Karnevalsgesellschaft Sonnau feiert Eröffnungssause

Wo ein Narr keinen Stuhl braucht

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Sonst stehen sie selbst singend auf der Bühne, die Frauen der Stereotones. Heute intonieren sie im Publikum „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ und andere Lieder von Roy Hammer mit.

Mühlheim - Neue Wege kennt sie ja, die Karnevalsgesellschaft Sonnau: Zum Startschuss der ersehnten Fastnacht gab es in der Willy-Brandt-Halle mit „Roy Hammer & die Pralinées“ die Opening-Party der Kampagne. Von Stefan Mangold

Karl-Christian Schelzke wirkt tiefenentspannt, bevor es losgeht. Der Sonnau-Vorsitzende erzählt, morgens habe er in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes schon fast im Büttenredner-Modus referiert, als es vor einem Auditorium in Aßlar bei Wetzlar darum ging, die Politik der Landesregierung zu bilanzieren.

Da wusste der Sonnau-Chef bereits: Im finanziellen Desaster würde wenigstens die Karnevalskampagne am Abend nicht enden. Im Vorverkauf gingen 276 Karten über den Tisch, an der Abendkasse standen auch noch Willige. Das heißt, bei 208 Stühlen muss sich der Rest auf den Beinen halten. Kein Problem, „die meisten kommen sowieso zum Hübbe“, lacht Gerd Noll. Sonnaus Vize-Vorsitzender hat recht. Als Roy Hammer & die Pralinées die ersten Takte anschlagen, braucht es keine Anlaufzeit, um das Publikum in Stimmung zu bringen.

Trotz des illustren Erscheinungsbilds des Bandleaders, zu dessen Markenzeichen die dezent groteske Melone gehört, trotz aller entspannten Partylaune, für die Hammer und seine fünf Pralinées stehen, handelt es sich bei der Band um Profis, um glänzende Unterhaltungsmusiker, die stets eine Fangemeinde mit sich ziehen.

Damit argumentierte Öffentlichkeitsmann Stephan Mündelein, von dem die Vereinskollegen behaupten, „der Stephan, der kennt halb Frankfurt“. Roy Hammer kennt er auf alle Fälle, „was uns bei dessen Gage natürlich nicht helfen konnte“, bemerkt Mündelein. Sein Vorschlag habe auch Skepsis verursacht. „Da kommen doch nur 20 Leute“, lautete die Befürchtung, der Konkurrenz von parallel verlaufenden Karnevalsgeschichten nicht gewachsen zu sein. Mündelein beruhigte: „Alleine die Band wird schon viele ziehen.“ Dennoch, ohne die Sponsoren, deren Namen parallel zum Konzert über eine Leinwand laufen, wären Hallenmiete und Gagen nicht zu stemmen. Ohne ehrenamtliche Helfer sowieso nicht.

Ulla Essing und Eleonore Blöcher verkaufen etwa die Wertmarken, für die es Getränke und Essen gibt. Ismail Kabri schmiert die Brötchen. Der 30-jährige Syrer landete vor drei Jahren auf der Flucht in Mühlheim. Längst arbeitet der gelernte Hotelkaufmann im Frankfurter Interkontinental und lebt auch in der Stadt. Mühlheim fühlt er sich nach wie vor verbunden.

An der Kasse sitzt Gabi Mollbach, die von sich sagt, „ein bisschen aufgeregt bin ich schon“. Das hängt mit ihrer Inthronisierung zur Sonnau-Ritterin am nächsten Tag zusammen (Bericht folgt).

Dass die Fastnachtsvereine in Mühlheim zusammen stehen, beweist nicht nur die Präsenz von einem wie Wolfgang Kramwinkel, dem Sitzungspräsident der Kolpingfamilie Dietesheim. Auch die „Stereotones“ brauchen keine Stühle. Im Gemeindesaal von St. Sebastian gelten die Dietesheimer Frauen als musikalischer Höhepunkt der Kolpingsitzung. Sie singen bei der Sonnau im Publikum mit, als Bandfrau Trude Blume einen Klassiker von Hildegard Knef intoniert: „Für mich soll’s rote Rosen regnen.“

Bilder der Finsternacht in Mühlheim

In der Pause tritt Boris Meinzer auf, FFH-Hörern als „Dummfrager“ bekannt. Er spielt Sequenzen aus Interviews auf der Zeil vor. Da tippt eine Frau auf die Frage, an welchem Fluss Frankfurt am Main liege, auf die Elbe. Das tut weh, das tut gut. Der Dummfrager bittet eine Dame, den Sachverhalt zu kommentieren, „dass auf Campingplätzen Heringe in den Boden geschlagen werden“. In der Stellungnahme spiegelt sich moralisches Entsetzen: „Des soll ma net mache, des ist Tierquälerei.“

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