Fröhlich, farbig und friedlich

Sonne lacht mit Akteuren und Zuschauern des Fastnachtszugs

Viel Stimmung und südamerikanisches Temperament versprühte mit wehenden Röcken die Sportfreundegruppe „Brasil Tropical Carimbó“. 
+
Viel Stimmung und südamerikanisches Temperament versprühte mit wehenden Röcken die Sportfreundegruppe „Brasil Tropical Carimbó“.

Punkt 14 Uhr kommt die Sonne durch und die Mienen hellen sich auf. Gerade noch hat eine Frau am Bahnhof im Nieselregen ihr winziges Hütchen aufgesetzt: „Vielleicht hilft es ja ein bisschen. “ Nur der Fastnachtszug ist noch nicht da.

Jügesheim – „So pünktlich wie die S-Bahn“, witzelt jemand. Ansager Eddy Behrendt im roten Mantel singt Kölner Karnevalslieder rauf und runter.

Der Brezelverkäufer kann gerade noch seinen Karren zur Seite schieben, als das Blaulicht des Zugbeginns sichtbar wird. Dann tönt das Hellau und die Bonbons prasseln. Manche ins Gesicht oder mitten auf den Schädel. Aua! Schonender agieren die Köchinnen der Suppenküche „5 und 2“: Sie drücken manchen Zuschauern ein paar Erdnüsse in die Hand. Ganz umweltfreundlich ohne Folie.

Die Goldfische aus der Burg Schlotterstein.

Neben Kamellen aller Farben und Formen regnet es Gummibärchen, Schlüsselbänder, kleine Bälle und Glückwunschkarten im DIN-A5-Format, aus denen beim Aufklappen eine leise Melodie piepst. Bei erfahrenen Fastnachtern besonders beliebt sind Popcorntüten, weil sie so schön fliegen. Beide Prinzenpaare werfen sie mit vollen Händen ins Volk, als ob es kein Morgen gäbe.

Eher skurril ist das „Wurfmaterial“, das ein Vater einer Kindergruppe an Zuschauer verteilt: kleine Schnapsfläschchen – aber leere.

„Viva Mexico – lebendiger als das Leben“ war das Motto des Motivwagens der „Knallkepp“: ein echter Hingucker mit Totenkopf und Zigarre.

Die Kleinsten sind im Fastnachtszug ganz groß. Sie laufen vorne mit. Sieben Kindergartengruppen sind es diesmal, so viele wie schon lange nicht mehr: Zootiere, Goldfische, Dalmatiner, Schmetterlinge , bunt bekleckste Maler, aber auch eine Mottogruppe „Alice im Wunderland“.

Bunte Fußgruppen sind ein Markenzeichen des Giesemer Umzugs. Bei den großen Vereinen gibt es ein Wiedersehen mit den schönsten Motiven der Sitzungsfastnacht. Andere Gruppen kleiden sich eigens für diesen Anlass ein: viel liebevolle Arbeit für zwei Stunden Fastnachtszug.

Die Kita Nordring („101 Dalmatiner“) hatte auch einen echten Vierbeiner dabei.

Seit 44 Jahren dabei und so frisch wie eh und je: Die JSK-Gruppe Konni Walter überzeugt mit ausgefallenen Kostümen, diesmal als Perlen in der Muschel. Die blauen Muscheln sind zweckentfremdete Sandkästen für Kleinkinder. Auf diese Idee muss man erst mal kommen.

Wie immer ein Hingucker: die Übriggebliebenen der Fußgruppe Hilge aus Hainhausen in ihren aufwendigen Kostümen, diesmal als „Die Schöne und das Biest“.

Zu den vielen Facetten des Fastnachtszugs zählen die wuselnden Kätzchen der Sportfreunde, strahlend lächelnde Gardetänzerinnen und die Affenbande der Tanzgruppe Taktlos – einer der Affen trägt seinen schlafenden Nachwuchs auf dem Rücken.

Die JSK-Gruppe Konni Walter.

„Viva Mexico – lebendiger als das Leben“ ist das Motto des RCC Knallkepp: ein riesiger Totenschädel auf Rädern, gefolgt von wandelnden Skeletten. Lebensfreude aus Brasilien vermitteln Frauen der Sportfreunde, die ihre weiten Röcke schwingen lassen. Dazu passen später im Zug die mitreißenden Sambarhythmen des TGS-Musikcorps aus Seligenstadt.

„Alles friedlich“ meldet die Polizei nach zwei Stunden. Das ist in diesen Tagen nicht selbstverständlich. Am Vormittag haben Polizei und Ordnungsbehörde noch einmal über das Sicherheitskonzept beraten, nachdem am Rosenmontag in Volkmarsen ein Auto gezielt in eine Zuschauergruppe gefahren war. Von der zusätzlichen Polizeipräsenz in Jügesheim bekommen die Feiernden am Straßenrand nichts mit. An ausgewählten Stellen im Ort stehen Lastwagen als Schutz quer auf der Fahrbahn. Bürgermeister Jürgen Hoffmann: „Das machen wir schon seit Jahren.“

VON EKKEHARD WOLF

Fotogalerie:

op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare