Eine bunte Botschaft

Fastnachtszug schlängelt sich mit viel Lokalkolorit durch Bieber

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Der traditionelle Fastnachtsumzug schlängelt sich wie jedes Jahr durch die Straßen in Offenbach-Bieber

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. In den darauffolgenden Wochen sollen sich die Menschen auf Ostern und die Auferstehung Jesu vorbereiten, fasten, ernster werden, sich besinnen und Gutes tun.

Offenbach-Bieber - Aber vorher wird noch einmal richtig gefeiert – gerade in katholisch geprägten Regionen. Und so war man am Samstag in Bieber natürlich an der richtigen Adresse. Mit einem fahlen Beigeschmack. Nach den Morden in Hanau hatten im Vorfeld die lokalen Unionschristen und Sozialdemokraten ihre Teilnahme gemeinsam abgesagt.

Fotos: Mangold

Ab dem Bieberer Bahnhof gehen die Fahnenträger des Heimatvereins Punkt 14 Uhr voran. Zuletzt setzen sich die Vereins-Elfer der Interessengemeinschaft Bieberer Ortsvereine (IGBOV) in Gang. Die „Freie Wähler Offenbach“ ähneln der Bürgerinitiative „Natürlich-Bieber-Waldhof“, die sich gründete, damit die Bebauung von Waldhof-West nur als Plan in die Stadtgeschichte eingeht. „Natürlich treten wir zum ersten Mal an“, erklärt Peter Janat, der mit Andrea Rupp das Sprecher-Duo bildet. Passend zur Forderung, das Ackerland nicht anzutasten, erscheinen die Zugteilnehmer als Schmetterlinge und Bienen, das gilt auch für die Freien Wähler (FW), die gefühlt „seit 80 Jahren dabei sind“.

Fastnacht mit politischem Statement. Bunt statt braun. Den Besuchern, viele davon kostümiert, gefällt, was der Bieberer Heimatverein um Egbert Färber (Mitte) durch die Gassen marschieren lässt. Fotos: Mangold

Das empfindet Dennis Lehmann so. Der Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament erzählt, am Tag zuvor hätten Vertreter der SPD und der CDU angerufen, ob auch die FW wegen der fremdenfeindlich motivierten Morde in Hanau ihre Teilnahme abgesagt hätten. Die Parteien befinden sich im Dilemma. Machen sie mit, müssen die Vertreter in den „Sozialen Medien“ von Namenlosen lesen, sie reagierten auf den Terror mit „Helau“. Sagen sie ab, dann heißt es: „Ihr beugt euch.“

Probleme, mit denen sich die Frauen der Gymnastikgruppe des Wassersportvereins 1923 nicht herumschlagen müssen. Sie gehören ebenfalls seit Jahren zum festen Bild des Umzugs. Helga Ortwein räumt allerdings ein, man habe die Kostüme zum ersten Mal nicht selbst geschneidert. Das Bild der adligen Damen aus den Zeiten Wiener Klassik wirkt dennoch vom Feinsten.

Viele Kostüme sind ein Hingucker, dabei sind jedoch keine anderen Farben so präsent wie Rot, Weiß, Blau und Gelb, heißt es so schön. Von wegen! In Bieber dürfen selbstverständlich auch gern grüne Farbtöne dabei sein. Fotos: Mangold

Ebenfalls immer was Neues denken sich auch die Mitglieder des Heimatvereins aus, der den Zug organisiert. Das ist nicht immer so, aber diesmal kann man den Vereinsvorsitzenden Egbert Färber mit Krone sofort erkennen. Die Heimatfreunde laufen als „Kings und Queens“ durch Bieber. Die meisten Anwohner stehen vor ihrem Haus oder schauen zumindest aus dem Fenster. Es fällt nicht immer leicht, mit den Bonbonbons an den Köpfen vorbei ins Zimmer zu treffen.

Die Katholiken bilden in Bieber die große Mehrheit. „Im Alltag spielt das aber keine Rolle“, betont Dirk Weikum, der die Fahne der Evangelischen Jugend trägt. Am Rand steht auch einer wie Holger Pieper als Hahn verkleidet, der Kirchenvorsteher von der protestantischen Friedensgemeinde in Mühlheim. Den zog es für heute mit Familie in die Ferne, „weil die Schwiegereltern hier wohnen“.

Fotos: Mangold

Niemand hat Lust auf Stimmung, wenn es einem ins Genick tropft. Petrus meint es aber gut mit den Bieberer Narren. Tage zuvor hatte es noch kräftig gegossen. Und auch amgestrigen Sonntag hätte keiner auf der Gasse zu ABBA tanzen wollen, wie die Frauen der Fitnessabteilung der TGS Bieber. Klar, beim lokalen Zug hat der Asphalt trocken zu bleiben...

Fotos: Mangold

Irgendwann klafft eine Lücke zwischen dem roten Traktor, den ein Schild mit „Western Town Bieber“ ziert und den Jungs und Mädels vom „Oldie-Club Offenbach“. Hinter den Cowboys steckt der Gewerbeverein Bieber mit der Vizevorsitzenden Kerstin Hofferbert, denen es schließlich gelingt, Ecke Herder- und Uhlandstraße auf die Rock’n’Roller aufzuschließen. Premiere hat „Närrischers Allerlei“, ein bunt zusammengewürfelter Haufen aktueller und ehemaliger Bieberer. „Wie sind Newcomer“, betont Robin Mosch. Wer auf die Idee kam, als Spielkarten die Gassen entlang zu wandeln, weiß niemand mehr. Egal, sieht prima aus...

Bilder: Der Faschingsumzug in Bieber

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VON STEFAN MANGOLD

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