Galasitzungen der Fastnachtsfreunde in Hainstadt

Mit Konfetti in der Blutbahn

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Die Skydancers der Sportvereinigung im Land der Pharaonen.

Hainstadt - Zwölffache tänzerische Spitzenleistungen boten die Fastnachtsfreunde Hainstadt in ihren Galasitzungen am Wochenende; und wer richtig aufgepasst und zugeschaut hat, ist sich sicher: Von Bernhard Koch

Um die Zukunft der Haaschder Fastnacht brauchen sich die Verantwortlichen rund um Sitzungspräsident Jürgen Harrer keine Sorgen zu machen. Zumindest wenn es ums Tanzen geht. Nicht ganz erstligareif dagegen, wenn man der Resonanz der Zuschauer folgen darf, waren einige Vorträge in einem alles in allem guten Fünf-Stunden-Programm, das gleich dreimal in der Sporthalle an der Offenbacher Landstraße präsentiert wurde. .

Nicht nur die Ehrengäste und die Narren im Saal begrüßte Vereinsvorsitzender Oliver Möser, sondern gleich zu Beginn auch die „Böppscher“, deren Herzen vor lauter Aufregung pochten. Erstmals startete die Minigarde „Blue Flames“ der Fastnachtsfreunde unter der Leitung von Lena Ruiner, Milena Stock und Marina Magnapane auf der Fastnachtsbühne und erhielt als Belohnung das, was sich alle Akteure wünschen: den Applaus des Publikums. Und für die Jüngsten gab’s einen extra langen Beifall. Zu Recht.

Wie meist bei der ersten Sitzung dann das vereinte Auftreten des gastgebenden Prinzenpaares Robney und Tina mit dem Klein-Krotzenburger Pendant Nadine und Thorsten. Und auch das Hainstädter Kinderprinzenpaar Nicole und Robin lauschte den Worten des Sitzungspräsidenten Jürgen Harrer und des Bürgermeisters Alexander Böhn bei der Schlüsselübergabe. Klar, dass es sich Krotzenburgs ÖVV-Ehrensitzungspräsident Franz Kemmerer nicht nehmen ließ, spontan einige gereimte Worte ans närrische Hainstädter Volk zu richten.

Narrhallamarsch der Blaskapelle „feucht & willig“, das Sitzungsprogramm konnte beginnen. 16 „Schlawiner“ zogen ein und sorgten als „süße Clowns“ immer wieder für Szenenapplaus. Hübsch anzuschauen diese junge Truppe von Stephanie Harrer und Tanja Winkler in tollen Kostümen und allemal „mit Konfetti in der Blutbahn“.

„Ja, so woarn’s die alten Rittersleut“, ertönte dann beim Vortrag von Generalhofmarschall Sven Rachor, der das Mittelalter auf die Bühne brachte, über die deutsche Politik ebenso sinnierte wie über die Nackten am Knochensee und den einzigen echten Hainstädter Ritter, der später noch mal Thema sein sollte.

Durch die Galaxie ging der närrische Ritt der „Girlies“, die bei ihrer Reise zum Mars das ganze Narrenhaus verzückten und zurecht vom Präsidenten die Beurteilung „genialer Tanz, einfach klasse“ erhielten. Trainiert werden die Girlies „mit den ausgeprägten Stimmen beim Trinkspruch“ von Tanja Winkler und Stephanie Harrer.

Weiter ging es mit den „Drei Jahreszeiten“, dem rosaroten schwulen Kasperle (Maik Daimling), seinem Vater Stephan Lukas und seiner Mutter Jürgen „Jotjot“ Junker und jeder Menge Selbstironie bei allem Geflunker. Begeisterung am Nachbartisch: Die Eintracht erzielt das 1:0 im Freitagsspiel der Bundesliga.

Schnell den Wasserfleck weg von der Bühne („jetzt kommt der Lappen, das sollte jetzt klappen“), alles bereitet für die Garde „Blue Fire“ mit einem tollen Tanz, hervorragend dargebracht und einstudiert von Marina Magnapane, bevor sich die Bühne in eine der berühmtesten Haaschder Gaststätten verwandelte: „Zum schlanken Ralf“. Verständlich, wenn Ralf Hillerich als Wirt und „Mann des Freibiers“ hier nicht nur seinen neuen Traumberuf, sondern mindestens 13 Gäste gefunden hat, die ein besonderes Schauspiel boten. Von den ersten beiden Gästen, die noch vom Vorabend übrig blieben, über die Haaschder aus edlem Holz, jene, die gerade vom Gottesdienst kamen oder jenem, der in seinem Suff auf dem Nachhauseweg von der Kneipe dem gut gemeinten Rat von Pfarrer „Diddi“ folgte: „Du bist auf dem falschen Weg. Kehr um!“

Gemeinsam mit den Narren im Saal schmetterten Ute Baier, Isabell Rossmann, Sabine Redanz und Leander Blumör das Lied mit den besagten Zeilen: „...un wann mir feiern, waggele die Wänd/so wie’s koan Kloane-Krotzebojer kennt“.

In den Weltraum entführten danach die Himmelsstürmerinnen der Harmonie-Tanzgruppe, einstudiert von Silke Bartke, mit dem silbernen „Darth Vader“ Josch Gensert „völlig losgelöst von der Erde“, in den ersten Minuten leider im Bühnennebel der Siebzigerjahre verschwunden. Zuschauerkommentar: „Ei, isch seh die joa gar net, misse die immer su viel Nebel mache!?“

Pause. Teil zwei der Galasitzung in Hainstadt mit Solos von Alicia Bräutigam, Lena Ruiner, Anika Schenkel und Milena Stock, trainiert von Marina Magnapane, Riesenapplaus des Publikums und gefolgt von der Gruppe Footloose der Sportvereinigung mit Krotzenburgs Prinzessin Nadine, trainiert von Julia Maikranz. Sie tanzten mit Saus und Braus am Meer.

Bilder: Sitzung der Fastnachtsfreunde Hainstadt

Bekannte Personen wie Franz Kemmerer, Dieter „Diddi“ Bockholt, Thorwald Ritter und andere ließen dann Christina Pittorf und Markus Klein zusammen mit Jens Bräutigam bei der „Wetten, dass...“-Einlage erraten, derweil Sportkreis-Vorsitzender Peter Dinkel gegenüber über das 2:0-Endergebnis der Eintracht informierte.

In die 90er Jahre entführte dann die tanzende katholische Jugend – und Verwunderung pur beim Sitzungspräsidenten, dem die Technik einen Zettel reichte: Draußen steht ein weiteres Prinzenpaar. Schwupps war’s schon da. Das fünfte „Acker-Prinzenpaar“ alias Alex Blobner und Prinzenbruder Michi Beck sorgten für Aufregung, gaben aber schnell auf, als die „Golden Girls“ einen wieder rundum gelungenen Auftritt präsentierten. Die älteste Tänzerin Mitte 70 und alle zu sehen am Rosenmontag im Hessen-Fernsehen unter der Leitung von Claudia Troha.

Weiter ging’s mit dem Männerballett der „Hainstädter Jungs“ als Panzerknacker (Leitung: Maryse Mahler und Sandra Gensert), dem Vortrag des Hartz 8 beziehenden Ehepaars Nachtigall (Geli Baier und Gundolf Lukas) und den Skydancers der Sportvereinigung, die in tollen Kostümen nach Ägypten in das Land der Pharaonen entführten.

Zeit vor dem abschließenden bunten Tanzrausch mit „karibischen Rhythmen zu später Nacht“ für den Jamaikaner alias Oliver Möser, der neben der Politik vor allem die Ampel-Situation in Hainburg aufs Korn nahm und für seine Ausführungen den verdienten Applaus der Narren erhielt: „Am besten läuft des Ding, das iss gewiss, wenn mal wieder Stromausfall iss. ... Da baue mer mit unsere Gelder, en Kreisel selber!“ Und alles, um sieben rote Phasen zu überstehn...

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