Humor macht schön

Kreppelkaffee: 70 Jahre Fastnacht für Frauen von Frauen

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Originelle Pappkostüme zum Umklappen begeistern die Damen im Publikum.

Nieder-Roden – Es ist schon sagenhaft, was die Kreppelkaffeefrauen da auf die Beine stellen: Mit verblüffend originellen Kostümen, einem abwechslungsreichen Programm und einem gut gelaunten und fantastisch verkleideten Publikum (vom Bademantel plus Lockenwickler übers blaue Krümelmonster bis zu den „Flamingo-Damen“) kann im Bürgerhaus Nieder-Roden fast nichts schief gehen. Von Simone Weil

Kaum zu glauben, dass es die Veranstaltung von Frauen für Frauen seit 70 Jahren (!) gibt. Im „Wellnesshotel Kreppelinsky“ reisen elegante Damen an: Hauptsache, sie können einen Autoschlüssel an die Pagen übergeben – auch wenn sie nur mit Bobbycars angerollt sind. Präsidentin Nathalie Sander begrüßt gut gelaunt und führt souverän durch den vergnüglichen Abend. Sie plädiert für „Schönheit von innen durch Humor“.

Als junge Mutter übernimmt Alisa Rebmann-Müller die Büttenrede des Protokollers: Die traurige WM 2018 und schlimmste Attacken auf die Pressefreiheit sind nur einige ihrer heißen Themen. Für den amerikanischen Präsidenten Trump hat sie einen guten Rat parat: Er solle doch eine Mauer um sich selbst bauen, das wäre am sichersten.

Es lebe der Flamingo: Die Damen haben viele pinkfarbene Accessoires zusammengetragen.

Die „Dollbohrer“ begeistern mit ihrem Handtuchtanz zu schmissigen Brahms-Klängen. Auch die Kreppelmädels mit ihren glitzernden Kleidchen bewegen sich gekonnt. Und die Tanzgruppe Kerstin zeigt, was alles in einem Hotelzimmer los ist. Den Vogel aber schießen „Die Bunt Gemischte“ mit ihren furiosen Umklapp-Kostümen aus Pappe ab: eben war noch Schwanensee, dann kommt ein Samba und die bunten Harlekine verwandeln sich in reitende Cowboys.

Witzig sind auch die Zwiegespräche: Im Reisebüro versuchen Mutter und Tochter Rita Pfeiffer und Sabine Follmann, ein Reiseziel zu finden: Der Schwarzwald sei zu schwarz und mit ihren Diesel-Jeans dürfe sie nicht mehr in die Innenstadt, meint die ältere Dame.

Die Verkaufsveranstaltung von Melanie Wörner-Föhrig und Alisa Rebmann-Müller mit ihrem Livegesang kommt bei den Frauen gut an. Schließlich geht es bei ihnen um alles, was das Herz der Damen begehrt.

Die Bedienungen, die seit 25 Jahren im Bürgerhaus für das Wohl der Gäste sorgen, können ein Lied von ihrer Arbeit singen: Und das tun Rosi Bergmann und Friends auch. Nicht minder wichtig sind die fleißigen Bienen im Hintergrund eines Luxus-Hotels unter dem Motto „Mir kriege alles sauber“: Der „Zsammegewürfelte Haufe“ geht mit Waschmittelepackungen und Spülmittelflaschen und Drumstick auf die Bühne, um furios instrumentiert vom Los der Wäscherinnen zu singen.

Frauenfastnacht beim Kreppelkaffee in Nieder-Roden: Bilder

Elke Spahn wäre froh, sie könnte im Haushalt endlich das Zepter wieder übernehmen: Denn Mann und Söhne haben ihr mit einem guten Vorsatz fürs neue Jahr das Leben zur Hölle gemacht. Beim Einkauf rufen sie dauernd fragend an, weil sie nicht wissen, was gebraucht wird und verwandeln das Haus nach und nach in ein Horrorkabinett und den Keller in ein Warenlager für ihre überflüssigen Einkäufe.

Anja Werner und Bettina Hartmann als Sannsche und Magreda lassen sich über moderne Erfindungen wie Handy und Internet aus. Sannsche kontert gelassen: Sie sei schon lange für 1, 50 Mark mobil. So viel koste das 20-Meter-Kabel, das man bei der Telekom dazu mieten konnte.

Phänomenal als Kakerlaken verkleidet, geleiten Melanie Wörner-Förtig und Daniela Piplak zur Melodie von „La Cucaracha“ ins Finale, bei dem sich alle Beteiligten noch einmal auf der Bühne präsentieren, um sich schließlich zu verabschieden.

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