Mit geistlichem Beistand

Katholischer Kirchenchor singt und tanzt sich in die 80er-Jahre

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Als Tünnes und Schäl standen Norbert Hofmann und Andreas Farnung auf der Bühne.

Der Katholische Kirchenchor Obertshausen (KKCO) beweist in bester Manier der Gläubigen viel Humor bei seiner Sitzung im Pfarrsaal St. Thomas Morus.

Obertshausen – Es sind vor allem die Sängerinnen, die das Programm bestreiten und eine Zeitreise zurück in die 80er-Jahre starteten. Dabei formte das Dreigestirn, KKCO-Vorsitzende Katja Larbig, Organisationschefin Regina Lubezük und Chorleiterin Lucia Herdt-Oechler, mit einem Kreis närrischer Damen musikalisch-kreative Beiträge mit viel närrischer Energie. Und das auf Basis der vergnügten Hits der Neuen Deutschen Welle.

Der Schlachtruf „Erbarme, die Hesse komme’“ von den Rodgau Monotones diente für den Einzug, dann deuteten die Aktiven „Da, Da, Da“ auf „Major Tom“, der mit dem Raumschiff. Das Ensemble schwärmte für „Deine blauen Augen“, fragte mit der Spider Murphy Gang „Wo, wo bist du?“ und ließ mit Nena einen von „99 Luftballons“ steigen. Wie Wolfgang Fierek versprachen die Frauen, „Resi, i hol di mitm Traktor ab“, die Herren verrieten, was sie „mit 66 Jahren“ vorhaben und reisten à la Udo Lindenberg im „Sonderzug nach Pankow“. Heftiger war ein kleinerer Kreis der Aktiven im zweiten Teil unterwegs. Als „Pretty Women“ schmetterten sie witzige bis derbe Trinklieder, köstlich-theatralisch dargeboten. Ihr Talent für die Bühne spielte die Truppe in einer Pantomime aus.

Ohne Worte: Pantomimisch gaben die Frauen des Chors eine Kino-Szene zum Besten.

Dass dem Stadtpfarrer der Schalk im Nacken sitzt, wissen die Gläubigen längst. Diesmal gab Norbert Hofmann mit Andreas Farnung das Kölner Duo Tünnes und Schäl, weil „der größte Pilgerstrom“ zur Wallfahrtskirche St. Thomas Morus aus der Domstadt komme. „Dann bebt unser Gotteshaus, dann steht ein Fünf-Liter-Fass Kölsch auf dem Ambo.“ Die „Leichen“ im Pfarrhauskeller, die leeren Weinflaschen, seien „alle mit geistlichem Beistand gestorben“, versicherte der Seelsorger. „Viva Basilika“ lautete der Refrain, denn Zukunftsängste kennen die Pfarreien nicht. Vor Herz Jesu sollen ein „riesiges Pilgercafé mit Pilgertassen, -schals, -brot und Caravaca-Kreuzen in allen Variationen und Glockenräder im Mini-Format verkauft werden.

Sängerin Siggi Müller klagte in klassischer Bütten-Tradition über ihren pubertierenden 17-Jährigen: „In diesem Alter sind alle hirnverbrannt!“ Selbst beim begleiteten Fahren lasse der Sohnemann sich nichts sagen, klagte die Mama, „wartet am Stoppschild, bis es grün wird“. Protokoller(in) war auch beim Kirchenchor „Sheharazade“, Michael Schmitt, bauchfrei im Orient-Tüll. Der „Babbscher“ legte seine Finger zielsicher in die Wunden der Stadt, lästerte über die Plakate zur Bürgermeisterwahl.

Der Karnevalverein bestritt mit den „Blue Diamonds“-Tänzerinnen, den siamesischen Scheich-Zwillingen Michael Möser und Oliver Murmann, dem Männerballett „Rodaupiraten“ als Schweine und Frösche und Solo-Tänzerin Kira Frickel einen großen Teil des Programms. Natürlich präsentierte er auch Lederbaron Thorsten I. und Comtesse Alexandra I. Der Offenbacher Karnevalverein brachte Klaus VII. und Natalie I. in den Saal. Wohlmeinende Sponsoren ermöglichten zudem die Auftritte der „Vanity-Show-Dancer“, die zu Stimmungshits tanzten. Die gab die lederanische Prinzessin von 2016, Simone Klasterka, als Margit Sponheimer zum Besten. Wichtige Beiträge lieferten ferner Moderator Manfred Schmutzer, Dominik Mann sowie Brigitte und Uwe Zahn an der Technik. Siggi Müller gestaltete die Orden, Katja Larbig die Kulisse und ein starkes Helferteam die gute Atmosphäre.

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VON MICHAEL PROCHNOW

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