Frohsinn auf de’ Gass’

Lämmerspieler Narren trotzen Wetter und feiern mit „Helau gegen rechts“

Feiern um die Wette: Die „Bierkönige“ von der Soma sowie Christian I. und Stefanie II. grüßen die Besucher.
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Feiern um die Wette: Die „Bierkönige“ von der Soma sowie Christian I. und Stefanie II. grüßen die Besucher.

„54. “ Das ist die Anzahl der Nummern, die der Lämmerspieler Fastnachtszug hat. Immer. Aber diesmal waren auch alle Plätze besetzt, erklärte Georg „Schorsch“ Fischer von den Ortsvereinen das System.

Lämmerspiel - 161, das ist Summe aller Narren, die allein die „Elf Babbscher“ aus Obertshausen auf die Straße gebracht haben – die größte Gruppe. Und 30 Jahre steht die Band Chic um den Hausener Musiker Norbert Heil mit Schlagersänger Oliver Dillen im Hof der Schellennarren Inge und Volker Jäger. Diesmal begrüßte sie zusammen mit LCV-Hexe Holger Maue die Gruppen.

Petrus – oder wie heißt dieser Patron der Lämmerspieler noch mal, der nebenher das Wetter macht? Da ist doch wochenlang kein Sonnenstrahl zu erkennen, aber wenn der Zugmarschall die Mühlheimer Straße herunterrollt, blinzeln sie verstohlen hinter grauen Wolken hervor. Und zwar bis zum letzten Helau vor der TSV-Halle, wo der Carneval-Verein seinen Stand über die ganze Straße führt.

Am Rosenmontag kursierten Gerüchte, das die Landesregierung nach der Amokfahrt von Volkmarsen den Attentätern klein beigeben will und die Straßenfastnacht verbieten werde. Die Entscheidung haben sie klugerweise den Veranstaltern überlassen, und die zeigten in Lämmerspiel, dass sie sich die größte Gaudi im Jahr nicht von zweifelhaften Gestalten nehmen lassen. Im Gegenteil: Mit mehr Teilnehmern als sonst aus dem geschundenen Hanau verbreitete der närrische Lindwurm rundum „Frohsinn auf de’ Gass’ und aufm Gehsteig“.

Fluchtpunkte in dem vergnüglichen Zug bildeten die Wagen mit den Tollitäten. Die Regenten aus der Mühlenstadt und aus Obertshausen verbreiteten mit viel Charisma und Begeisterung gute Laune. Auch das Kinderprinzenpaar und sein Anhang waren so richtig „gut druff“, sangen und tanzten auf ihrem beflaggten Pritschenwagen. Die Lämmerspieler Version der Freiluft-Fastnacht lebt aber vor allem in ihren Fußgruppen.

Die Schellennarren, auf diese Form der Narretei spezialisiert, ließ diesmal einen Derwisch mit Wunderlampe auf einem Teppich schweben. Vor dem dekorierten Wagen tanzten die Fastnachter in orientalischen Gewändern. Die LCV-Blumenmädchen beeindruckten am Vortag bereits die Mühlheimer. Ebenfalls Damen waren es, die mit Wolken und Regenbogen durch die Atmosphäre schwebten. Das Schicksal trieb die „kesse Staanemer Mädche’“ im Zigeunerrock her. 

„Wir sind Vielfalt“, bekannten die E-Junioren der Teutonia Hausen, und „Vielfalt ist cool“. Die jungen Kicker trugen Wappen der Länder auf der Brust, in denen sie Wurzeln hegen. Zur Männerwelt gehört freilich „das wahre Lämmerspieler Dreigestirn“ von den Hobbyfußballern des FC Alkohol. Die „Fäntästic Läms“ ersetzten in aufwendiger Maskerade und mit Gondel den venezianischen Karneval, der gemischte OFC-Fanclub feierte 50 Jahre Pokalsieg, ganz in rot.

Das war auch die Farbe des spanischen Elternvereins aus Obertshausen, der einen auf dicke Hose machte und (unechte) Dollarnoten verteilte. Das Blasorchester der TGS Hausen brachte im Poncho und vom Wagen Livemusik, während die 1. Deutsche Marching Band „The Sound Of Frankfurt“ natürlich marschierte. Die LCV-Mädels kamen in Skikleidung daher, die Babbscher mit einem spektakulären Fahnenmeer und ihrem Motto „1011 Nächte“ folgend ebenfalls mit Tänzern auf „fliegenden Teppichen“.

Die Kinderfeuerwehr dankte mit bunten Ballons und Clownskostümen der Stadt für den eigenen Raum im Feuerwehrhaus, Mädchen der Kolpinggarden aus Dietesheim gewandeten sich nach mexikanischem Brauch zum Allerheiligen-Tag als „Muertos“, die Stereotones als gekrönte Hexen. „Verflixt und zusammengenäht“ feierten Sportler von TSV und TGL ihren gemeinsamen Weg als wandelnde Garnrollen. TSVler haben als Alternative zur Fähre die Fluggesellschaft Hexifly gegründet, die Soma führten als „Bierkönige“ eine mobile Theke mit. Und viele eint wohl auch über den Aschermittwoch hinaus das „Helau gegen rechts“.

VON MICHAEL PROCHNOW

Fotogalerie:

op-online.de

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