Aus Spaß wird Tradition

Vor 25 Jahren initiiert Ewald Schreiner den Fastnachtszug

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Ewald Schreiner 1997 als Prinz während des Fastnachtszugs auf der Schlossstraße. Er stößt gerade mit Inge van Eck an, ebenfalls eine der ganz Aktiven während der Kampagne.

Heusenstamm - Vor 25 Jahren sind zum ersten Mal einige Heusenstammer Narren mit „Helau“-Rufen auf den Lippen durch den Ort gezogen. Einer der Initiatoren des Fastnachtszugs ist Ewald Schreiner. Er wird heute 70 Jahre alt. Von Claudia Bechthold

So mancher Heusenstammer mag die Gruppe damals für verrückt erklärt haben. Aber ihren Spaß müssen sie gehabt haben. Denn im zweiten Jahr hatte sich die Zahl der Teilnehmer bereits verdoppelt. Vor genau 25 Jahren entstand – zunächst gedacht als einmaliger Spaß – die Idee zum Heusenstammer Fastnachtszug. Als Hauptinitiator dieser inzwischen längst etablierten Tradition gilt Ewald Schreiner, der heute seinen 70. Geburtstag feiert. Ein Geburtstag war es auch, für den die Idee in jenem Familienkreis geboren wurde, zu dem neben den Schreiners zehn weitere Familien gehören. Auch die von Maria und Kurt Hohls zählte dazu. Am 23. Februar 1993 sollte der mittlerweile verstorbene Kurt Hohls 45 Jahre alt werden – in jenem Jahr der Fastnachtsdienstag. Da bot es sich ja fast an, einen Umzug zur Feier zu veranstalten.

Etwa 30 Leute sollen es gewesen sein, die sich am Fastnachtsdienstag vor dem Haus der Familie Krebs in der Schlossstraße in Bewegung gesetzt haben. Ein Fahrrad hatten sie besorgt mit acht Sitzen. Edith Blumenberg und Herbert Margraf residierten als Prinzenpaar in einem Cabriolet, das ihnen Gerti Sietzy geliehen hatte. Die anderen Teilnehmer waren – nach alter Heusenstammer Sitte – als „Eierlies“ verkleidet. Früher hatten sich die Kinder an Fastnacht Kissen „aufgesetzt“, ein Betttuch übergeworfen und eine Maske angezogen. So waren sie durch die Straßen gelaufen, um Passanten zu erschrecken und Wegezoll zu fordern.

Von der Schlossstraße zog jener Lindwurm dann zur Frankfurter, wo man erst einmal den Verkehr anhalten musste, wie sich Heinz Hoos erinnert. Den Passanten Bonbons zu werfend ging es weiter in die Patershäuser Straße, an der das Geburtstagskind wohnte. Und weil es so viel Spaß machte, zog man erst einmal am Haus vorbei, um über die Friedrich-Ebert- und die Franz-Rau-Straße wieder ans eigentliche Ziel zurückzukehren. Dort kletterte Ewald Schreiner noch auf einen Pfosten und hielt eine Rede. Dann wurde natürlich gefeiert.

Und weil alle Beteiligten so viel Spaß bei diesem Umzug hatten, wurde das Ganze im nächsten Jahr wiederholt. Diesmal startete man bei den Margrafs im Wiesenring. Und beendete das Treiben erstmals auf dem Kirchplatz. „Dort läuteten plötzlich die Glocken von St. Cäcilia“, erinnert sich Heinz Hoos. Eingeschaltet hatte sie vermutlich der damalige Pfarrer Dieter Ludwig, „der Spaß an der Fastnacht hatte“.

Bilder: Heusenstammer Narren feiern bunten Fastnachtsumzug

Unterwegs waren den Narren in jenem Jahr die Bonbons ausgegangen. Kurzerhand stoppte Inge van Eck, auch leidenschaftliche Fastnachterin, den Zug in Höhe des Wasserhäuschens neben den Schule an der Frankfurter Straße. „Sie muss alles gekauft haben, was man irgendwie werfen konnte“, vermutet Mechthild Schreiner. Kurz drauf konnten die wartenden Zuschauer weiter mit „Guudsjer“ versorgt werden. Die „Fassenacht“ ist ohnehin ein „Ding“ von Ewald Schreiner. So zählte er 1995 zu den Mitgründern der „Funkekanönscher“, die bis heute jedes Prinzenpaar begleiten und beim Zug dabei sind. Unzählige Male stand er bei der Cäcilianer Fastnacht in der „Bütt“, war Präsident des Elferrats und sogar Prinz. In der Kampagne 1997 führten Prinz Ewald und Prinzessin Mary (Wontka) die närrische Schar an.

Das ehrenamtliche Engagement von Ewald Schreiner, der übrigens bis heute jedes Jahr die Zusammenstellung des (längst städtischen) Fastnachtszugs übernimmt, geht aber weit über die närrische Zeit hinaus. So hat er in der TSV die Volleyballer gegründet, war auch im Abteilungsvorstand aktiv. Mit Kindergartenkindern macht er Holzarbeiten, ein weiteres Hobby. „Ewald ist ein Holzwurm“, sagt seine Frau Mechthild. Diese unterstützt er beim Sammeln für das Missionsprojekt Kongo. Und Bewohner des Seniorenzentrums Horst-Schmidt-Haus fährt er einmal in der Woche in einer Rikscha spazieren.

Der Heusenstammer war Lehrer für Geschichte, Sport, Geografie und Politik am Kreuzburg-Gymnasium in Groß-Krotzenburg. Er ist Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen, Großvater von sieben Enkeln. Und er fährt, wenn es ihn mal wieder packt, zu seiner Schwester nach München – mit dem Fahrrad.

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