Von Pippi Langstrumpf bis Greta Thunberg

Frauenfastnacht in Skandinavien beim Kreppelkaffee in Nieder-Roden

Die Gallier von der Rodau klären auf: Der Zaubertrank aus dem „Dippe“ von Miraculix ist ein hessisches Gebräu. Fotos: Karin Klemt
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Die Gallier von der Rodau klären auf: Der Zaubertrank aus dem „Dippe“ von Miraculix ist ein hessisches Gebräu. 

Wenn sich der Winter hierzulande ziert, muss Ersatz aus dem hohen Norden her, dachten sich die Kreppelfrauen aus Nieder-Roden.

Nieder-Roden –  Nieder-Rodens Kreppelfrauen greifen in die Vollen und kaufen gleich ganz Skandinavien ein: Nahezu alles kreiste beim Kreppelkaffee am Wochenende um die Nordlichter und ihre – für Fastnachtszwecke durchweg liebenswerten – Eigenarten.

Zumal die Heimat von Märchenkönig Hans Christian Andersen, Pippi Langstrumpf und Greta Thunberg dem kreativen Narren jede Menge Inspiration zu bieten hat. Fünf Länder, darunter drei Königreiche – Präsidentin Nathalie Sander, flankiert von der neu eingekleideten Kreppelgarde und ihrem geografisch korrekt dekorierten Elferrat, kam aus dem Schwärmen kaum heraus und fütterte ihr Publikum im voll besetzten Bürgerhaus-Saal mit nordischen Fakten: Wo „Hej“ als Hallo durchgeht und Bier sich so ähnlich wie Öl schreibt, ist Ikea mehr als ein Hot-Dog-Stand im Labyrinth.

Nieder-Roden: Ökologische Brille immer in Griffweite

Klimaschutz tut manchem weh – erst recht im eigenen Portemonnaie. Mit klaren Ansagen in wohlgesetzten Versen ließ Protokollerin Alisa Müller-Rebmann die Närrinnenschar aufmerken. Neben dankbaren Lachern über Brexit-Boris, der die Briten schon vor der Klimakatastrophe absaufen lässt, und Desaster-Donald sicherte sie sich im globalen Polit-Rundflug (ganz ohne Scham) alsbald gespannte Aufmerksamkeit und hatte auch für heimische Chaotiker ein paar wohl gezielte Reime: „Ob E-Scooter, Bahn, Mobilfunk oder Maut – der Andi Scheuer kriegt alles versaut.“

Was ist drin und was passt rein? Rita Pfeiffer und Sabine Follmann mit ihren Handtaschen.

Die ökologische Brille blieb auch weiter in Griffweite liegen. Zwar schoben Kerstin Kremeier-Falk, Jaqueline Apel, Sarah Iske, Claudia Kräuter und Angelika Resch als tanzende Trolle erst einmal skandinavische Folklore nach vorne, Rita Pfeiffer und Sabine Follmann ließen sich im Zwiegespräch zwischen Mutter und Tochter über das übliche Chaos in der Handtasche aus. Mit den „Krebbelwoises“ aber war dann das Thema der Stunde wieder da: Als Kids im Fridays-for-Future-Trend zeigten sich Melanie Wörner-Förtig und Alisa Rebmann-Müller lernfähig. Singen können die beiden sowieso: Für ihre Live-Show mit umgetexteten Songs von „Aqua“ und „Roxette“ verdienten sie sich frenetischen Beifall.

Regelrecht gefeiert wurde Dr. Elke Spahn, ebenfalls auf dem Öko- oder besser: dem Ernährungstrip. Nicht nur die Oma in der Sushi-Bar hat – „schleimisch, glitschisch, fischisch“ – ihre Schwierigkeiten mit wuchernden Trends. Beim Clean Eating auf dem ergonomischen Sitzsack können auch Omnivoren, Paleotarier und Fallobstesser ernste Zweifel packen. Wird dann auch noch das vermeintliche Bienenvolk aus dem Rollladenkasten zwecks Honiggewinnung umgesiedelt und kultiviert, ist der Zwerchfell-Krampf garantiert. Kann das gesund sein?

Nieder-Roden: Am Ende darf auch Abba nicht fehlen

Die dann hoch willkommene Kreppel-Pause hatte die Regie mit bewegten Bildern eingerahmt. Dank Asterix, Obelix und ihrer Rodau-Gallier ist jetzt klar, dass Miraculix seinen Zaubertrank einem hessischen Rezept verdankt. Gabi Reichenbach, Gisela Reinke, Christel Matzka, Rita Pfeiffer, Birgit Stowasser, Sabine und Kristin Follmann sowie Steffi, Lilly und Romy Swoboda ließen da keinen Zweifel. Noch mehr alte Bekannte hatten der „zusammengewürfelte Haufe“ (Anja Werner, Melanie Wörner-Förtig, Daniela Piplak, Bettina Hartmann und Andrea Dürr) aus Astrid Lindgrens Geschichten geholt: Pippi Langstrumpf und die Tante Prusseliese, Michel aus Lönneberga und Knecht Alfred, Karlsson vom Dach und Ronja Räubertochter – alle da, nur halt schon etwas älter.

Wenn alte Freunde am Nieder-Röder Kiessee angeln gehen, kann durchaus etwas Neues dabei herauskommen. Was genau, erklärten Britta Kockmann und Steffi Swoboda im Zwiegespräch. Das Format darf spätestens nach dieser Show als Zuckerstück im Kreppelkaffee gelten, von „Sannsche“ und „Magreda“ zu später Stunde zum gewohnt genialen Pointen-Feuerwerk verrührt. Bevor Nils Holgerson (Daniela Piblak) und die Hausgans Martin (Melanie Wörner-Förtig) dann die Wikinger und die Lappen, Curling-Könner, Weihnachtstänzer und den Schneemann Olaf zum Finale riefen, stimmten die Kreppelmädels Odette Rebmann, Isabella Sanfilippo, Laura Rau, Alisa Rebmann-Müller, Carina Elgner und Sabrina Grunenberg auf die Mittsommernacht ein.

Wer fehlt noch? Abba. Ein Job für die „Dollbohrer“. Veronique Gola, Kerstin Marek, Alexandra Behr, Jenny Hess und Tanja Knaf nutzten die Gelegenheit, die bestgehüteten Geheimnisse der wiedervereinigten Pop-Ikonen aus Schweden zu lüften.  

zrk

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