Kavalier der alten Schule

Mühlheimer Karnevalverein hat neuen Zugmarschall

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Markus Höschele (links) übernahm nicht nur den Posten des Zugmarschalls, sondern auch jede Menge Verantwortung. Vizekanzler Bernd Kugler klärte ihn über seine Rechte und Pflichten auf.

Mühlheim – Der Mühlheimer Karnevalverein (MKV) hat einen neuen Zugmarschall. Der Hausener Markus Höschele führt nicht nur den närrischen Lindwurm am Rosenmontag an, er lebt die Idee von Fastnacht. Von Michael Prochnow

„Ich möchte zeigen, für welche Werte die Fastnacht steht: für Fröhlichkeit, Friedfertigkeit und Toleranz, nicht für Hass und Arroganz. “ Keine Frage, der „Neue“ schwingt keine langatmigen Politiker-Reden. Im Narren-Gewand schlug er jedoch auch ernste Töne an. In der voll besetzten Willy-Brandt-Halle machte Marschall Markus klar: „Immer mehr Gewalt, das ist der blanke Graus. “.

Damit hat der 38-Jährige mit Robe, Orden, Kappe, Zepter und Urkunde auch Verantwortung übernommen. Das wurde am Dreikönigstag vielleicht nicht jedem Kostümierten im Saal bewusst. Den meisten Uniformierten ging’s wohl wie Kanzler Thomas Lauf: „Gott sei Dank, es ist wieder soweit, sie geht los, die Faschingszeit.“ Der Conférencier begrüßte „alle, die unsre Müllemer Fastnacht lieben, auch die, die noch im Urlaub sind geblieben“.

Die Dancing Stars schwebten als Elfen über die Bühne der Willy-Brandt-Halle.

Der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi führte zuvor mit den Schellennarren die bisherige Zugmarschallin Ulli Eich auf den Thron. Vom Kanzler bekam sie zum Abschied einen Korb überreicht, die „Schellen“ legten „noch e Woische’“ rein für Ullis „Weg nach Las Vegas“. Zum Abschied riet sie, „lacht über euch selber, bevors’n Annern dud!“

Die neue Gallionsfigur des MKV sei „ein unheimlich sozial engagierter Mann mit einem starken Gerechtigkeitsempfinden“. Markus Höschele war 1995 Fastnachtsprinz in der Nachbarstadt, aktiv in der Katholischen Jugend Hausen, kickte, trainierte und pfiff für den dortigen Turnverein. Er besuchte auch die Friedrich-Ebert-Schule in Mühlheim, machte sein Abi in der Fachrichtung Wirtschaft an seinem Wohnort. 16 Jahre war er Rettungssanitäter beim Arbeiter-Samariterbund, wo er sich auch im Betriebsrat engagierte. Heute ist Markus verheiratet, hat zwei Kinder und verkauft in Heusenstamm Autos.

In seiner Freizeit spielt er Darts bei Teutonia Hausen und leitet ein Team, das Kinder betreut, die an der Glasknochen-Krankheit leiden. Der Zugmarschall sei „ein Kavalier alter Schule, hält die Tür auf und trägt die Einkaufstaschen“, lobte Lauf. Er lasse sich zwar gerne bedienen, wäre aber der „ideale Koch, wenn da nur ein Grill steht und er Wendefleisch zubereiten darf“.

Babbscher haben neue Tollitäten

Mit einem Campingbus fuhr er durch die Highlands, „um den einen oder anderen Whisky zu probieren“, verriet der Kanzler. „Er ist belesen, will viel sehen und ist für alle und jeden da.“ Markus selbst verwies auf seine Verwandtschaft, die in „Müllem“ eine Gaststätte führe oder Haare schneide. Auf seine Frau könne er sich verlassen, stolz sei er auf seine Söhne und seine Mutter. Seine Gratulanten hatte er gebeten, auf Geschenke zugunsten einer Spende für Glasknochen-Kranke zu verzichten.

Das Männerballett durfte zu etwas späterer Stunde die Massen begeistern.

„Damit in Müllem keiner was verpasst, hat Ute Kraus-Jung es im Protokoll zusammengefasst.“ Sie klagte nach dem rhythmischen Auftakt der „Firedrums“ über die einspurige Verkehrsführung mit rot-weißen Steinen „wie im Playmobil-Land“. Zum ersten Mal auf der Bühne stand die „Rasselbande“, 20 Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren. Die Dancing Stars sind zwischen acht und 14 Jahre alt und schwebten in farbenprächtigen Elfen-Gewändern, die Formation „Rythm Sunshines“ von Trainerin Selyn Hellmuth unternahm mit 15- bis 17-jährigen Mädchen eine „Weltreise“. Es folgten das Männerballett und die Gruppe „Flying Starz“ im „Candyland“.

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