Wo Rollatoren die Gäste zum Toben bringen

KSV-Sitzung in Urberach: Besucher kreischen vor Vergnügen

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Strauss meets Orwischer Orchestra: das (Luft-)Pumpenorchester, vorgetragen von den Montagsfrauen begeisterte die Zuschauer. Mit einer unschlagbaren Dirigentin Ursula Kaufmann war Klassik wohl selten so lebensfroh und leidenschaftlich wiedergegeben worden.

Urberach - Die beiden Fremdensitzungen des KSV Urberach haben wieder einmal deutlich gemacht: Der KSV braucht keine fremden Gäste – er ist so im Ort verwurzelt, dass er sowohl bei den Bühnenkünstlern wie bei den Themen aus dem Vollen schöpfen kann. Von Christine Ziesecke

Das zeigt sich schon beim Elferrat, der längst aus den orangefarbenen Nähten geplatzt ist und schon wieder mit Thomas Bender, Ronny Hain, Michel Kruse und Michael Wernert vier neue Mitglieder hat. Einzig „Vadder un Sohn“ Maik Behrmann und Bernd Kosselek sind wieder vom BSC herübergeschneit, ansonsten kam nur eine wunderbare Trude Herr alias Dirk Thomaka aus Langen zu Besuch. Der Rest stammt aus KSV-Kreisen und das längst in mehreren Generationen wie etwa Ute Steiger mit ihrer Tochter Nadesh als Kundin im Bäckereifachgeschäft beweisen. Fast überall wachsen die Kinder ins Fastnachtstreiben nach – es muss sehr viel Spaß machen.

Ganz vereinsintern und Orwisch-lokal gab sich schon Bastian Lamprecht beim Protokoll: Sportliche Vorbereitung der Elfer auf die Kampagne und Hindernisse im Orwischer Straßen- wie auch Daten- und Telefonverkehr standen weit vor den restlichen Themen von Trump bis Merkel. Den amerikanischen Präsidenten hatte sich auch dessen Sekretärin Chrismegan Lotz vorgeknöpft, während Helga Maaß-Bender und Claudia Bahnen mehr als Mutter und Tochter launig ihre Generationenkonflikte austrugen. Fastnachtspossen hatten sich die Elfer ausgedacht und dabei ihren Präsidenten Lars Löbig zu Testzwecken missbraucht, und freilich gab es auch in diesem Jahr zwei neue Teile der wunderbaren Playbackshow vieler KSV-Narren, die von Sebastian Popp moderiert wurde. Zwischen Wort und Gesang fehlte es auch nicht an Tanz: sowohl die eigene Mini-Garde wie auch die „Großen“, die Red Diamonds und die Garde Team Red ließen nicht nur Männeraugen strahlen; auch das neu zusammengefundene und sich selbst trainierende Tanzmariechen-Duo Nadesh Steiger und Lisa Mittelstaedt verstärkt die KSV-Kampagne äußerst positiv. Schon lange ein Inbegriff origineller Tänze: die Ladykracher, die das Orwischer Oktoberfest auf die Bühne beschworen.

Und doch gibt es zwischen all dem herrlich Vergnüglichen alle Jahre einige ganz besondere Schmankerl, die meist wegen ihrer außergewöhnlichen Darbietung das Publikum kreischen und toben lassen. In diesem Jahr waren das wohl vor allem vier Beiträge der KSV-Sitzung, so etwa die Schwarzlicht-Trommelshow einiger Elferräte, die Andreas Inguanta vom ebenfalls auftretenden Spirit of Music mit leuchtenden Trommelstöcken und großen Fässern einstudiert hatte. Ebenfalls ganz im Dunkeln ging es mit den „verrückten Hinkeln“ weiter, die zu packender Musik am Körper ihrer ganz in Schwarz gekleideten Trägerinnen über die Bühne tobten. Im Kollektiv selbst einstudiert hatten auch die Montagsfrauen ihren aktuellen Beitrag: „Strauss meets Orwischer Orchestra“ war einfach wunderbar. Mit Luftpumpen und einer unschlagbaren Dirigentin Ursula Kaufmann war Klassik wohl selten so lebensfroh und leidenschaftlich wiedergegeben worden.

Bilder: Sitzung in Urberach

Für den letzten Höhepunkt sorgte wieder einmal das Dippehäuser Hofballett: Mit Gehstöcken und Rollatoren, Hausschlappen und Kopftüchern kam die Truppe als Orwischer Urgesteine auf die Bühne gehinkt: Honig im Kopf, aber den absoluten Schwung in der Hüfte! Es war zum Tränenlachen komisch, wobei es auch fast noch Tränen gab zu guter Letzt, als Ralf Jungermann, der langjährige Trainer der Truppe, die schon mal einen Pokal eingetanzt hat, verabschiedet wurde: stilecht mit einem Holzbrett mit Nagel, an das er seine Tanzschuhe hängen kann.

Närrisch weiter geht’s beim KSV am Samstag, 3. Februar, um 15.11 Uhr mit dem KiMaBa, dem Kindermaskenball, und der Faschingsparty der Gymnastikfrauen am Samstag, 10. Februar, ab 20.11 Uhr. Höhepunkt wird der Orwischer Rosenmontagszug, der sich am 12. Februar ab 14.33 Uhr durch den Ort schlängelt.

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