Kostümverleih mit rund 600 Outfits 

Petra Tome macht Mainzelmänner für Düsseldorf

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Clown ist ihr Liebling: Da darf Petra Tome nachtürlich auch fürs Foto kein anderes Kostüm anziehen.

Mühlheim – Mittelalterliche Robe, Gardistenuniform und ein Überraschungsei: Auf gerade einmal 16 Quadratmetern hängen sie dicht an dicht – die rund 600 Kostüme und Perücken, die Petra Tome in ihrem Kostümverleih zusammengetragen und teils auch selbst genäht hat. Von Thomas Holzamer

„Die habe ich vor ein paar Jahren selbst entworfen“, sagt die Mühlheimerin und präsentiert ein Teil aus ihrer Kollektion in knalligem Orange und Weiß. „Kinderüberraschung“ steht auf der Brust des Kostüms. Die Überraschungseier wirken als Gruppe besonders gut, erläutert die gelernte Friseurin, die das Schneidern zu ihrem Hobby gemacht hat.

Die Idee, Kostüme zu vermieten, kam Tome, die selbst Karnevalistin aus Leidenschaft ist und lange Jahr selbst im Verein aktiv war, aus der eigenen Erfahrung heraus. „Man trägt die Kostüme meist nur einmal, dann hängen sie im Schrank“, beschreibt sie. Irgendwann hatten sich so viele Teile angesammelt, dass sich Petra Tome schließlich 2002 entschloss, einen eigenen Kostümverleih zu eröffnen. Dort können die Kunden zur Klamotte auch passende Perücken und Accessoires ausleihen. Nur die Schuhe zum Outfit müssen sie selbst beitragen.

Seit der Eröffnung sind stetig neue Stücke dazugekommen, denn auch beim Thema Verkleidungen gibt es regelmäßig neue Trends. „In diesem Jahr sind vor allem Charleston-Kostüme und die 20er-Jahre gefragt“, sagt sie. Und auch die sogenannten Lizenzkostüme – etwa Superhelden aus Marvel-Filmen oder anderen Blockbustern, hat Petra Tome im Angebot. Was nicht da ist, können die Kunden auch bei ihr zum Kauf bestellen.

Da gibt es die Turtles, Spiderman, Marge und Homer Simpson oder auch – etwas regionaler – die Mainzelmännchen des ZDF. Letztere habe sich auch schon eine Gruppe ausgeliehen, die mit den Mainzer Maskottchen ausgerechnet zum Karneval nach Düsseldorf gefahren sind, berichtet sie und schmunzelt.

Bei allen Trends ist es jedoch seit je her ein Klassiker, der es der Hobbyschneiderin besonders angetan hat: der Clown. „Aber ohne Maske, sondern wie früher geschminkt“, betont sie. So sei sie einmal dank Kostüm und Schminke nicht mal von ihrer Mutter erkannt worden..

Auch außerhalb der fünften Jahreszeit, in der sie sogar Samstag und Sonntag für ihre Kunden geöffnet hat, werden regelmäßig Kostüme vermietet, etwa für Mottoparties oder Veranstaltungen. So hat Petra Tome im vergangenen Jahr unter anderem auch eine komplette Hochzeitsgesellschaft mit mittelalterlichen Kostümen ausgestattet. „Das Paar hat auf der Ronneburg geheiratet und sich gewünscht, dass auch die Gäste mittelalterlich gewandet sind“, sagt sie.

Fasziniert ist die Mühlheimerin auch nach all den Jahren noch von der Wirkung, die die Kostüme auf die Menschen, die sie tragen haben. „Ich hatte schon Kunden, die kamen ganz zurückhaltend und zugeknöpft mit Jackett und Krawatte zu mir und kamen beim Anprobieren schon im ersten Kostüm mit ganz lockerer Stimmung aus der Kabine“, erzählt sie. Für diese Veränderung dürfte neben den bunten Verkleidungen auch die Herzlichkeit sorgen, mit der Petra Tome ihre Kunden empfängt. Für jeden nimmt sie sich in der Regel eine Stunde Zeit, in der er in Ruhe stöbern, probieren und sich beraten lassen kann. „Das ist auf 16 Quadratmetern auch gut, da kann der eine oder andere beim Probieren auch mal nur im Höschen hier rumhüpfen“, sagt sie lachend.

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Das Ausleihen kostet je nach Kostüm zwischen 25 und 35 Euro je Tag, inklusive der Reinigung. Wird etwas beschädigt, fallen zusätzliche Kosten an. Doch das komme eher selten vor, sagt Tome. „Einmal ist eines gar nicht zurückgekommen“, erinnert sie sich. Eine Gruppe Abiturienten aus Frankfurt hatte sich für eine Party als Nonnen verkleidet. „Einer kam am nächsten Morgen rein und sagte, es sei etwas passiert.“ Die Frage, ob etwas kaputt gegangen sei, habe er verneint. Das Kostüm sei leider verschwunden. „Er hatte an dem Abend wohl ziemlich viel getrunken und Angst, es zu beschmutzen, falls er sich übergeben müsste“, erzählt sie. So habe er das Kostüm sicherheitshalber im Taxi ausgezogen, beim Aussteigen dann allerdings darin vergessen. Die Kaution gab es da natürlich nicht mehr zurück.

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