Stadtkasse samt Stadtschlüssel erobert

Kanonendonner vorm Schloss: Hanauer Narren stürmen Philippsruhe

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Mit Gewehrsalven und Kanonenschüssen untermauerte das Husarenkorps gestern die Forderungen der karnavalistischen Angreifer vor Schloss Philippsruhe.

Hanau - Es war ein schwieriger Angriff, den die Hanauer Nartren am Sonntag starteten, um die Macht in der Brüder-Grimm-Stadt zu erobern. Die Karnevalisten mussten nicht nur gegen die Verteidiger um OB Claus Kaminsky kämpfen, sondern auch gegen das kalte Regenwetter. Von Dieter Kogel

Aber sie ließen sich nicht aufhalten. Die vereinigten Hanauer Narren haben nicht nur Schloss Philippsruhe erstürmt, sondern auch die Stadtkasse samt Stadtschlüssel fürs Rathaus erobert. Bis Aschermittwoch, so versprachen die Karnevalisten, werden nun Frohsinn und gute Laune herrschen.

Um 11.11 Uhr marschierten gestern bunt gewandete Gruppen zum traditionellen Sturm auf Schloss Philippsruhe auf, nachdem das Husarenkorps mit gewaltigen Böllerschüssen das Goldene Tor aufgesprengt hatte. Auge in Auge mit dem Magistrat um Oberbürgermeister Claus Kaminsky lieferten sich die widerstreitenden Parteien zunächst heftige Wortgefechte, auf karnevalistischer Seite angeführt von Anni Gast von den Lustische Geeleriewe. Die Vorsitzende des Karnevalsvereins war sich ohnehin sicher, dass die Verteidiger gegen die Frauen-Power ziemlich bald das Handtuch werfen würden, zumal in diesem Jahr die städtischen Vertreter ihre strategisch günstige Position auf dem Schlossbalkon aufgegeben und gegen den Standort vor dem Eingang getauscht hatten. Dort waren OB, Magistratsvertreter und Ortsbeiräte zumindest vor dem Regen sicher, der das Erstürmungsritual pausenlos begleitete.

Bilder: Hanauer Narren stürmen Schloss Philippsruhe

Anni Gast forderte den Magistrat mehrfach zur friedlichen Übergabe von Kasse und Stadtschlüssel heraus - wohl wissend, dass „die Kasse leer ist.“ Dem widersprach der Rathauschef energisch, der schon Goldmünzen in der Kasse blinken sieht, falls das seit Jahren im Museum hängende Bild „Susanna und die beiden Alten“ tatsächlich vom weltberühmten Maler Peter Paul Rubens stammen sollte. Ein Wechsel auf eine finanziell eher unsichere Zukunft, wie die Karnevalisten befanden. Sie lockten die Rathaus-Mitarbeiter mit glänzenden Arbeitsbedingungen für die nächsten Wochen: Statt Akten abstauben seien Tanz, Schunkeln, Gesang und gute Laune angesagt, versicherte Anni Gast. Es war eines der Angebote zur friedlichen Übergabe, das jedoch vom Husarenkorps mit bedrohlichen Salven unterstrichen wurde. Selbst aus einer kleinen Kanone wurde gefeuert. Und schließlich setzte die karnevalistische Übermacht auch noch ihre Luftwaffe ein: Unzählige bunte Luftballons, die in den Himmel entschwebten und einen versöhnlichen Weg für eine friedliche Kapitulation des Magistrats eröffneten.

Was folgte, war die feierliche Übergabe des Stadtschlüssels und der Stadtkasse mit Ordenstausch und Küsschen an das Hanauer Prinzenpaar Thomas IV. und Nicole I. Nachschlüssel in kleinerer Ausführung erhielten natürlich auch alle anderen Prinzenpaare aus der Hand von Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck und Oberbürgermeister Kaminsky, die ihre vorübergehende Entmachtung mit Würde trugen und zu einem Umtrunk einluden.

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