Uli und Erik sagen Tschüss

Ehemaliges Luxor-DJ-Duo unterhält zum letzten Mal bei Wibralla

Feiern wie damals im Luxor: Bei Wibralla in der Willy-Brandt-Halle werden bei den Besuchern Erinnerungen wach. Foto: m
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Feiern wie damals im Luxor: Bei Wibralla in der Willy-Brandt-Halle werden bei den Besuchern Erinnerungen wach.

Es waren die Hits von Fats Domino, Paul Anka und den Flippers, die sich auf den schwarzen Vinylscheiben auf den Plattentellern drehten und zu denen junge Menschen mit Minirock und Pilzkopf-Frisur tanzten.

Mühlheim – Kein Türsteher musterte sie am Eingang, die Cola kostete eine Mark und die holzgetäfelte Einrichtung war der letzte Schrei. Das war bei der Wibralla des Karnevalsvereins Sonnau am Fastnachtssamstag etwas anders, und dennoch wehte noch der Geist des alten Luxor durch die Willy-Brandt-Halle.

Damals wie heute gilt für eine gelungene Party das Erfolgsrezept der ehrwürdigen Discjockeys Uli Ackermann und Erik Bayer: die Musikmischung. So legten sie den Afro-Mix von Helene Fischers „Achterbahn“ auf, spielten ABBA und Boney M.. Den 70er- und 80er-Jahre-Pop ergänzte das Duo um angesagten Rock und einen Schuss Techno.

DJ Uli legte von 1982 an in dem früheren Kino am Bepo-Kreisel aus der Nachbildung eines römischen Kampfwagens auf, erfüllte Musikwünsche und setzte ansonsten ganz auf Tanzmusik. Mittlerweile liegt der Arbeitsplatz der Männer hinter aufwendiger, moderner Technik. Tausende Titel sind auf dem Laptop abrufbar, ein computergesteuertes Lichtprogramm verstärkt die Stimmung. Für Uli und Erik soll es der letzte Auftritt bei dem Maskenball gewesen sein, kündigten sie an.

Stephan Mündelein und das Sonnau-Team hoffen, dass damit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Ein Blick in den großen Saal beweist, dass die „Platten-Leger“ nach wie vor den Geschmack der tanzwütigen Narren treffen – vom Teenager bis zu den Großeltern.

Unter die fast 700 Besucher haben sich auch viele aus Hanau gemischt, wo man nach den schrecklichen Anschlägen jeglichem Frohsinn abgeschworen hat. Mündelein stellte es den Narren aus der Brüder-Grimm-Stadt anheim, sich dem Mühlheimer Rosenmontagszug anzuschließen, auch kurzfristig. Zur Wibralla waren Gäste bis aus Aschaffenburg und Wiesbaden gekommen.

Auch das ist ein Zeichen dafür, dass die Tradition der Maskenbälle immer weiter bröckelt. Das Interesse am Feiern ist wohl ungebrochen, das am Helfen nicht mehr so ausgeprägt. Immerhin: Der Sonnau gelang es, 32 Mitglieder für die Dienste an Einlass, Imbiss und Hütchenbar zu gewinnen. Manche arbeiteten zwei Schichten, berichtete Sprecher Mündelein. Ohne die vier großen und mehreren kleinen Sponsoren geht auch nichts mehr. Werbung dieser Firmen lief nonstop über die Displays an der Bühne, verbunden mit der Bitte, diese Unterstützer beim Einkauf zu berücksichtigen.

Mündelein präsentierte Markus Moerl, der mit seinem Kult-Hit der 80er-Jahre bekannte: „Ich will Spaß.“ Auch die „kleine Taschenlampe“ und „völlig losgelöst“ erinnerten an diese Epoche, oder etwa Nenas „99 Luftballons“, die seine Partnerin Yvonne Nicole König interpretierte. Mit Mündelein schmetterte das Paar: „aber eins kann mir keiner nehmen ...“ – so die Wibralla, das Bürgerhaus wurde für Fastnachtssamstag 2021 bereits reserviert.

VON MICHAEL PROCHNOW

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