Rathaus im Handstreich erobert

Narren übernehmen die Regentschaft

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Der Übermacht der Narren um das Prinzenpaar Matzi I. und Volker I. waren die Stadtoberen nicht lange gewachsen.   

Dreieich - Seit Samstagnachmittag regiert der Frohsinn in der Stadt. Prinzessin Matzi I. und Prinz Volker I. vom 1. Sprendlinger Karneval Verein (SKV) haben mit der vereinigten Narrenschar das Rathaus gestürmt. Die Bestechungsversuche der Stadtoberhäupter liefen ins Leere. Von Enrico Sauda 

Sie kamen mit Macht. Nicht nur mit Pauken und Trompeten, sondern mit Konfetti- und Feuerregen sowie Flammenbällen. Flankiert von General Stefan und der guten Fee Angi, lieferten sich die Tollitäten ein heftiges Wortgefecht mit Bürgermeister Dieter Zimmer und Erstem Stadtrat Martin Burlon. Die probierten mit allerlei Tricks, den Angriff abzuwehren. Aus der Stadtkasse ließen sie einiges springen, sodass die böse Hexe Trulla, sonst Kassiererin beim SKV, die Seiten wechselte. Doch aller Widerstand war zwecklos, ein Feuerzauber zwang die Verteidiger in die Knie und mit großem Brimborium enterten die Narren das Rathaus.

Vier Tage lang waren Prinzessin und Prinz mit Fee und General in Bayern auf Karnevalklausurtagung gewesen. „Dort haben wir all das besprochen, was hier nun passieren sollte“, erzählt Volker I. „Wir waren sozusagen im Trainingslager“, fügt General Stefan hinzu. „Die Mauer aus Stoff, die wir niedergebrannt haben, haben wir am Dienstag gemalt und geklebt“, berichtet Prinzessin Matzi. „Beim Feuerwerk hat uns Benjamin Halberstadt von den Bürgerhäusern unterstützt“, sagt Fee Angi. „Wir haben uns bei ihm überhaupt erst informiert, ob das möglich ist mit den Pyroeffekten“, schildert die Fee. Und es habe alles super geklappt, freut sich das Quartett.

Erstem Stadtrat Martin Burlon, Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt und Bürgermeister Dieter Zimmer blieb nur die Kapitulation.

Für die Tollitäten beginnt bald die heiße Fastnachtsphase. „Das ist jetzt noch so eine Art Warmmachen“, sagt Prinz Volker. „Wir haben mehr als 60 Termine“, rechnet er vor. Klar, dass sie sich alle eigens Urlaub genommen haben dafür. „Vom Mittwoch vor Weiberfasching bis zum Aschermittwoch“, erklärt Prinzessin Matzi. „Da gehen auch gut 80 Prozent aller unserer Termine über die Bühne“, ergänzt Prinz Volker.

Obwohl sie schon etliche Auftritte hinter sich haben, ist die Prinzessin immer noch ein wenig aufgeregt. „Ich bin doch so nah am Wasser gebaut“, gesteht sie. An diesem Nachmittag auch. „Wir haben im Publikum eine Freundin entdeckt, die eigens aus Stuttgart angereist ist.“ Das weckte bei der Prinzessin Emotionen. „Da kamen mir schon wieder die Tränen.“

Gut 250 Narren folgten vom Lindenplatz aus den Tollitäten zum Rathaus. „Wir wollten eigentlich ein Lichterspektakel veranstalten“, erklärt Fee Angi, warum sich der Lindwurm erst gegen 16.30 Uhr auf den Weg machte. Sie zeigt einen Leuchtstab. „Wir hatten auch nachgeforscht, wann zu dieser Zeit im Januar die Sonne untergeht – aber wir waren trotzdem zu früh dran.“

Narren stürmen Rathaus in Dreieich-Sprendlingen: Bilder

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