Karnevalisten der Turngemeinde

Vom Kiosk in den Knast

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Willkommen am Wasserhäuschen: Die „Muckelchen“ ließen vom viel gepriesenen medizinischen Kompetenzzentrum nur ein voll digitalisiertes Kiosk übrig.

Nieder-Roden – Die Fastnachter der Turngemeinde ließen bei zwei Fremdensitzungen ihre Muskelchen – pardon: ihre „Muckelchen“ – spielen. Von Michael Löw

Daniel Martin-Hausner, Marcus Seitel, Daniel Wade und Frank Schüler hatten das viel gepriesene, aber nie realisierte medizinische Kompetenzzentrum okkupiert. Immerhin: Das dauerdurstige Quartett durfte vor einem „Multi-Channel-Digital-Wasserhäusje“, einem Kiosk mit Gratis-WLAN, Facebook, Twitter und Alexa, Chaos verbreiten. Die Trinkhallen-Crew war Dauergast im Programm und läutete zu guter Letzt die Premiere des neuen Männerballetts ein. Trainerin Francine Olschewsky hatte die „Asynchronitas“ als sexy Stewardessen und stramme Piloten nach Nieder-Roden eingeflogen.

Präsident Peter Wade führte durch ein Fast-fünf-Stunden-Programm, das sich hören und noch mehr sehen lassen konnte. Stolz machte ihn die Tatsache, dass die ungefähr 7x11 Aktiven – alle Gruppen und Solisten aufzuzählen würde diesen Artikel sprengen – praktisch alle aus dem eigenen Verein kamen.

Balletttrainerin Olschewsky ist garantiert Rodgaus hübscheste Protokollerin. Ob ein närrischer Jahresrückblick den Vergleich zwischen Anschlägen mit und ohne IS-Beteiligung braucht, sei einmal dahingestellt. Aber unter der Maxime „Think positiv“ gewann Francine Olschewsky dem Brand am Badesee eine gute Seite ab und machte „es Helensche zu einer von uns“. Die Eppertshäuser Seitel-Familie, in die sich Helene Fischer hineingeliebt hat, hat auch Beziehungen zur TGN.

Bilder: Fremdensitzung der TG Nieder-Roden

Zweifach-Mutter Jenny Rosky genoss das Wäsche-Falten als einzigen Ruhepol im Eltern-Wahnsinn. Kein Wunder, wenn das vierjährige Töchterlein unbedingt das Dornröschen-Kleid zur Matschhose anziehen will.

Florian Lebherz, Trainer der TG-Handballdamen, schlüpfte wieder in den Faltenrock des „Fräulein Kokolores“. Das ist närrische 111 Jahre jung und gab so mache Lebensweisheit zum Besten. Nicht immer jugendfrei oder seniorengerecht und mit etlichen „Uiuiuis“ bedacht, aber herrlich komisch. Lebherz ist auch in der Seligenstädter Fastnacht verwurzelt.

Andreas Kraus war der zweite auswärtige Redner des Abends und hätte beinahe seinen Einsatz verpasst. Er habe verschlafen und sei so schnell wie nie im Leben nach Nieder-Roden gefahren. Passend sein Thema: Stau.

Die TGN hat viele Gesangs- und Tanzgruppen in ihren Reihen, die längst nicht nur bei eigenen Veranstaltungen auftreten. Die „Alte Garde“ zog"s mit „falsch“ verstandenen Liedern auf den Wochenmarkt. Die von Amelie Bückner stimmlich in Topform gebrachten „Golden Merwes“ trugen einen Sängerinnenkrieg zwischen Pop und Schlagern aus.

Bilder: Närrisches Treiben beim Nachtumzug in Rodgau-Jügesheim

Kindergarde und Rot-Weiß-Garde tanzten zum Auftakt in klassischer Fastnachtsuniform. Die tauschten die großen Mädels später gegen den orangefarbenen Overall amerikanischer Sträflinge. Trainerin Andrea Vay hatte sie nämlich hinter Gitter geschickt. Julia Spahn ging mit den „Habaneros“ auf Dschungel-Tour.

Ein Hingucker, den das Publikum nur schemenhaft erblickte, waren die „Grown ups“. In ihrer Schwarzlicht-Strip-Show fiel sogar der BH, und trotzdem gab"s keine nackten Busen zu sehen.

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