Wer ist der bessere Karnevalist?

Erste Sitzung des CV Klein-Auheim mit Pfarrer-Wettstreit und zwei Ehrungen

Die Sternchen tanzten zum Sitzungsauftakt des Carneval-Vereins Klein-Auheim in der TSV-Halle. Fotos: Kögel
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Die Sternchen tanzten zum Sitzungsauftakt des Carneval-Vereins Klein-Auheim in der TSV-Halle. 

Der Carneval-Verein (CV) 1895 Klein-Auheim ist am Samstag in der voll besetzten TSV-Halle mit der ersten, mehr als fünf Stunden dauernden Kostümsitzung in die heiße Phase der diesjährigen Kampagne gestartet. 

Hanau – Eine ganz besondere, denn der CV wird 125 Jahre alt und bekam zum Geburtstag eine besondere Ehrung. Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck hatte die angenehme Aufgabe übernommen, dem CV-Vorsitzenden Sascha Feldes die Silberne Ehrenplakette des Landes Hessen zu überreichen. Der zeigte sich angesichts der Ehrung auf der Bühne „sprachlos“ – bei dem eher wortgewandten CV-Vorsitzenden ein nicht alltäglicher Zustand. Die Ehrung, so Beate Funck, werde dem Klein-Auheimer Verein aufgrund seiner Verdienste für die Pflege des Karnevals in Hessen verliehen.

Franz Schneider, „Urgestein“ des CV und seit 1989 vor, auf und hinter der Bühne aktiv, erhielt von der Stadtverordnetenvorsteherin den Hanauer Stadtorden verliehen, die höchste karnevalistische Auszeichnung der Stadt. Ein feierlicher Auftakt für die erste Kostümsitzung, während der die Gäste eine bunte und unterhaltsame Mischung aus Musik, Tanz, Gesang und Büttenvorträgen geboten bekamen.

Sitzungspräsident Norbert Kugler gab bereits bei der offiziellen Begrüßung die Parole zum „Durchhalten bis morgen früh“ aus. Klein-Auheim sei am Samstag die Heimat „aller Narren aus nah und fern“, so das CV-Prinzenpaar Stefan I. und Cornelia I. in der Proklamation. Das 75. Prinzenpaar der Vereinsgeschichte erinnerte an die Zeiten, in denen die Sitzungen des CV noch im Grünen Baum stattgefunden hatten. 1989 mussten die Aktiven in die TSV-Halle umziehen, weil der Saal der Gaststätte zu klein geworden war. „Auf die Kampagne und den CV, ein dreifach donnerndes Helau“, forderten die Regenten, nach deren Ansprache auch das KG-Kinderprinzenpaar Philipp I. und Phoebe I. das Wort an die närrischen Untertanen richtete.

Die konnten dann erst einmal beim Schautanz der „Sternchen“ durchatmen, ehe Protokoller Jan Bisceglia zu seinem Rundumschlag gegen die Einfalt im Großen und im Ganzen ausholte, Politik und Politiker an den Pranger stellte, die Pünktlichkeit der Bahn hinterfragte und kaum ein gutes Haar am Angebot des Privatfernsehens ließ.

Viele Konflikte also, denen der katholische Pfarrer Lukasz Szafera und die evangelische Pfarrerin Ann-Sophie Huppers in ihrem Zwiegespräch noch einen weiteren hinzufügten. Wer ist wohl der bessere Karnevalist? Der von Szafera verkörperte Gardist oder die Pfarrerin in der Rolle eines Komiteemitglieds. Die beiden Geistlichen fanden natürlich zur versöhnlichen Lösung: Denn egal, „ob groß, ob klein, wir sind doch alle ein Verein.“

Der Schautanz der „Moonlights“ und die Solotänze von Ylva Nadj und Charline Hill setzten zwischen den Wortbeiträgen wieder andere Akzente. Zum Mitsingen animierten die „Tümmler“ in ihrem Beitrag. Birgit Bauer-Ladwig und Thomas Ladwig, der seiner Angebeteten vor einem Jahr auf der CV-Bühne einen Antrag gemacht und seine Geliebte erst kürzlich geheiratet hat, plauderten und tanzten zur thematisch passenden Musik aus dem Nähkästchen der noch jungen Beziehung.

„Sterntaler“ und „Sternschnuppen“ boten schließlich wieder etwas fürs Auge. Wie auch die „Crazy Ladies“, die in der zweiten Hälfte des Programms eine musikalische Zeitreise aus dem Gründungsjahr des CV bis ins Jahr 2020 unternahmen. Mit viel Garderobenwechsel, sprühenden Funken und regnenden Konfetti. Auch wieder mit in der Bütt‘: die „Rotzgören“ Lynn Seibert und Amelie Kaiser, die kräftig in Richtung Steinheim austeilten, und Walter Bauer, der sich so seine Gedanken zum Schaltjahr machte.

Thomas Ladwig und Jürgen Streck enterten die Bühne als Duo „Moppel & Hoppel“ und lösten mit ihren Ausflügen tief unter die Gürtellinie auch durchaus Befremden im Saal aus. Gut, dass die Solotänze von Lena Rachor, Lara Hehlert und Natalia Pyka sowie der Schautanz von „Esprit“ sich stärker ins Gedächtnis einprägten als die schlüpfrigen Anekdoten.

Am Samstag, 1. Februar, 19.11 Uhr, folgt die zweite Kostümsitzung des CV.

VON DIETER KÖGEL

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