Jetzt regieren die Narren

Heusenstammer stürmen das Schlossrathaus und übernehmen die Macht

Mit dem Heusenstamm-Lied unterstützen die Zuschauer die FKKler gegen die Rathaus-Macht.

Bürgermeister Halil Öztas und der Magistrat sind entmachtet, die Regierung über die Schlossstadt haben jetzt die Narren inne.

Heusenstamm –  Eine gute halbe Stunde braucht das Team des Verbundes FKK gemeinsam mit vielen Besuchern, dann schwingt der Verwaltungschef die weiße Fahne. Es ist das zweite Mal, dass sich Feuerwehr, Kirche und der Karneval Klub Disharmonie (FKK) zusammen auf den Weg ins Rathaus gemacht haben.

Auf dem Kirchplatz vor St. Cäcilia ist die Stimmung bestens. Mit Musik, Getränken und Schmalzebroten stärken sich die Narren für den Marsch zum Rathaus. Der Treffpunkt an der Kirche – vor einem Jahr zum ersten Mal genutzt – wird gut angenommen von den Heusenstammern. Etwa 250 Menschen haben sich vor 14 Uhr dort versammelt, um gemeinsam durch die „Unnergasss“ zum Schloss zu ziehen. Mit dem TSV Blasorchester an der Spitze geht es los.

„Die Hände zum Himmel“ lassen die Musiker erklingen, als sie am Schloss eintreffen. Dort warten weitere etwa hundert Menschen bereits auf das Eintreffen des närrischen Heers. In einem geschmückten Wagen, per Mini-Traktor gezogen von Jutta Pape, beziehen Petra Klein von der Feuerwehr, Björn Uhl für die Kirche und Matthias Kilian für die Disharmonie Stellung vor dem Tor zum Schlosshof. Vor ihnen stellen die Funkekanönscher und -makrönscher ihre Bonbon-Kanone auf.

Zur Verteidigung des Schlosses stehen Karl-Heinz Kühnle vom Ordnungsamt und Giovanni Longhitano vom Kulturamt, ebenfalls „bewaffnet“ mit einer Kanone. Im Schloss haben sich Bürgermeister Halil Öztas, Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu mit den ehrenamtlichen Stadträten Elisabeth Ball, Bärbel Horn und Hans Raue verschanzt. Unterstützt werden sie von Musikern der Stadtkapelle.

„Halil mal ehrlich, was geht denn voran, es passiert ja fast nix in Heusestamm“, provoziert Björn Uhl den Verwaltungschef. Doch der Bürgermeister kontert: „Wir haben hier sehr viel getan, wie man durchaus sehen kann.“ „Ja, tagein, tagaus arbeiten wir daran, dass man in Heusenstamm gut leben kann.“ Die „Übermacht“ von Rewe-Märkten kommt genauso zur Sprache wie die Kindergarten-Situation, der fehlende Drogeriemarkt, das sanierungsbedürftige Feuerwehrhaus, der Reiterhof und das Pfarrheim St. Cäcilia. Unterbrochen wird das Duell von Liedern, die alle gemeinsam singen, darunter natürlich das Heusenstamm-Lied.

Dann holen die Fastnachter zum letzten Schlag aus, indem sie daran erinnern, dass in knapp zwei Jahren wieder eine Bürgermeisterwahl ansteht: „Aber Vorsicht, dass du am Ende nicht guckst verdaddert, wenn dann eine Flanke in deinen Strafraum flattert, und deine Mannschaft sich schweigend erhebt, wenn ein Ball im Tor dann hinter der Linie klebt.“

Die Magistratsmitglieder geben auf. Das Tor zum Schlossinnenhof öffnet sich. Auf einer Bühne, die erstmals bei bestem Wetter im strahlenden Sonnenschein steht, werden Schlüssel und Stadtkasse an die Narren-Delegation übergeben. Anschließend gibt es bei Musik Kreppel, Brezeln und Getränke für alle. Gut eine Stunde lang wird noch gefeiert.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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