Bürgermeister wehrt sich vergebens gegen Narren

„Den marode Lade’ will doch keiner“

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Narren und Zuschauer drängten sich vor dem Eingang zum Rathaus in der Schubertstraße, um zu zeigen, wer von jetzt an die Macht in der Stadtverwaltung und über den Etat hat.

Obertshausen – Der Rathaussturm ist schon einer Großstadt würdig: Mehrere hundert Einwohner folgen am Samstag bei herrlichem Winterwetter dem Aufruf des Tanzsport- und Karnevalvereins „Die Elf Babbscher“, den Winter zu vertreiben – und dies im doppelten Sinn. Von Michael Prochnow

Denn die Tollitäten Matthias I. und Jutta I. wollen Bürgermeister Roger Winter die Macht über die Verwaltungshochburg und die Stadtkasse entreißen. Die Lämmerspieler sind gut zu Fuß. Klar, Joey I. und Isi I. waren in Obertshausen zu Hause, kennen den Weg zum Rathaus. Im bunten Lindwurm, der sich am Samstagmittag an der Sporthalle Rodaustraße in Bewegung setzt, sind die beiden Tollitäten zudem gut aufgehoben, begleitet von einer starken Garde und ihren Kollegen aus Mühlheim und Obertshausen. Zugmarschall Markus Höschele ist auch per pedes unterwegs, Sonnau-Ritter Ludwig Neunobel, Holger I. und Evelyn I. sowie Obertshausens Lederbaron Matthias I. und Comtesse Jutta I. werden in Cabrios mit grüner Plakette chauffiert.

Machtübernahme: Comtesse Jutta I. und Lederbaron Matthias I. regieren nun Obertshausen.

Kleine Babbscher schwenken mächtige Fahnen, die „Nodebabbscher“ mit ihrem Schlagwerk sind wie die „Icebreakers“ der Offenbacher Stadtgarde schon von weitem zu vernehmen. Noch stehen nur vereinzelt Anwohner am Straßenrand, manche fallen aber schon mutig verkleidet auf. Und in einer Einfahrt an der Herrnstraße haben sie eine Freiluftparty angezettelt. Stimmung und Länge des Zugs verbessern auch Kinder und Eltern der katholischen Kita St. Josef, die sich passend zum Motto „Babbscher’s Eleven“ in riesige Spielkarten gehüllt haben. Die Farbenpracht verstärken weitere Garde-Mädchen, Schellennarren, „Blumen“ und Schürzenträger, insgesamt sind es 320 Zug-Teilnehmer.

Kapitulation: Bürgermeister Roger Winter und der Magistrat mussten schnell aufgeben.

Babbscher Sebastian Leinweber begrüßt jede Gruppe. Auf der Bühne vorm Rathaus zeigen die jungen „Blue Magic Kids“ sicher ihre Hebefiguren, „Tanzfloh“ Florentina Kniel begeistert mit ihrer Choreographie, ebenso die Blue Butterflies in Affen- und Schülergewändern. Später zaubern drei „Black Fairies“ von der Stadtgarde Offenbach flotte Fastnachtslaune.

„Unser Bürgermeister will wohl für immer Winter-Zeit“, unkt Babbscher-Chef und Protokoller Andreas Murmann, der auch das Gezänk um Diesel, Feinstaub und Postengeschacher der Parteien kritisiert. „Die Welt lacht über Deutschland“ – Obertshausen setze aber nicht auf Fahrverbote, hier gelte das Winter-System, Rathauschef Roger fahre Rad.

Narren ziehen durch Hausen und stürmen das Rathaus: Bilder

„Die drögen Beamten vertreiben“ wollen Matthias I. und Comtesse Jutta I.: „Selbst die EU-Kommission aus Brüssel, die Debbe’, habbe’ erkannt, die Winter-Zeit, die wird’s net mer gebbe’“ „Kommt doch am Mittwoch zur Sprechstund’ vorbei“, lädt der Bürgermeister ein. Viel zu verteidigen gibt es aber offenbar nicht: „Den marode’ Lade’ hier, des sag’ ich euch immer, den will doch keiner.“

Der Baron überredet den versammelten Magistrat zum Würfeln. Doch dem nutzen weder die Fesselung des Ersten Stadtrats Michael Möser, noch die sechs Augen auf dem Spielgerät. Die Regenten werfen zweimal die „1“, also eine „11“. Winter kapituliert: „Es bleibt in Grenzen der Frust, am Aschermittwoch ist ja alles vorbei.“. In einer Polonaise ziehen Vertreter aller Vereine in den Sitzungssaal. Draußen werden derweil die Narren verköstigt.

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