Auch ohne Umzug!

Bürgeler nehmen die Absage ihrer närrischen Parade mit Humor

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Offenbach - Die Bewohner von Burgilla ließen sich ihre Fastnachtsstimmung nicht von Sturm „Ruzica“ vermiesen. Ganz im Gegenteil....Von Sarah Neder, Thomas Kirstein und Martin Kuhn

Die älteren Fastnachter haben die Geschichte sofort parat. Zum dritten Mal fällt der Bürgeler Umzug flach. „Einmal war’s der Golfkrieg“, erinnert sich ein Gast im Bistro Hofgarten an 1991. Ein Jahr davor vermieste Sturmtief Vivian das Finale der närrischen Kampagne. Auch 2016 ist Petrus Schuld: Die Intervention am gestrigen Vormittag kommt von Ordnungsamtsleiter Peter Weigand. Der hat den offiziellen Unwetterwarnungen für Hessen entnommen, dass für Offenbach und seine Stadtteile in der Zeit zwischen 14 und 19 Uhr Sturmböen bis zu 130 Stundenkilometer befürchtet werden. „Am Montag sah’s noch akzeptabel aus, dann ist es von Orange nach Rot korrigiert worden“, sagt der für Gefahrenabwehr zuständige Amtsleiter unserer Zeitung. Die Gefahr der fast ausschließlich von Fußgruppen lebenden Kappenfahrt besteht nun kaum darin, dass Motivwagen umkippen.

Peter Weigand möchte aber nicht die rechtliche Verantwortung tragen müssen, wenn Teilnehmern oder Zuschauern Dachziegel auf den Kopf geweht werden. Also empfiehlt er der Ranzengarde Absage – mit der unmissverständlichen Ansage, dass das Ordnungsamt notfalls ein Verbot aussprechen werde. Entsprechend meldet sich Markus Hof – im Elferrat bei der organisierenden Ranzengarde passenderweise der Minister für Dach und Giebel – um 10.42 Uhr in der Redaktion. „Der Zug fällt aus! Gebt allen Bescheid.“ Machen wir. Dann die kurze Nachfrage bei Raga-Sprecher Robert Pies: Wo feiert ihr stattdessen? „Gar nicht. Aber wie gehabt: Abends ist Kehraus in St. Pankratius.“ Von wegen keiner feiert! Pünktlich um 14.31 Uhr versammeln sich die ersten Kostümierten im Trockenen.

Burgilla wie es singt und lacht - auch ohne Zug

Thekenparty statt Umzugssause. „Wir machen das Beste draus“, lautet etwa die Devise von „Kneipe“-Wirtin Ursel Rauber, die auf eine volle Bude trotz der Absage hofft. Auf die Bürgeler Straßen trauen sich am Nachmittag nur sehr wenige. Selbst mit flauschiger Plüschverkleidung sind Wind und Wolkenbrüche nur schwer zu ertragen. Eine Gruppe Jugendliche wagt sich dennoch ins Nass. „Wir wissen nicht, wo wir hingehen sollen“, sagt der 15-jährige Paul achselzuckend. Da er und seine drei Freundinnen noch nicht in die Lokale dürften, sei die Straßengaudi immer ein guter Treffpunkt gewesen. „Da feiern alle zusammen“, ergänzt Begleiterin Pascale. Enttäuscht sind vor allem die Fußtruppen. Elke Kromm beispielsweise wäre bei den Raga-Frauen mitgelaufen. „Wir haben heute morgen um sieben angefangen uns zu schminken“, berichtet sie mit blau-glitzerndem Make-up im Gesicht. Gatte Frank, Mitglied des Elferrats der Ranzengarde, erzählt: „Wir haben den Wagen schon wieder abgeschmückt und die Bonbons eingelagert.“ An der Theke im Bistro Hofgarten munkelt man schon über einen Wiederholungstermin für den Umzug: Christi Himmelfahrt? Bis dahin wollen die Bürgeler aber keine Trübsal blasen. „Wir lassen’s heute noch so richtig krachen!“, kündigt Elke Kromm an.

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