Keine Chance für‘s Nickerchen

Fastnachtssitzung des Katholischen Kirchenchors Hausen

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Die „Außerirdischen“ vom Kirchenchor standen in „blinkend grün“ auf der Bühne.

Obertshausen - Viel Lokalkolorit und echte Typen adeln die Fastnachtssitzungen des Katholischen Kirchenchors Hausen. In seinen Reihen sitzen zudem die Gründerväter der Narretei in der Stadt. Die Sänger starteten damit vor 60 Jahren.

Im Takt von Marmor, Stein und Eisen: mit Rippche’, Kraut und Äppelwoi, vom Taunus bis zum Ode’wald – mit Kontrabass und 50er-Jahre-Gitarre. Dank der fünf Funny Fiffties „tanzt im schönen Hausen der Bär“, würdigt Kirchenchor-Sitzungspräsident Matthias Pappert zum Auftakt. Die Band erzählt von der Pfarrhaus-Renovierung. Und es gebe nun keine Gelegenheit mehr für ein Nickerchen in St. Pius. Schuld sei Pfarrer Christoph Schneider, „der spricht dich direkt an, und die Kirch is voll“. Vom Äppelwoi schmettert auch der „Häuser Bub“ Josef Mayer.

Die kunterbunten Kerbmusikanten von der TGS blasen den Marsch auf Lederbaron und Comtesse, auf den Verlust der Mehrheit für die Stadt-CDU und das Volkschor-Jubiläum. An Herz Jesu wurden Knochen von „scheinheiligen Obertshäusern“ ausgegraben, die Kerb lief auf dem Pilgerplatz, aber Obertshäuser pilgern zu „Albatros“ Schneider. Trompeter Peter Kleinschmitt packt auch die drei Variationen für ein Rathaus und die „Ödnis“ auf der Seligenstädter Straße in Reime, die Kameraden quittieren sie mit passenden Melodien.

Das Protokoll übernimmt Robin Hood, in dessen Kostüm Sängerin Monika Mayer mit Feder und Tröte steckt. Sie beklagt die Eisenbahner-Streiks und den teuren Queen-Besuch. 29 Jahre habe Pfarrer König, der „King“, die Pfarrei Hausen regiert, ein „Hans Dampf“, der „immer für seine Schäfchen da“ war. Vielleicht schafft’s der Neue, den Ärger mit der Nachbarin „mit Charme und frischem Wind“ beizulegen. Pfarrer Hofmann, der „Don Camillo“, macht aus Obertshausen einen Wallfahrtsort. „Man kann es auch übertreiben und sollte mit den Füßen auf der Erde bleiben“, kommentiert die Protokollerin. Fluglärm? „Ich kann es nicht mehr hören, wer tut sich daran stören: die Gleichen, die ferne Länder wollen schnell erreichen.“

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Vom Schauspiel keine Ahnung, aber eine Rolle im Tatort hat die Lisbeth gewonnen. Dabei ist es ihr Karl, der das Theater liebt - darum ist er ja auch Lehrer geworden! KKCH-Vorsitzende Martha Volpert und ihr Mann Michael üben das Schreiten als strahlender Held oder „schurkischer Gegenspieler“. Wie die Profis beherrschen sie ihren Text auswendig, doch die Lisbeth soll schließlich nur „e Leich“ mimen. „Wenn du kommst in Militär, hast du zwei Möglischkeite: Wenn die schicke’ dich in Büro, hast du besser. Wenn die schicke dich an Front, du hast zwei Möglischkeite’“. Das geht so bis zur Klorolle. Pastoralassistent Ralf Hofmann liebt es makaber. Im russischen Pelz bringt er den Saal mit Akzent, Refrain und große Gesten zum Brodeln.

Bilder: Sitzung des Katholischen Kirchenchors Hausen

Auch der „Schlääschte“ war ewig lange nicht mehr da, Reinhold Debus. „Ei, basste mal uff“, stottert er im breiten Hessisch, wie er mit einem „Rescheschirm unner de Brause steh’, weil ich’s Handtuch vergesse’ hab’“. Der „echte Schläächte“ gefällt als wahrer Vortragskünstler. Dieses Prädikat verdient auch Maria Massoth, Hausens bekannteste Hausfrau. Sie brilliert in ihrem „definitiv letzten Auftritt“, wie der Präsident betont. „Was hätte ich Männer habe’ könne, keiner hat mit mir wolle, der Vinzenz hat mich genomme’.“ Sie erzählt von bissigen Begegnungen in der Ehe. Zu zweit sehnen sich die „Schwäne“ Michael Möser und Oliver Murmann als Repräsentanten den Schwimmteich für „Bad Obertshausen“ herbei. Doch auch der schwule Trainer in rosa Tüll (Andreas Murmann) kann da nicht helfen.

Einen Augenschmaus bildet das Tanzprogramm: „Indianer“ von der TGM Seligenstadt fesseln Sitzungs-Regisseurin Hertha Cecelja an den Marterpfahl. Die Tanzgruppe Elan der TGS Hausen zeigt akrobatische Figuren in schwarzen Anzügen und signalfarbenen Ärmeln. Im Punker-Look rocken die „Häuser Gretchen“ von den Babbschern das Publikum. Und bei den „Außerirdischen“ vom Kirchenchor ist alles andersrum. Traditionell kombinieren die Chor-Sängerinnen bekannte Melodien mit flotten Schritten, und diesmal alles in blinkend grün. „Wir fliegen zurück zum Mars - das war’s.“

M.

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