Mit Hexenbesen auf die Bühne

68. Gala-Prunk-Sitzung des Lämmerspieler Carneval-Vereins

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Närrische Stimmung in der TSV-Halle: Sitzungspräsident Alex Franz (rechts) überreicht Erstem Stadtrat Dr. Alexander Krey die LCV-Kappe. Die Ladykracher feiern auf der Bühne eine Aprés-Ski-Party.

Die gelben Kleider lachten die Zuschauer an, die weißen Stiefel und die Ringelsocken erinnerten auch ohne das Titellied an die freche Göre, die ungestraft Streiche spielen durfte.

Mühlheim – Und mit übermächtiger Kraft selbst die Erwachsenen erblassen ließ: Im Pippi-Langstrumpf-Gewand eröffneten die „Küken“ die 68. Gala-Prunk-Sitzung des Lämmerspieler Carneval-Vereins (LCV) in der TSV-Halle „widewide iwie sie uns gefällt“.

Die jüngsten Garde-Kinder marschierten auch vorneweg, als es galt, Prinzenpaar und Elferrat auf die Bühne zu geleiten. Mädchen aller Altersklassen tanzen am Offenbacher Weg. Eine weitere Stärke der Blau-Weißen ist Gesang: Gleich mehrere Formationen reißen ihr Publikum mit Gassenhauern von den Stühlen, gewinnen die Gäste, lautstark Evergreens und Schlager mitzusingen.

Sie nennen sich „Muntermacher“ und „Showtime“ und repräsentieren die Party-Fastnacht, die zumindest bei Jugendlichen und dem „Mittel-Alter“ angesagt ist. Auch Tanz im Stile einer Aprés-Ski-Party ist gefragt, die „Ladykracher“ ließen den „Madl-Bau im Stadl“ mit Hüttenstimmung abheben: Das ist schon „Carnevalissimo“, die Weiterentwicklung von der Sitzung zum Dancing.

Zu Gala-Prunk gehört aber immer noch die Bütt. Holger Maue landete per Besenritt auf der Bühne. „Mit Männern ham wir nix am Hut“, klärte die „Magierin“ auf, „Hexerei und Spiritismus sind nah verwandt mit Feminismus“, präsentierte die „Lämmerspieler Hexe“ ihren „besten Freund und ganzen Stolz, handgeschnitzt aus Nussbaumholz, mit Schiebedach und ABS – den 80 Jahre alten Besen Willibald“. Aus dem brodelnden „Schnellkochtopf“ zauberte sie ein Trump-Gesicht: Trotz bester Zutaten gebe es halt nicht „den“ besten Redner, „Fastnacht ist Gaukelei“.

Als „Mann vom Amt“ hielt Georg „Schorsch“ Fischer das Protokoll. In Sachen Fähre riet er – zu spät, „gebt Acht, dass der Fährmann auch einen Führerschein hat“.

Lämmerspiel brauche endlich einen eigenen S-Bahn-Anschluss, als Zugabe einen Tiefbahnhof. Der Chronist erinnerte an den Abgang Englands „mit Saus und Braus aus der EU raus“, die gemeinsamen Servicestellen von Volksbank und Sparkasse, in denen die Geldautomaten kaputt oder leer seien.

In Berlin versaute die Maut die Stimmung, Scheuer müsse milliardenschweren Schadenersatz zahlen, „während der Durchschnittsrentner nicht weiß, wie er leben soll. Macht endlich mal eure Arbeit richtig“, wetterte Schorsch. Und jammerte über E-Scooter, von der Leyen und ihre Beraterstäbe. Aber, „ich bin schee, ich bin galant, ich bin euer Mann vom Amt.“

Über ihre Männer tratschten die „Frauen von Stammtisch-Brüdern“, Nancy und Gabi alias Bea Kordik-Müller und Angelika Schmidt. Sie sorgten sich, wo die Gatten ihr Anglerlatein loswerden, wenn die letzte Kneipe dicht gemacht hat.

Nach der Pause gehörte die Bütt’ allein einem Duo: Oskar Urumbel und Isidor Dollbohrer. Mit einem sicheren Auftritt ist Nachwuchs-Sitzungspräsident Martin Pohl endgültig bei den „Großen“ angekommen. Mit Thomas Rau tauschte er Geschichten von Frauen und Männern aus und kommentierte improvisierend, wenn’s Hütchen fehlte.

Mit Wortspielen landeten sie bald auch unter der Gürtellinie, verkauften ihre Gags aber gut. Wie den mit der Schildkröte, die im Kino aus Oskars Hose herausguckte und die Nachbarin irritierte. Sitzungspräsident Alex Franz ließ Tänzerin Stefanie II. und ihren Prinz, den Dietesheimer Christian I., hochleben und begrüßte Tollitäten anderer Fastnachtsvereine im Kreise der LCV-Garden.

Die Midi-Garde versuchte sich erstmals an einem Schautanz, marschierte als Bodentruppe in Bundeswehr-Farben ein: „Das Beste, was die Army zu bieten hat“, warb der Präsident. „Das Tanzen hat sich enorm verändert“, bestätigte „Dilämma“ mit seiner „Evolution of Dance“. Die Damen erinnerten an die Zeiten im „Rendezvous“ an der Fähre und ans „Luxor“ am Bepo-Kreisel, denn beim „Poste-Klaus“ in Lämmerspiel konnte man „nur saufe’“. „Footlose“ und die Mädels-Band Tic Tac Toe, der Elternschreck der 90er, erklangen.

Die Schautanzgruppe des LCV entführte mit Prinzessin Stefanie in ihren Reihen das Publikum mit häufigem Kostümwechsel durch New York, wo Charleston, Country und Pop liefen. „Männer, haltet eure Frauen fest“, denn das Männerballett stampfte in roten Anzügen mit kurzen Hosen und Hut im Backstreet-Boys-Rhythmus. Mitglied und Präsident Franz zollte allen Trainern der Tanzgruppen viel Lob: „Sie sind Sportler, Animateure, Psychologen“.

Fotogalerie:

Bilder: Beste Stimmung bei der Fastnacht in Lämmerspiel

VON MICHAEL PROCHNOW

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