Regentenpaar mit Kickers-Schal

Alexandra I. und Thorsten I. führen Narren bis Aschermittwoch an

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Bis Aschermittwoch hören Obertshausens Narren auf das Kommando der Babbscher-Regenten Comtesse Alexandra I. und Baron Thorsten I.

Ein tanzender Kaufmann mit grünem Daumen, der im Metal-Takt auf den höchsten Fußball-Berg radelt und eine belesene Fischverkäuferin, die im Rock-Rhythmus den Minigolfschläger schwingt.

Obertshausen – Zusammen regieren sie bis Aschermittwoch Obertshausen: Comtesse Alexandra I.  und Lederbaron Thorsten I. heißen beide Heil, der Karnevalverein „Die Elf Babbscher“ hat also wieder ein Ehepaar erkoren, die Kleinstadt mit Herz durch die Höhepunkte der Kampagne zu führen.

Weil die Fastnachter ihr närrisches Jubiläum von elf Jahren in „1011 Nächten“ feiern, klingen die Titel der Tollitäten natürlich herrlich orientalisch, auf dass jeder Sitzungspräsident sich einen Knoten in die Zunge babbelt: „Emir des Karnevals, Efendi programmierbarer Logik, Derwisch der Wölfe, Kalif der harten Töne und Pascha von den drei Aischen“, lautet sein kompletter Titel. Wobei die „drei Aischen“ auf seine Heimat Dreieich hindeuten – oder auf seine drei Frauen daheim.

Sie ist die „Alkuntisa der Fische, Aljamal Alhamis der zwei Höcker, Alsahira allashabia, Hüterin der alexandrinischen Bibliothek und mokkaliebende Kadin Efendi“, denn ohne Kaffee läuft bei Alex gar nix. Die 35- und der 37-Jährige waren „schon immer irgendwo fastnachtsverrückt“, gestehen sie ohne Reue, haben sich schon als Teenager auf Maskenbällen rumgedrückt – „Hauptsache Party“. Seit acht Jahren feiern sie bei den Babbschern.

Als Obertshäuserin kannte die Comtesse die „Leute von den Babbschern“. Er fühlte sich bald zum Rudel hingezogen, der „Männer-Schautanzgruppe mit Gebabbel“, definiert Thorsten. Die Kumpel sehen ihn als „treuen Laien-Darsteller“ in den Videos, die in den vergangenen Jahren stets auf die neuen Regenten hinwiesen. Der Virus hat sich auf die Töchter übertragen, die siebenjährige Emilie tanzt bei den Blue Little Stars, der zweitjüngsten Garde, ihre zwölfjährige Schwester Xenia war über die Grundschulzeit ebenfalls aktiv dabei.

Der Baron ist in Langen geboren und in Sprendlingen aufgewachsen, hat sein Abitur auf der Max-Eyth-Schule mit Schwerpunkt Wirtschaft gemacht. Seine Comtesse besuchte dort zur gleichen Zeit die Berufsfachschule. Alexandra ist in Obertshausen aufgewachsen, mit 15 nach Hausen gezogen und absolvierte bei Bertelsmann in Neu-Isenburg eine Lehre zur Buchhändlerin. Sie übernahm die Leitung der Filiale in Worms, dann in Rüsselsheim. Heute arbeitet sie in Teilzeit im Fischmarkt am Einkaufszentrum, um möglichst viel Zeit mit den Kindern verbringen zu können.

Thorsten ist Groß- und Außenhandelskaufmann, lernte bei Spörle in Dreieich, wo er heute als Produkt-Manager Preisverhandlungen mit Herstellern von Elektronik-Bauteilen führt. Kennengelernt haben sich die eingeschworenen Kickers-Fans bereits 2001 auf dem Bieberer Berg. Gemeinsam bezogen sie 2004 eine Wohnung im Dreieicher Stadtteil Götzenhain. 2007 gaben sie sich das Ja-Wort, drei Jahre später wechselten sie mit der ersten Tochter nach Hausen und vor zwei Jahren übernahmen sie das Haus ihrer Eltern.

Beide lieben die Arbeit im eigenen Garten an der Seligenstädter Straße und in einem Kleingarten in der Anlage Am Maienschein in Mühlheim. Die Familie Heil genießt Gemüse und Salate aus eigener Produktion, der Baron gibt sich als Chili-Fan zu erkennen. Auf dem Wacken-Festival sind sie Stammgäste, sie bevorzugt Rock, er steht mehr auf Metal. „Wir sind viel draußen, fahren Rad zum Minigolfen oder zum Picknicken“, schwärmt Alexandra.

Dass sie jetzt gemeinsam regieren, finden sie toll, weil sie die viele Zeit bei närrischen Terminen miteinander verbringen. „Wir wurden schon früher mal gefragt, aber da waren die Kinder noch zu klein“, erzählt die Comtesse. Jetzt passt’s. Die Töchter wussten nicht, wer bei der Vorstellung unterm Kamel steckte. „Sie waren sprachlos, jetzt sind sie stolz, freuen sich und begleiten ihre Eltern auf die Bühne.“

VON MICHAEL PROCHNOW

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