Seebestattungen am Hafenbalkon?

Schwarz-weißer Humor: CCSW Steinheim feiert umjubelte Premierensitzung

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Die tanzenden Kapitäne der Gruppe „Flasche leer“ sorgten vor allem bei den Zuschauerinnen für Begeisterungsstürme.

Langweilig ist es dem Publikum bei der fünfstündigen Premierensitzung des Carneval-Clubs Schwarz-Weiß (CCSW) am Samstagabend wahrlich nicht geworden.

Steinheim – Die närrische Zeitreise unter dem Motto „Schwarz-weißes Spektaculum rund ums Staanemer Schloss erum“ gipfelte kurz nach Mitternacht in der proppenvollen Kultur-Narrhalla im furiosen Tanzfinale. Auch im 60. Vereinsjahr kann die schwarz-weiße Fassenacht ihr hohes Niveau halten. Einmal mehr stechen die tollen Choreografien und die einfallsreiche Kostümgestaltung hervor – das CCSW-Spektakel wird vielen noch über die Fastnachtszeit hinaus in guter Erinnerung bleiben.

Sitzungspräsident Andi Sticher war - umgeben vom CCSW-Komitee - Reiseleiter durch 700 Jahre Fastnacht rund um das von Geistern bewohnte Schloss. Auch Äppelwoi, Bembel und Staanemer Dialekt durften bei der von den „Mitmachmusiggern“ eingeleiteten Steinheim-Jubelfeier nicht fehlen.

Nach dem farbenfrohen Harlekintanz der 27 munteren „Piccolinos“ zum Auftakt ließ Protokollerin Conny Baumecker politische und gesellschaftliche Ereignisse Revue passieren. Ob ein Brot ohne Bon ein Schwarzbrot sei oder ob Stadtrat Morlock mit dem beim Narrenspektakel gleich mehrfach durch den Kakao gezogenen Steinheimer Hafenbalkon zu Seebestattungen einlade, fragte sie unter großem Applaus.

Stadtrechtsverleihung: Pfarrer Szafera (links) als Bayernkönig Ludwig und Christa Grünbecken als Gottfried von Eppstein. Rechts „Die Blauen“ beim Hexentanz.  Fotos: Hackendahl

Einfallsreiche Auftritte gelangen den „Guutsjer“, die beim Stammtisch der Prinzessinnen weibliche Märchenfiguren auferstehen ließen. Die „Lollipops“ tanzten als wilde Mädchen-Gang rund ums Schloss. Pfarrer Hermann Differenz erntete für seinen mit Lokalkolorit angereicherten Wappenräder-Vortrag sehr viel Applaus. Für Begeisterung sorgte auch die Gruppe „Staanemer Blut“, sieben junge CCSW-Fastnachtsneulinge, als Steinheim-Figuren nachts im Schloss. Der „auspackende“ Mundschenk Matthias Emser und die junge „Spotlight“-Damenriege mit einem Kerbborschentanz waren weitere Highlights.

Mit dem Sketch „Am Mainesstrand“, bei dem ein Angler einen eitlen Schwan trifft und mit seinem lebenden Blinker allerhand aus dem Wasser zieht, begeisterten die „Fly Pots“. Gepaart mit einer erstklassigen Kostümierung war das Finale des ersten Sitzungsteils ebenso wie viele andere schwarz-weiße Auftritte absolut fernsehreif.

Auch nach der Pause wurden die Lachmuskeln gehörig strapaziert. Pfarrer Lukas Szafera als stadtrechtsverleihender Bayernkönig, Madame Lloret (Hannelore Sticher) und Christa Grünbecken als Gottfried von Eppstein sowie ein Abgesandter (Dagmar Horch) des Schwedenkönigs Gustav Adolf ermöglichten einen humorigen Blick in die Steinheimer Historie.

Am Mainesstrand trifft ein Angler auf einen eitlen Schwan, und auch der Steinheimer Flussgott hat einen Auftritt beim Sketch der „Fly Pots“. Fotos: Hackendahl

Fester Bestandteil der fröhlichen CCSW-Fastnachtsschau sind die Tanz-Choreografien. Im zweiten Teil zeigten die „Las Estrellas“ als tanzende Äbbelscher un Bembelscher ebenso ein tolles Arrangement wie „Scrabble“ beim furiosen Geistertanz im Schloss. In der Staanemer Äppelwoikneipe „Zum Bumbes“ trafen Wirt (Wolfgang Müller) und Stammgast (Andi Schleiff) auf einen Sachsen (Frank Diwisch) – das hessisch-sächsische Wortduell strapazierte das Zwerchfell.

Fotos: Hackendahl

Mit selbst getexteten Stimmungshits setzte das umjubelte „Yellow Snow“-Trio (Andi und Alex Sticher, Stefan Schwickert) zum „Finale furioso“ an. Die Gruppe „Flasche leer“ als tanzfreudig-akrobatische Kapitänsriege sorgte beim weiblichen Publikum für Begeisterungsstürme, ehe „Die Blauen“, das CCSW-Männerballett, beim Hexentanz den Schlusspunkt setzten.

Am Freitag und Samstag (19.22 Uhr) geht’s für die CCSW-Akteure weiter.

VON HOLGER HACKENDAHL

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