Love, not war - da ist der Abend wunderbar

Karneval-Gesellschaft Egelsbach: Veranstaltungs-Dreier mit reichlich Hippie-Atmosphäre

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Woodstock-Flair: Die „Fire Stars“ erinnerten mit ihrem Showtanz „I have a dream“ an Martin Luther King und an die Hippie-Bewegung.

Woodstock-Flair und lockere Hippie-Atmosphäre: Die Egelsbacher Karnevalisten haben am Wochenende die beiden Großen Fremdensitzungen abgehalten – und dazu am Sonntag einen Seniorennachmittag. Motto in der Dr. -Horst-Schmidt-Halle: „Flower Power“.

Egelsbach – Das Bühnenbild zeigt einen Hippiebus, in dessen Mitte das KGE-Logo prangt. Ob dieser den Elferrat direkt in die Halle gebracht hat? Die Alt-Prinzen sitzen jedenfalls pünktlich um 19.31 an einer langen Tafel und warten auf den Beginn der Show. Vor der Bühne nimmt derweil eine bunt-kostümierte Schar aus Hippies, Blumenmädchen und Männern in neonfarbenen Retroanzügen Platz. Die Parameter Love, Peace & Happiness haben die diesjährige Kostümauswahl in der ausverkauften Halle geprägt.

Die Narrenhoheiten Prinz Florian I. und seine Gattin Sabine I. (bürgerlich Florian und Sabine Leiderer) begrüßen ihre Gäste herzlich. In ihrer Eingangsansprache wird vor allem der bayrische Migrationshintergrund von Prinz Florian thematisiert – dieser wurde schließlich 1970 in München geboren, bevor es ihn beruflich ins Rhein-Main-Gebiet trug. Zwischen Prinzessin Sabine und ihrem Prinzen löst das bis heute Spannungen aus. „Südlich von uns – ihr habt doch gar kei Kultur. Ihr trinkt viel Bier und esst weiße Wörschte dort nur“, so Sabine zu ihrem Gatten. Dieser kontert, aber zeigt sich letztlich doch versöhnlich. „Ach Bayer, Hesse einerlei. Beim Feiern sind wir all’ dabei. Make love not war – dann wird’s heut Abend wunderbar!“, unterstreicht er die friedvolle Botschaft des Abends.

In der Bütt eröffnet dann Protokollant Thomas Geiß. In der Rolle als Alt-68er macht er vor allem seinem Ärger über die aktuelle politische Lage Luft. Seine Rede ist dabei gewohnt aktuell und nimmt auch auf das politische Erdbeben in Thüringen Bezug. „Will FDP nach Macht sich strecken, bekommen ,gelbe Sackos‘ braune Flecken. Thomas Kemmerich, mit Feuer spielen lohnt sich nicht. Wer glaubt, das könnt man kontrollieren – der sollt’ Geschichte mal studieren“, reimt der Egelsbacher pointiert. Auch auf die Kommunalpolitik geht er ein. Die Bekanntmachung, dass das alljährliche „Raus aus dem Keller“-Festival des Jugendvereins aufgrund von Anwohnerbeschwerden nicht stattfinden kann, bringt Geiß sichtlich in Wallung. „Seit ein paar Jahren findet statt, was die Jugend für sich erfunden hat. Ein Rock Open Air! Doch Anwohner, die stört’s so sehr, dass sie verhindern dieses nun – und die Verwaltung will lieber nichts tun. Wenn Egelsbach will auf Zukunft setzen, darf man die Jugend nicht vergrätzen!“, so Geiß mit Nachdruck. Umrahmt werden die Wortbeiträge wie gewohnt durch Tänze der vereinseigenen Garde- und Showtanzgruppen.

Althippies: Auch Sitzungspräsident Alexander Höhme nebst Elferrat waren passend zum Kampagnenmotto gekleidet.

Als Tänzerin steht die Egelsbacherin Carina Werner schon seit den 1990ern auf der KGE-Bühne – seit nunmehr sechs Jahren zieht es sie auch in die Bütt. Dieses Mal in der Rolle eines ganz besonderen Gemüses: Einer Dickworz, was in hessischer Mundart eine dicke Rübe beschreibt. „Mein Papa war Herr Dickworz, meine Mama war Frau Dickworz und ich bin des Dickwörzchen“, so das vereinseigene Redetalent. Unter der Parkbank, wo sie darauf wartet, geerntet zu werden, bekommt sie als „Undercover-Worz“ einige Geschichten im Ort mit. Zum Beispiel aus der Fahrschule Justus. „Da war ne Fahrschülerin und hat gefragt, warum sie so schlecht ans Lenkrad rankommt. Da hat der Justus nur gesagt: Mädche, du musst halt vorne einsteigen!“ Lachen, Klatschen und das unmittelbare Ansetzen zur nächsten Pointe – eine glorreiche Närrinnenzukunft scheint bei Werner jedenfalls sicher. „Ich möchte 25 Jahre in der Bütt schaffen und noch viele kleine Mädels für den Gardetanz begeistern“, so die Rednerin.

Auch die vereinseigene Showgruppe „Narrhallesen vom Tresen“ weiß an diesem Abend mit einer bunten Nummer zu punkten: Operngesang, Zauberei und deutscher Partyschlager lockern sowohl Sitzfleisch als auch Lachmuskulatur.

Die Stimmung der Karnevalisten bleibt bei den KGE-Sitzungen jedenfalls das gesamte Wochenende oben – auch weil es aus dem Bürgerhaus Entwarnung gibt. Die geplanten Veranstaltungen wie Weiberfasching, Kostümsitzung und Zugparty können dort voraussichtlich stattfinden.

VON TIMO KURTH

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