Hoher Gefährdung durch Terror aus

Keine ruhige Fastnacht für Beamte

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Fahrverbote, mobile Zufahrtssperren, Personenkontrollen, Glasverbote: Mit zahlreichen Maßnahmen und verstärktem Personaleinsatz bereiten sich Behörden und Veranstalter auf die bevorstehenden Straßenumzüge zum Höhepunkt der Fastnachtssaison vor.

Frankfurt - Damit die Hessen friedlich ihre Straßenfastnacht feiern können, ist viel Arbeit im Hintergrund nötig. Das betrifft vor allem die Polizei, aber auch die privaten Organisatoren der Züge.

Wegen immer größerer Vorkehrungen sieht da so mancher die Grenze des Machbaren erreicht. Jubel, Trubel, Heiterkeit: Das macht Arbeit, viel Arbeit sogar. Wenn Zehntausende Hessen zum Höhepunkt der tollen Tage zu den Fastnachtsumzügen strömen und schunkelnd in den Straßen feiern, sorgen im Hintergrund Heerscharen von Polizisten, privaten Sicherheitsleuten und ehrenamtlichen Helfern für die Sicherheit.

Egal ob auf dem flachen Land oder in der Metropole: Das Augenmerk der Verantwortlichen richtet sich beim Thema Sicherheit auf zwei Schwerpunkte. Zum einen müssen sie mit Blick auf die mögliche Gefahr von Terroranschlägen Vorkehrungen treffen. Zum anderen gilt es, sich auf Delikte einzustellen, die beim Straßenkarneval vielleicht noch häufiger als bei anderen Massenveranstaltungen für Ärger sorgen: Dass Betrunkene die Fäuste fliegen lassen oder zum Messer greifen, Langfinger in fremde Taschen greifen oder sexuelle Angreifer sich Opfer suchen.

So rüstet sich etwa die Frankfurter Polizei mit einem verstärkten Aufgebot für den großen Umzug am Fastnachtssonntag. Genaue Zahlen will sie nicht nennen. Klar ist: Es werden viele Beamte unterwegs sein, auch in Zivil. Mit Alkohol- und Drogenkontrollen sollen mögliche Störenfriede schon im Vorfeld erkannt werden.

Bei der Sicherung vor etwaigen Anschlägen mit Lkw setzt man in Frankfurt wie auch in Wiesbaden verstärkt auf mobile Zufahrtssperren, sprich Busse und Lkw, an neuralgischen Punkten. „Die passen besser in das tägliche Bild des Straßenverkehrs“ als Betonpoller, erklärt eine Polizeisprecherin. Bei den Karnevalsumzügen vor einem Jahr – nur wenige Woche nach dem Terroranschlag mit einem Lkw in Berlin – waren vielerorts Betonsperren aufgestellt worden.

Mobile Sperren haben zudem den Vorteil, dass sie notfalls schnell zur Seite gefahren und damit den Weg für Rettungsfahrzeuge frei machen können, erklärt Markus Hoffmann vom Polizeipräsidium Wiesbaden. In der Landeshauptstadt gilt wie schon 2017 zum Fastnachtszug am Sonntag in Teilen der Innenstadt ein Fahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen.

In Seligenstadt ist der Rosenmontag der höchste Feiertag im Jahr. Der Umzug durch die Fachwerkstadt lockt viele Besucher aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet an. Und der Blick auf die rund 21.000 Einwohner zählende Karnevalshochburg zeigt exemplarisch, wie sehr die geänderte Sicherheitslage nicht nur von der Polizei, sondern auch von den Organisatoren der Straßenumzüge ihren Tribut verlangt. Auch für sie werden die Sicherheitsanforderungen immer größer.

„Der Aufwand ist fast nicht mehr stemmbar. Wir sind an einer Grenze angelangt“, klagt Richard Biegel vom Heimatbund Seligenstadt. „Wir sind ein werbefreier Zug“, erklärt er. Der riesige Aufwand, den die Organisatoren treiben, wird von den sogenannten Zugplaketten finanziert, die an den Einlässen zu vier Euro an die Besucher verkauft werden. Die Organisatoren müssen sich um viele Dinge kümmern, unter anderem um eine zentrale Ambulanzstelle, die Bereitstellung von drei Notärzten, 20 Feldbetten und zwei Hubschrauberlandeplätzen.

„Zunächst hatten wir 40 Security-Mitarbeiter, später waren es 60 und jetzt sind wir bei 100 angelangt“, berichtet Biegel. Diese kümmern sich auch um die Durchsetzung des Glasverbots. Dazu sollen Poller an den Haupteinfahrtsstraßen für zusätzlichen Schutz sorgen. Auf 60 Seiten ist das Sicherheitskonzept angewachsen, das der Heimatbund dem Kreis Offenbach vorlegen musste.

Bilder: Wagenbauer in Seligenstadt

In Dieburg, ebenfalls eine Fastnachtshochburg, wird die Polizei beim Umzug am Faschingsdienstag mit uniformierten und zivilen Einsatzkräften auftreten, unterstützt von Beamten der Bereitschaftspolizei. Die großen Zugangsstraßen werden von der Feuerwehr mit quer stehenden Einsatzfahrzeugen abgesperrt. Es erfolgen stichprobenartige Kontrollen.

Während der Umzüge am Samstag und Sonntag in Hanau sollen Stadtpolizei und und Beamte des Polizeipräsidiums Südosthessen für mehr Sicherheit sorgen. Sogenannte Präsenzstreifen, erkennbar an ihrer gelb-leuchtenden Aufschrift auf den Uniformen, dienen den Umzugsteilnehmern als Ansprechpartner. Zum Teil sind die Beamten auch mit Kameras, sogenannten Bodycams, ausgerüstet. (dpa/soh)

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