Fremdensitzungen bei der Karneval-Gesellschaft Egelsbach

Wenn die Narrhalla zur Sauna wird

Sitzungspräsident Alexander Höhme eröffnete mit einem Tanz mit Janine Raupp, der Prinzessin der vergangenen Kampagne (damals noch Stapp), die Fremdensitzungen. Die warteten auch mit reichlich Musik auf: So hatte Stefan Schmitt „Sauna Storys“ parat und sang gemeinsam mit dem Publikum ein Saunalied.
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Stefan Schmitt hatte „Sauna Storys“ parat und sang gemeinsam mit dem Publikum ein Saunalied.

Egelsbach - Büttenrede, Gardetänze, Sketche und Gesang: Zweimal bot die Karneval-Gesellschaft Egelsbach (KGE) am Wochenende bei den großen Fremdensitzungen ein buntes Programm auf und verwandelte die Dr. -Horst-Schmidt-Halle auch in diesem Jahr erfolgreich in eine bunte Narrhalla. Von Daniel Untch 

Dazu hatten die Fastnachter für den gestrigen Sonntag noch gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung die Senioren der Kommune eingeladen. Die Fremdensitzungen sind einer der Höhepunkte im KGE-Veranstaltungskalender. Die Vorsitzenden Michael Lama und Andreas Schweitzer begrüßen das Publikum. Dabei verkörpert Schweitzer das Motto der diesjährigen Kampagne „Heißkalt durchgeknallt!“. „Heiß und kalt ergibt bei mir lauwarm“, erklärt Schweitzer in Lederhose und rosa Hemd. Eine Besonderheit bietet die Sitzung am Samstag: „Unsere Sitzung wird heute von OF-TV aufgezeichnet“, erklärt Lama die Anwesenheit verschiedener Kameras. Dann ist es Zeit für den Einmarsch des Prinzenpaares samt Hofstaat. Natürlich nicht, ohne das närrische Volk auf seine Regenten zu vereidigen. So bekunden alle 400 Gäste die Anweisungen des Prinzenpaares „auf das Närrischste zu befolgen“.

Als Erster tritt an diesem Abend Thomas Geiß als Protokollant in die Bütt. Da er das bereits seit 25 Jahren tut, wird er mit der KGE-Ehrenkappe ausgezeichnet; ebenso wie Susanne Riemer, der als erster Frau überhaupt die Ehre zuteilwird.

Mit humoristischer Sicht, aber auch mahnendem Unterton wirft Geiß einen Blick auf die Ereignisse des vergangenen Jahres auf globaler und lokaler Ebene. Mit Blick auf die anstehenden Wahlen verkündet er: „Wählen ist wie Zähneputzen. Wenn man es nicht tut, wird alles braun.“ So bedeute die Parole „Wir sind das Volk“, die einige Parteien und Bewegungen gerne verkünden, lediglich „Ausländer raus“. Mit einem Blick auf Egelsbach lobt er die Arbeit der Flüchtlingshilfe. Gleichzeitig kritisiert er diejenigen, die den deutschen Sozialstaat ausnutzen, nicht ohne gleichzeitig die Verhältnisse gerade zu rücken: „Ein Flüchtling müsste 6000 Jahre bescheißen, um Hoeneß’ Steuerschuld zu begleichen.“ Bezüglich des Eigenheims kritisiert Geiß, dass der Bürgerwille zu lange missachtet worden sei, und ruft die Politik dazu auf, bei dem brachliegenden Grundstück der ehemaligen Turnhalle an einem Strang zu ziehen. Der Protokollant wird schließlich mit großem Applaus von der Bühne verabschiedet.

Ihm folgt Andreas Dörner, der mit musikalischer Untermalung von Bastian Schächer von den Schwierigkeiten mit Kindern und Schwiegermutter berichtet. Musikalisch geht es weiter, als Stefan Schmitt gemeinsam mit dem Publikum ein zungenbrecherisches Lied über die Sauna anstimmt. Der Text ist nicht ganz leicht, sorgt aber für Lacher und Freude unter den Mitsingenden.

Bilder: Sitzung der Karnevalgesellschaft Egelsbach

Auch Timo Kurth und Bastian Schächer sind mit ihrem Auftritt mittlerweile seit einigen Jahren fester Bestandteil der Egelsbacher Sitzungen. Ihre beiden Charaktere Rainer und Olaf haben eine klare Marktlücke identifiziert: Rentnerlieder. Schnell ist der erste Hit gefunden: „Kein Geld in der Rentenkass, was soll denn das?“ Mit „vier handelsüblichen Akkorden“, wie die beiden Protagonisten sagen, werden so kurzerhand noch mehr Songs über Rollatoren und Kreuzworträtsel geschrieben, alle zugeschnitten aufs ältere Publikum, versteht sich.

Nach der Pause heizt Stefan Seib-Melk mit seiner Gitarre den Narren ein, was viele im Publikum auf die Stühle steigen lässt. Auch Monique und Pierre Theuerkauf sind wieder mit von der Partie auf der Karnevalsbühne. Dieses Jahr wird der Rest der Familie mit einbezogen, denn ihre zwei Söhne bereichern den Auftritt mit einer Tanzeinlage, die im Publikum für Begeisterung sorgt. Später nehmen sich Pierre und Monique in einem Lied der Schwierigkeiten an, in der deutschen Sprache etwas Anzügliches zu sagen – dabei fehlen ihnen schlicht und ergreifend die passenden Worte.

Auch die Tänze zwischen den verschiedenen Nummern begeistern das Publikum, egal ob Männerballett oder Garden. So honoriert das närrische Publikum die Show nicht nur beim großen Finale mit jeder Menge Applaus. Im Anschluss wird in der Halle noch getanzt und gelacht. Somit kann die KGE auch in diesem Jahr auf zwei erfolgreiche Fremdensitzungen zurückblicken und sich auf die weiteren Veranstaltungen freuen, die bis zum Aschermittwoch im karnevalistischen Kalender stehen.

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