51 Zugnummern

Kappenfahrt in Bürgel: Party mit Schirm und Poncho

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Spaß haben die Narren bei der Kappenfahrt in Bürgel.

Burgilla - Es ist schon etwas ärgerlich: Pünktlich mit der Berjeler Kappenfahrt beginnt auch der Regen. Erst tröpfelt’s nur, dann gießt’s. Aber sowohl die marschierenden als auch die am Wegesrand stehenden Narren machen das Beste draus. Von Sarah Neder

Schirm raus, Regenponcho an und stets ein donnerndes „Gut Stuss? Ahoi!“ auf den Lippen. So wehrt man sich im östlichen Stadtteil Offenbachs gegen mieses Wetter. Für passende Fastnachtsstimmung trotz der Regengüsse sorgt sofort die Offenbacher Stadtgarde. Rhythmische Trommelschläge der Icebreakers fordern zum Tänzchen auf. Melodischer musiziert der Spielmanns- und Musikzug aus Frankfurt und stimmt während eines kleinen Paradenstaus den Doris-Day-Klassiker „Que Sera Sera“ an.

Da können auch die als Frau Holle verkleideten Gymnastikdamen des Wassersportvereins Offenbach nicht die Füße still halten und drehen ein paar Walzerrunden auf dem Asphalt. 51 Zugnummern haben ihren Marsch von der Seestraße aus gestartet. Kleine und große Vereine und Gruppen aus der Region laufen mit und bringen eifrig Süßes unters Narrenvolk. Wie immer sammeln Eltern und Großeltern für Kinder und Enkel mit.

Aber manches, was da auf den Bordstein fliegt, gefällt den Kleinen nicht: „Pickelcreme?“, fragt ein als Eisbär kostümierter Junge ungläubig seine Oma, die das Tübchen flink einsteckt. Junge und alte Zuschauer sind etwa von den mit goldener Folie bezogenen Stern-Kostüme der Frauen von Sankt Pankratius begeistert. Auch die Mitglieder der SG Wiking haben sich ins Zeug gelegt: Passend zum Vereinsnamen haben sie sich in langhaarige Barbaren und ihren Wagen in ein nordisches Langboot verwandelt.

Die Fastnachter des Vespa-Clubs zeigen sich stolz, dass die Kinderprinzessin Vanessa I. aus ihren Reihen kommt, und tragen den Spruch „Wir sind Prinzessin“ als Schärpe überm royalen Gewand.

Eine Botschaft an die lokale Politik bringen die Kicker der SKG Rumpenheim mit: „Ein Kunstrasenplatz, das wäre toll, denn im Winter auf dem Hartplatz ist es grauenvoll“, steht auf den Plakaten. Die geforderte Plastikwiese haben sich die Fußballer für den Umzug an die Stirn geheftet.

Allen voran gute Stimmung verbreiten die vielen Mitglieder der Berjeler Ranzegard’. Das junge Prinzenpaar wird mit zwei PS durch die Gassen kutschiert, der Traktor, der den Wagen der Raga-Elfer befördert dürfte ein bisschen mehr Zug drauf haben. Die Raga-Jugend ist auf einem ballonbehangenen Motivwagen unterwegs, die Raga-Frauen heizen zu Fuß die Stimmung mit zahllosem „Gut Stuss? Ahoi!“ an.

Kappenfahrt in Burgilla: Bilder

Eine weiteres Original des Stadtteils ist Charly Engert alias Bodo, der auf einem schwarzen Plastikgaul durch den Regen reitet. Manchem Zuschauer erscheint es, als ob die Narren etwas schneller als sonst marschierten. „Der Zug hat sich heute beeilt“, sagt eine Närrin amüsiert. Bei dem auch noch am Nachmittag anhaltenden Hundewetter nimmt das den Teilnehmern aber sicher kein zuguckender Fastnachtsfreund übel.

Die Kappenfahrt 2016 wird wegen Sturms abgeblasen, beim Umzug gestern regnet es ohne Unterlass – der Wettergott will es einfach nicht gut meinen mit den Berjeler Narren. Doch die entgegnen tapfer: „Gut Stuss? Ahoi!“

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