Alte Freunde und neue Gesichter

Travestie-Show „Rosa Wölkchen“ feiert Zehnjähriges mit Musik und vielen Lachern

Stars auf der Bühne: Einige der Künstler sind seit Jahren immer wieder zu Gast, andere konnten die Organisatoren von „Gerdas kleine Weltbühne“ fürs eigens diesjährige Jubiläum gewinnen. 
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Stars auf der Bühne: Einige der Künstler sind seit Jahren immer wieder zu Gast, andere konnten die Organisatoren von „Gerdas kleine Weltbühne“ fürs eigens diesjährige Jubiläum gewinnen. 

Wenn ein rosafarbener Flamingo aus einem italienischen Sportwagen aussteigt und mit seiner Flamingo-Gattin in Richtung Willy-Brandt-Halle stolziert, dann ist es wieder soweit: Zum zehnten Mal präsentiert „Gerdas kleine Weltbühne“ ihre inzwischen weit über die Grenzen des Rhein-Main-Gebiets bekannte Travestie-Show „Rosa Wölkchen“.

Mühlheim – Aus ganz Hessen strömen Männer und Frauen heran, manche zwängen sich in pinkfarbene, hautenge Miniröcke und tragen schwindelerregend hohe Stöckelschuhe. Auf ihrem Kopf thronen opulente Perücken. Aber egal, ob es dieses Jahr ein Häschen-, Bärchen-, Indianer- oder Cowboykostüm ist, alle Zuschauer vereint eines: Sie sind in Rosa gekleidet.

Während es auf anderen Faschingssitzungen „Helau“, „Gud’ Stuss“ oder „Hä-Hopp“ tönt, heißt es in Mühlheim bei den „Rosa Wölkchen“ „Gay is schee“. An vier Abenden präsentiert die Theatergruppe um Jutta P. eine abwechslungsreiche Show. Die Tickets sind heiß begehrt. Bereits 30 Minuten nachdem der Verkauf online frei geschaltet wurde, war der letzte verfügbare Platz weg. Die 500 Zuschauer, die sich Karten für die Premiere sichern konnten, erleben dort eine hochklassige Aufführung.

Moderatorin ist wie jedes Jahr Jutta P. „Macht es euch heut richtig gemütlich, denn wir feiern heute alle zusammen ein tolles rosarotes Fest, habt viel Spaß und lacht.“ Zum Jubiläum hat die Diva wieder alle Register gezogen und neue Künstler eingeladen. Den Anfang machen „Andreas und Matthias“ mit einem modernen Tanz zu „River Deep – Mountain High“ von Ike und Tina Turner. Für ihre körperbetonte Ausdruckskraft erhalten sie den verdienten Applaus, ein dreifaches „Gay is schee.“ Comedy präsentiert Harry Borgner. Der Mann mit der Gitarre und der Fischerkluft hat Lieder von Matthias Reim, Roland Kaiser und Howard Capendale leicht umgetextet. So wird aus „Verdammt ich lieb dich“ ein „Verdammt ich lieb Fisch, ich lieb Fisch nicht“ oder aus „Dich zu lieben, dich zu spüren“ eben „Fisch zu lieben, Fisch zu spüren“.

Die Stars geben sich die Klinke geradezu in die Hand bei der Rosa Show.

Musikalisches Feuer versprühen die beiden Schwestern Anita und Alexandra Hofmann. Das Duo, das 1993 am „Grand Prix der Volksmusik“ teilnahm, singt Lieder wie „Hunderttausendmal“ und „Rosa Wölkchen“, bei denen das Publikum lauthals mitsingt und tanzt. Die „Süße Helga – Berliner Schnauze mit Ostvergangenheit“ präsentiert Martin März. Die jungverheiratete Dame erzählt von ihrer Ehe, von der sie aber nicht sehr überzeugt scheint: „Früher war ich ledig, jetzt bin ich erledigt.“ Fest zum Ensemble der „Rosa Wölkchen“ gehört „Olga Orange“. Die Travestiekünstlerin hat sich aus der alten Übergardine und dem String-Tanga ihrer Oma ein Kostüm geschneidert. Sie sucht den Kontakt mit dem Publikum und diesmal hat es ihr Patrick aus Münster angetan, den sie immer wieder anspricht. „Schau mal, der Kleine hat Angst und kneift sich sicher seinen Bobbes zu.“

Beste Stimmung: Die herrschte beim „Rosa Wölkchen“-Auftakt auf der Bühne und im Zuschauersaal.

Einen besonderen Auftritt hat Jutta P., als sie die Bühne in einem schwarzen Anzug und Herrenschuhen betritt. Wie eine Insektenpuppe, die sich in einen Schmetterling verwandelt, zieht sie sich langsam aus, streift sich eine Perücke und einen Umhang über und steht dann als Diva auf der Bühne. Mit dem ehemaligen Gesicht der „Hessischen Weiberfastnacht“, Karin Schmidt, singt Jutta P. „Brave Mädchen“. Bissig wird es dann bei Désirée Nick. Die Berliner Theater- und Fernsehdarstellerin erzählt, was das Älterwerden für eine Frau bedeutet. Natürlich zieht sie auch Prominente, die ihr Alter verstecken durch den Kakao.

Nach knapp zweieinhalb Stunden endet die Veranstaltung mit der „Golden Trumpet Show“ und einem großen Finale.

Fotogalerie im Internet auf op-online.de

VON BURGHARD WITTEKOPF

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