„Die Welt braucht mehr Narren“

Turngemeinde Ober-Roden begrüßt neues Prinzenpaar

Die prinzliche Hofgarde unter der Regie ihres Majors Jörg Rotter (Mitte).
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Die prinzliche Hofgarde unter der Regie ihres Majors Jörg Rotter (Mitte).

112 Jahre TG Ober-Roden, davon 74 Jahre TG-Fastnacht – bei der ersten der drei Fastnachtssitzungen der Turngemeinde im Vereinsheim brachte Sitzungspräsident Sascha Reisert die Fakten auf den Punkt.

Ober-Roden – Sechs Stunden lang und dennoch kurzweilig, die Halle am Gaswerk voll und dennoch alles gut im Griff, kaum Bühnengäste von außerhalb und dennoch lauter Highlights: Das war die erste Fremdensitzung. Wichtigster Programmpunkt: die Verabschiedung des (durchaus wehmütigen) letzten Prinzenpaares Michael II. und Antje I. und lautstarke Begrüßung der neuen Regenten André und Annika Pradel (die bereits vierten aus dem prinzenpaarverwöhnten Hause Pradel). Bürgermeister Jörg Rotter überreichte erst zögerlich, dann doch freiwillig den Stadtschlüssel für die Zeit bis Aschermittwoch. Mit vielen Zebrastreifen gesichert ist die Stadt ja schon und deshalb hoffentlich auch unfallfrei.

„Es ist wohl schon fünf nach zwölf“: Weitgehend unter dem Eindruck der weltweiten Klimasorgen stand das ausgesprochen ausgewogene und bedenkenswerte Protokoll des Sitzungspräsidenten Sascha Reisert. „Die Welt braucht mehr Narren, so kommt es mir vor“: Sein Weltblick ist sehr sachlich und seine lokalen Beobachtungen erwecken Rödermark tatsächlich zum Leben.

Doch damit nicht genug der Reiserts: Auch Bruder Michi brachte es mit seiner erweiterten umgetexteten Playback-Show auf ein vergnügt tobendes Publikum, erst recht Bruder Boris, der seine diesjährige Schnellsprechrede an seiner bevorstehenden Hochzeit ausrichtete.

Was die TG, sehr zum Stolz des Vereinspräsidenten Karlheinz Weber, sonst zu bieten hat, weiß man aus langen Jahren: Das sind vor allem zahllose Tanzgruppen, von denen die jüngste, die Mini-Garde, auf ihre Art ebenso überzeugte wie die auch sportlich Größten, die Street Life Dancers. Dazwischen machen die Gruppen von Midi-Jazz, Midi-Garde und Jazz-Nachwuchs deutlich: An Tanznachwuchs fehlt es dem Verein wahrlich nicht und mit Yan Rigual und Katarina Kraus haben die Fastnachter auch wieder ein viel bestauntes Gardepaar.

Bestaunt und herzhaft belacht wurde auch wieder die Prinzliche Hofgarde unter Major Jörg Rotter, in diesem Jahr um ihren Frischling Michael Frank, den letztjährigen Prinzen, bereichert.

Eine hoheitliche Fastnachts-Delegation samt Prinzenpaar kam aus Offenbach zu Besuch und auch die Schwertfegers fühlten sich mit ihren launigen Paar-Erfahrungen wieder sichtlich wohl auf der TG-Bühne. Musikalisch eröffnete der Musikzug der TG den Fastnachtsreigen und rundeten die Fastnachtssänger der TG ihn ab.

Die Mini-Garde entzückt Jung und Alt im Saal mit ihrem Cheerleader-Tanz.

Die Ober-Röder Schlagersängerin Lara Schröder heizte dem Saal nicht nur mit ihren Liedern (und einem singenden Gast) ein. Tim Frank hatte die Lacher voll auf seiner Seite, als er aus der letztjährigen Prinzenpaar-Familie und von seinem Erwachsenwerden erzählte. Und mit Marcel Jakob berichtete ein 19-Jähriger sehr launig von einer Seefahrt mit seinen Großeltern. Er war kurzfristig ins Programm gekommen, weil ein Anderer fehlte: Stehend und mit lang anhaltendem Applaus würdigte der ganze Saal nach bewegenden Worten von Sascha Reisert das vor Kurzem verstorbene TG-Urgestein Norbert Hitzel: Er war von der TG-Bühne wie vom Kerbtheater nicht wegzudenken, doch nun fehlt er.

Höchst lebensfroh gewürdigt wurden dagegen Andreas Riegler vom Elferrat sowie Michael Langhammer mit der silbernen Flamme für elf Jahre TG-Fassenacht sowie der langjährige Sitzungspräsident Heinz Kiehl für zweimal elf Jahre (davon allein zehn als Präsident).

Ins orangefarbene Jackett gesteckt und damit zum Elferrat ernannt wurde Niklas Metz, der im sechsten Jahr als Mundschenk arbeitet. Die Fastnachter der TG: eine große Familie, die aber jeden gern an ihrem Vergnügen teilhaben lässt. 

chz

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