Rosenmontagszug an Muttertag nachgeholt

Narretei im Mai: Tausende feiern bei sommerlichem Wetter

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Manege frei für den Bürgermeisterwahlkampf: Das Duell zwischen Dr. Daniell Bastian und Claudia Bicherl lässt der Club der Gaudianer als Zirkusnummer Revue passieren. Weitere Motive des Umzugs finden Sie in der Bildergalerie.

Seligenstadt - Narretei im Mai. Wer sich am Sonntag ahnungslos nach Seligenstadt verirrte, dürfte nicht schlecht gestaunt haben. Aber es ging doch alles (mehr oder weniger) mit rechten Dingen zu. Der Heimatbund holte am Sonntag den ausgefallenen Rosenmontagszug nach. Von Katrin Stassig

Ein Rosenmontagszug bei sommerlichen Temperaturen von 25 Grad und mehr – das gibt es, um exakt zu sein, nur alle 26 Jahre. 1990 hatten die Seligenstädter schon einmal einen Fastnachtsumzug nachgeholt, der wegen eines Sturms im Februar ausgefallen war. Nun also 2016. Rosensonntag, Rosenmuttertag oder wie auch immer man diesen Tag nennen will. Die Zugstrecke etwas kürzer, der Zug selbst etwa ein Drittel kleiner, auch das Publikum nicht ganz so zahlreich. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Klein ist in diesem Fall relativ. 63 Zugnummern sind immer noch eine ordentliche Hausnummer. Zuschauerzahlen kann die Polizei am Sonntag noch nicht nennen, spricht in einer ersten Bilanz von sehr guter Stimmung und deutlich weniger Rettungseinsätzen als an einem „normalen“ Rosenmontag.

Der Jahreszeit entsprechend dominiert im Publikum die leichte Kostümierung: Matrosenmütze, Hawaiikette oder Strohhut sind beliebte Accessoires, die Sonnenbrille ist obligatorisch. Ganz so flexibel sind die Zugteilnehmer bei der Wahl ihres Outfits nicht, schließlich steht das jeweilige Motto seit langem fest, die Kostüme wurden im Winter genäht. Da sind die Minions der „Flitzenden Maabrettcher“ oder die monstermäßigen Fetzer mit Fell und dicken Perücken wahrlich nicht zu beneiden. Aber mit Wetterkapriolen egal aus welcher Richtung wissen echte Fastnachter schließlich umzugehen. Das Hainstädter Prinzenpaar trägt kurze Ärmel unter dem roten Samtumhang. Und die Eskimos der „Hibbelische Schberenzjemacher“ zeigen Bein unter ihren fellbesetzten Mänteln.

Politische Themen sind rar gesät. Die „Plattgedappte Ausschmeißgudsjer“ erlauben sich eine Reminiszenz an Bürgermeisterin i.R. Dagmar B. Nonn-Adams und deren Vorliebe für Schottenröcke, der „Club der Gaudianer“ nimmt den Bürgermeister-Wahlkampf auf die Schippe. Maries Bunker-Schlumber rufen die „Klar Wars“ ums Abgas aus („in Zukunft so wie heute, vera****en sie die Leute“). Die „Maamauerbaabambeler“ wollen das Kloster Seligenstadt zum Weltkulturerbe erhöhen.

An originellen Ideen bei der Gestaltung von Wagen und Fußgruppen-Kostümen mangelt es nicht. Die Einhardwiwwel haben einen ganzen Jahrmarkt mit Buden, Riesenrad und Karussell gebaut. Die Blocker lassen den leibhaftigen Teufel aus den Flammen der Hölle emporsteigen. Ein beeindruckendes Bild gibt auch der riesige Bienenstock der flotten Bienen vom Liederfreund ab. Bei den „Hebbocher Knallbohne“ dirigiert Schneewittchen die Zwerge an Stangen, und der Sängerchor der TGM feiert mit Alice eine Teeparty im Schlumberland.

XXL-Galerie: Fastnachtszug am Muttertag in Seligenstadt

Märchen und Sagen, Film und Fernsehen sind beliebte Ideengeber. Die Fastnachtsfreunde bringen die „Tribute von Panem“ nach Seligenstadt. Neben Indianern, Wikingern und Elfen haben auch Pippi Langstrumpf und das Moorhuhn den Weg in die Einhardstadt gefunden.

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