Offenbach

Der größte Zug aller OKV-Zeiten

So verläuft der Zug: Unsere Karte markiert auch, wo Zuschauer Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten finden, von wo aus das Fernsehen überträgt (rote Kamera) und wo auf Bühnen Livemusik geboten wird (Mikrofon). karte: mk / Maps4news

Dachorganisation der lederanischen Narren bereitet seit zwei Jahren den 2. Februar vor.

Offenbach – Regelmäßige Fastnachtsumzüge sind in Offenbach Stadtteilsache – in Bieber und in Bürgel mit der „Kappenfahrt“ der Ranzengarde. Die Innenstadt wird seit 1961, als die Züge zu teuer geworden waren, nur noch in größeren Abständen närrisch beglückt.So 2005, als es „150 Jahre Straßenfastnacht in Offenbach“ zu feiern galt, und 2010 zum 75-jährigen Bestehen des Offenbacher Karnevalvereins (OKV). Zehn Jahre später, am 2. Februar, ist es ab 14 Uhr wieder soweit.

Um diesmal den Anlass zu verstehen, reichen jedoch die Jubiläums-Grundrechenarten in Zehner- und Fünferschritten nicht aus. Es muss schon das kleine Karnevalisten-Ein-mal-eins beherrscht werden, um zu begreifen, dass auch 66 Jahre, also sechs mal elf, ein Grund zum Feiern sind: Und so lange ist es her, dass – jetzt muss spezielle Historie die Jokus-Mathematik ergänzen – die „Bürgeler Akte“ unterzeichnet wurde. Die machte 1954 aus elf Vereinen des organisierten Frohsinns die große Familie des Offenbacher Karnevalvereins.

Im Gespräch mit zwei der drei maßgeblichen Macher des aktuell anstehenden Zugs (OKV-Chef Klaus Kohlweyer und Klaus-Dieter Roos, Bernd Meuer ist verhindert) darf die Frage erlaubt sein: Was war eigentlich zuerst da – der genannte Anlass oder die Idee, nach zehn Jahren wieder mal was auf die Gasse bringen zu müssen? Es ist vor zwei Jahren beides zusammengekommen, versichern sie. Kohlweyer ergänzt: „Wir haben auch das Datum schick gefunden – Zweiter Zweiter Zweitausendzwanzig.“ Für den sicher noch schöneren 2. 2. 2022 wäre wohl kein Anlass zu finden gewesen.

Der fragliche Sonntag in einer Woche wird dann den größten Umzug erleben, der in Lederanien je auf die Beine und die Räder gebracht worden ist. Zweieinhalb Stunden für dreieinhalb Kilometer Weg sind veranschlagt.

Das geht auch hinaus in die Welt, denn das Hessen-Fernsehen schickt den Superlativ in Echtzeit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus: 85 Vereine haben sich angemeldet und bringen es auf 125 Zugnummern, die knapp 1,8 Kilometer Aufstellfläche benötigen; 29 der Gruppen machen Musik; vor Tausenden von Zuschauern am Straßenrand und noch mehr vor heimischen Bildschirmen werden alles in allem 2 700 Menschen defilieren.

Sie kommen nicht nur aus der Stadt und der Region, sondern aus ganz Deutschland. Weitere Anfahrtwege haben etwa Teilnehmer aus dem westfälischen Lüdenscheid, dem nordhessischen Eschwege, dem tauberfränkischen Tauberbischofsheim, Siegburg im Rheinland, Schwäbisch-Gmünd in Schwaben oder den oberhessischen Städten Marburg und Wetzlar. Seit anderthalb Jahren hat Klaus-Dieter Roos, der von 1970 bis 2005 federführend die „Große Schau des OKV“ organisierte, die Akquise betrieben und ein imposantes Feld zusammengestellt. „Und bis zum Schluss kommen sie noch aus den Löchern“, freut er sich über ungebrochenes Interesse.

Seit zwei Jahren laufen die Vorbereitungen. Hilfreich war, dass das Land Hessen einen Zuschuss von 10 000 Euro beisteuerte. Unter anderem davon hat der OKV 15 einachsige Anhänger gekauft und mit Plattformen ausgerüstet. Die ihm angeschlossenen Vereine dürfen sich bei der Gestaltung der jeweiligen Motive kreativ entfalten. „Wir sind schon gespannt, was die sich einfallen lassen“, sagt Vorsitzender Kohlweyer. Zusätzlichen Ansporn soll ein interner Wettbewerb um den schönsten Wagen geben.

Der OKV selbst schickt vier Fahrzeuge auf die Piste. Ein Anhänger präsentiert die „Bürgeler Akte“, dabei sind der erst vor wenigen Jahren erneuerte Prinzenwagen, das historische Opel-Cabrio und die das Zugende bildende „Zug-Ente“. Die Wiking-Elfer lassen ihr Narrenschiff auslaufen, ihre traditionellen Wagen bemannen die Bürgeler Ranzengarde und die Gemaa-Elfer aus Tempelsee. Frankfurt entsendet den Fastnachtsbus seiner Verkehrsbetriebe und, falls er um die Engstelle Frankfurter/Herrnstraße passt, einen Wagen.

Für die Aufstellung in vier Bahnen hat der OKV ein Farbsystem entwickelt, sodass jede Gruppe bei der Ankunft weiß, wo sie sich von den bereitstehenden OKV-Leuten einweisen lassen soll. Bis zu 70 Reisebusse sollen auf dem Mainvorgelände Platz finden. Der für alles Technische zuständige Bernd Meuer wird, entsprechend geschult, überprüfen, ob die für den Zug gedachten Wagen, auf denen Menschen mitfahren, das sogenannte Brauchtumsgutachten des TÜV vorzuweisen haben. „Was er entscheidet, ist Gesetz“, betont Kohlweyer einen hohen Sicherheitsstandard.

Rund 200 Leute werden am Streckenrand bereitstehen, damit alles klappt und eventuelle Notfälle bewältig werden können. Polizei, Stadtpolizei, Feuerwehr, DRK und Technisches Hilfswerk sind eingebunden. Auf dem Aliceplatz ist eine Sanitätsstation mit zwei Notärzten eingerichtet, mobile Sanitäter patrouillieren entlang der Strecke. Auch ein Abschleppunternehmen ist nahe, sollte eine motorisierte Zugnummer schlapp machen.

Die Zuschauer werden an drei Bühnen (vor dem Sheraton-Hotel Berliner Straße, Aliceplatz, Hauptbahnhof) mit Livemusik unterhalten und verpflegt. „Wir müssten eigentlich alles vernünftig und sauber organisiert haben“, meint der auch beruflich mit Großveranstaltungen beschäftigte Klaus Kohlweyer. Aber: „Das gibt’s nicht, dass nix passiert.“ An die entlang der Zugstrecke wohnenden Offenbacher ist selbstverständlich auch gedacht. Sie werden rechtzeitig mit Flyern über das informiert, was ihnen am 2. Februar bevorsteht: in acht Sprachen.

VON THOMAS KIRSTEIN

Infos im Internet okv-web.de

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