthéon, die sich mutig in die Iseborjer Fastnacht stürzen. Und wer dies tut, muss Frühaufsteher sein: Nach dem Weckzug der Hexen und Lumpen durch den Alten Ort am frühen Morgen geht das Programm am Vormittag mit dem Anstich der Linsensuppe in der Fußgängerzone weiter. Für den Umzug am Nachmittag haben sich die Narren dann auf ungemütliches Wetter gut eingestellt und die Kostümierung angesichts der knackigen vier Grad um Handschuhe und Schals ergänzt. Und halten so bestens durch, bis schließlich sogar noch die Sonne rauskommt.

Zum Schluss reihen sich wie stets Prinzenpaar und Ehrensenat in den Zug ein – gefolgt von den Kehrmaschinen des DBL, die die Straßen vom Konfetti befreien. Und von den Bonbonresten, die die eifrigen Kinder mit ihren Tüten nicht erwischt haben. Die Narren feiern indes „überall in Iseborsch“ weiter, etwa bei den Watzedoniern im Sportpark, im Siedlerheim oder im Treffer. (hov)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare